Die Biathletin Ekaterina Dafovska – die einzige Olympiasiegerin Bulgariens bei Winterspielen

Die Schneekönigin des Rodopen-Gebirges im Einsatz.
Foto: BGNES
"Die Schneekönigin des Rodopen-Gebirges" – so ist die heute 35jährige Ekaterina Dafovska in Bulgarien bekannt. Die Biathletin ist die erste und bisher einzige bulgarische Olympiasiegerin bei Winterspielen. Aber nicht nur mit dem olympischen Gold imponiert die Ausnahmeathletin Dafovska. Sie ist vor allem eine sympathische, herzliche und aufgeschlossene junge Frau.

Jener frühe Februarmorgen ist für immer in die bulgarische Sportgeschichte eingegangen. Das kleine Balkanland feierte am 9. Februar 1998 seine erste Olympiasiegerin im Wintersport. In Nagano war Dafovska über 15 Kilometer nicht zu schlagen. Dabei war der Biathlon nicht ihre erste große Liebe. Anfangs trainierte das damals kränkelnde Mädchen Ski-Orientierungslauf, um wieder gesund und kräftig zu werden. Mit 15 stand es aber dann fest – Dafovska wechselte zum Biathlon und feierte in ihrer erfolgsgekrönten Laufbahn unzählige Siege. Der größte unter ihnen aber ist und bleibt der Olympiasieg:

© Foto: BGNES

"Das kann man mit Worten gar nicht beschreiben. Es ist unglaublich schön, wenn du da ganz oben auf dem Treppchen stehst. Lange Zeit nach dem Sieg kann man es auch nicht so richtig begreifen. Man kann den Sieg nur fühlen. Und dieses Gefühl ergreift mich immer, wenn ich an die Winterspiele 98 zurückdenke. Aber auch bei anderen Olympischen Spielen, wenn andere Mädchen den Titel holen, ist es für mich immer wieder sehr ergreifend."

Dafovska ließ sich vom Glanz der Goldmedaille aus Nagano nicht blenden, ihr sind die Starallüren und Narzissmus der golddekorierten Sportler schon immer fremd gewesen. Das olympische Gold gewann Dafovska mit viel Arbeit und Konsequenz im Biathlon. Das will sie dem Nachwuchs weitergeben. Die Olympiasiegerin hat es nicht leicht – in einer Sportart, die von Skandinaviern, Deutschen und Russen zu einer Industrie hochentwickelt worden ist, blieb sie in Bulgarien eine Einzelgängerin. Ähnlich, wie in anderen Sportarten, schafft es Bulgarien auch im Biathlon nicht, eine Schule aufzubauen. Im Tennis gab es nach den Erfolgen der Schwestern Maleev lange Zeit keinen Nachwuchs. Und auch nach Peter Popangelov im alpinen Skisport stellte sich eine lange Pause ein. Als Vorsitzende des Biathlon-Verbands will das Dafovska ändern.

"Wir brauchen konsequente Unterstützung, dauerhafte Investitionen in den Hochleistungssport. Es muss aber auch Reize für die Wirtschaft geben, damit sie den Sport finanziell unterstützt. Bei uns gibt es im Hochleistungssport keine Kontinuität, wie in anderen Ländern und wir warten nur darauf, dass sich Naturtalente durchboxen. Ich bin meinem Schicksal dankbar, dass Bulgarien auch vor meiner Generation sehr gute Biathletinnen hatte und ich von ihnen lernen durfte. Aber heute sehe ich keinen Nachwuchs, der von uns, den erfahrenen Sportlern, lernen könnte."

Nach mehr als 15 Jahren im aktiven Sport gab Dafovska 2007 verletzungsbedingt ihren Rücktritt bekannt. Die Biathlon-Olympiasiegerin konnte sich nicht vollkommen von einer Schulter-Operation erholen. Dafür aber widmete sie sich einem ganz neuen Metier – dem Hotelwesen. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten eröffnete sie ein Dreisterne-Hotel im bekannten Skiort Pamporovo, nur 10 Kilometer von ihrer Geburtsstadt Tschepelare entfernt. Damit erfüllte sie sich den Traum vom kleinen Familienhotel im Rodopen-Gebirge.

"Das ist ein ganz neues Abenteuer, in das ich mich stürzte, wo ich auch viel zu lernen habe. Aber es gefällt mir, weil ich in den Bergen sein werde, mit vielen Menschen im Kontakt bleibe und es doch sehr interessant ist. Ich kenne mich ein bisschen aus, immerhin verbrachte ich 15 Jahre lang auf Reisen."

Auf Reisen geht heute Dafovska am liebsten mit ihrem Lebensgefährten und beiden Söhnen Martin und Dimiter. Denn die Familie war und bleibt ihr am aller wichtigsten, und jetzt hat sie endlich mehr Zeit für sie.

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