Die Trüffel – eine neue Goldgrube in Bulgarien?

Foto: EPA/BGNES
Obwohl sie oft auf unseren Tisch kommen, sind die Pilze immer noch nicht vollkommen erforscht. Ganz zu schweigen von den besonders schmackhaften, wertvollen und sündhaft teuren Trüffeln. Diese knolligen, meist unterirdisch wachsende Pilze gehören zu den teuersten und kulinarisch wertvollsten ihrer Gattung. Gibt es aber Trüffeln auch in Bulgarien? Die klimatischen Gegebenheiten wären vorhanden, behaupten die Wissenschaftler.

„Bulgarien bietet alle Voraussetzungen dafür“, sagt auch Boris Assjow von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. „Die Trüffeln sind jedoch nicht sehr einfach zu finden. Dabei helfen speziell geschulte Hunde, welche sehr selten sind und wir, Wissenschaftler, schon gar nicht haben. Im benachbarten Griechenland sieht es jedoch ganz anders aus – diese Branche entwickelt sich rasant und die Forscher dort verfügen inzwischen über sehr ausführliche Informationen“, behauptet Boris Assjow.

Diese Untersuchungen stehen in Bulgarien noch bevor, hoffen die Wissenschaftler. Bisher bekannt ist, dass in Bulgarien vier von den insgesamt acht kulinarisch relevanten Trüffelarten vorkommen. Darunter ist jedoch die wertvollste unter ihnen, die weiße Trüffel, nicht. Oder es hat bisher niemand zugegeben, sie gefunden zu haben. Die klimatischen Bedingungen sind auf jeden Fall gegeben – mildes Wetter und Mischwälder mit Linden, Eichen, Kirschen, Hainbuchen, Weiden und Haselsträuchern. Als südliches Land gibt es in Bulgarien viele solcher Wälder.

„Die Trüffeln gehen eine Verbindung mit den Wurzeln ihrer Wirtspflanzen ein“, erläutert Boris Assjow. „In der Regel erfolgt diese Verbindung zum gegenseitigen Nutzen. Die Wirtspflanze erhält Mineralsalze und Wasser und die Trüffel wird mit Photosyntheseprodukten versorgt. Entscheidend sind Bodenbeschaffenheit, Belüftung, Sonnenscheindauer sowie viele weitere Faktoren, was die Fundstellen der Trüffeln enorm schwierig und ihren Preis schwindelerregend macht“, kommentiert der Wissenschaftler.

Erst nach der Wende wurde in Bulgarien zum ersten Mal behauptet, dass es die wertvollen Pilze auch hierzulande gibt. Die Trüffelsucher hüteten ihr Geheimnis streng, ließen aber anonyme Informationen in der Presse durchsickern. Damals sollen auch die ersten Spürhunde angeschaffen worden sein. All das deutet darauf hin, dass es wohl schwarze Trüffel in Bulgarien mit Sicherheit gibt, jedoch unbekannt ist, wo. Als sicher gilt zudem, dass es in unserem Land keine künstlich geschaffenen Trüffeln gibt.

„Trüffeln werden seit dem 19. Jahrhundert erfolgreich gezüchtet“, berichtet Boris Assjow von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. „Inzwischen ist die Gastronomie soweit, dass bis zu 80% der verwendeten Trüffeln gezüchtet sind. Die Biologie und Lebenszyklen der unterirdischen Pilze sind wenig wissenschaftlich erfasst. Die natürliche Trüffelzucht ist aller Annahme zum Trotz ohne Probleme auf dem richtigen Boden möglich“, behauptet Boris Assjow.

Seit einigen Jahren investieren Ausländer in Bulgarien in Trüffelplantagen. Das behauptet Jowo Jowtschew in einem Interview für die bulgarische Presse. Er selbst arbeitet für eine Firma, die sich auf die Trüffelzucht spezialisiert hat. Die ausländischen Investoren sind in der Regel sehr gut vorbereitet, behauptet er. Die Experten sind sich einig, dass die Trüffelzucht ein geeigneter Ersatz des Tabakanbaus in Bulgarien sein könnte, zumal die Tabakanbauer von der EU-Kommission nicht mehr subventioniert werden. Bekanntlich ist der Tabakanbau für weite Teile des Landes im Süden der wichtigste Broterwerb. Das einzige Problem ist jedoch der Startkapital, da die erste Trüffelernte in der Regel nach 3 bis 5 Jahren zu erwarten ist. Es ist ein sozialrelevantes Problem, dessen Lösung von der Regierung angestrebt werden sollte.

Übersetzung: Vessela Vladkova

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Maxim Mintschew

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