Auf den Spuren der IS-Krieger im Irak

Autor:
Foto: Ruslan Trad

Nach der Invasion der Amerikaner im Irak 2003 und dem Sturz von Saddam Hussein ist es um die Sicherheit in den dortigen Großstädten schlecht bestellt. Die Regierung in Bagdad, die von Saddams Gegnern dominiert wird, hat sowohl aus Sicht der Minderheiten als auch der überwiegenden Suniten viele Fehler begangen. In den Provinzen, die dem früheren Diktator die Treue halten und gegen die Regierung agieren, herrschen Revanchismus, Repressionen und Rivalitäten. 2012 begannen die Suniten in den westlichen Provinzen und vor allem in Anbar, gegen Nari Al Malikis Führung zu rebellieren, den die Terror-Akte des IS veranlassten, von seinen Posten als Ministerpräsident zurückzutreten. Fehler, die er während seiner Amtszeit als Regierungschef gemacht hat, Ungleichheit und Repressionen dienten als Katalysator für die Handlungen der radikalen Gruppen als, sind Analysten überzeugt.

Unter den Extremistengruppen, die sich nach 2003 zusammengetan haben und von der Al Kaida dominiert werden, hebt sich die Terrororganisation Islamischer Staat im Irak und Levante von Abu Bakr al-Baghdadi besonders ab. Deren Anhänger haben es darauf abgezielt, das Bürgerkriegschaos in Richtung Syrien auszudehnen.

Foto: Ruslan TradSeit August verteidigen die kurdischen Kräfte im Irakischen Kurdistan, die Peschmergen, die Frontlinien bei Kirkuk, Ghuer und Machmur. Ihnen mangelt es an Waffen und internationaler Unterstützung, um die IS-Kämpfer aus der zweitgrößten irakischen Stadt Mossul zu verdrängen.Dort sind die IS-Krieger zu Kräften gekommen, da ihnen viel Geld und Waffen der irakischen Armee in die Hände gefallen sind. Momentan sind die Kurden die aktivsten Kämpfer, die sich den IS-Truppen in den Weg stellen. Die Journalisten Ruslan Trad und Georgi Totew haben die Gefechtslinien bei Machmur und Ghuer besucht, um vor Ort zu erfahren, was sich dort genau ereignet und wie es um die Sicherheit von Kurdistan als Ganzes bestellt ist.

„In Erbil ist der Konflikt nicht so stark zu spüren, doch sobald man das Stadtzentrum verlässt, sieht man die ersten Wach- und Kontrollpunkte und merkt, dass sich die Sicherheitsmaßnahmen verschärfen“, berichtet Ruslan Trad. „Das Stadtinnere jedoch gleicht einem pulsierenden Herzen – die Kurden wollen eine moderne Stadt aus Erbil machen, die Zentrum des künftigen Staates Irakisches Kurdistan werden soll. In Erbil befinden sich auch die Niederlassungen zahlreicher internationaler Unternehmen. Im Herzen der Stadt spürt man die Spannung nicht so stark, doch nur wenige Kilometer davon entfernt liegt sie in der Luft. In der Nähe der Stadt gibt es gleich drei Fronten. Am nächsten ist die in Richtung Mossul, wo wir den Abend mit den Peschmergen verbracht haben. Wir waren auch in Machmur und in Zumara Abdala, was ca. 50 km von Mossul entfernt ist. Dort toben erbitterte Kämpfe.“

Die Frage ist, ob die Regierungskräfte im Kampf gegen die IS etwas erzielen können?

„Die Peschmergen glauben an ihren Erfolg, aber es wird nicht einfach sein. Sie meinen auch, dass man es den internationalen Kräften in der Gestalt der USA und den Waffenlieferungen zu verdanken habe, dass nicht auch die Stadt Erbil in die Hände des IS fällt. Grund für Optimismus gibt es allerdings keinen. Vielen ist bewusst, dass die IS-Kämpfer momentan in Syrien und Kobane eingespannt sind, doch sobald sie dort Fortschritte verzeichnen, werden sie sich wieder Erbil und Kirkuk zuwenden, wo die schwersten Kämpfe im Irak wüten", meint Ruslan Trad.

Kann man in diesem Zusammenhang sagen, dass die US-Luftangriffe Erfolg hatten?

„Luftangriffe allein werden nicht ausreichen. Ihre Zielscheiben sind oft leerstehende Gebäude, beispielsweise leere Lagerhallen, die von der IS-Gruppierung benutzt werden. Die Peschmergen sind der Ansicht, dass man auch zu Land gegen die IS vorgehen und die kurdischen Truppen verstärken sollte. De facto haben wir es momentan mit einer festen Front zu tun, die sich weder gen Osten noch gen Westen in Richtung Mossul bewegt. Allein den Luftangriffen ist es zu verdanken, dass die IS-Kämpfer nicht nach Erbil vorgedrungen sind“, so Ruslan Trad.

Übersetzung: Rossiza Radulowa

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