Folkloreereignisse, Festivals und Jahrestage 2016

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In diesem Beitrag wollen wir jene Folkloreereignisse, Festivals, Konzerte und Jubiläen des Jahres 2016 zusammenfassen, die die Folkloreliebhaber in Erinnerung behalten werden.

Beginnen wir mit der Kleinstadt Apriltzi, das sich mitten im Balkangebirge befindet. Im Juni herrschte dort ungewohnter Trubel, denn es wurde die 16. Ausgabe des „Balkan-Treffens des bulgarischen Liedes“ veranstaltet. Dieses Volksfest, das viele Laien-Folkloregruppen von beiden Seiten des Balkangebirges hierher zieht, wird stets in den Tagen um die Sommersonnenwende veranstaltet. Am 24 Juni, der traditionell als Johannestag begangen wird, werden vor allem Heilkräuter gesammelt, denn man meint, dass sie gerade dann die meisten Kräfte in sich bergen. Seit zwei Jahren wird in der Zeit des Volksfestes in Apriltzi auch ein Wettbewerb veranstaltet. Der Hauptinitiator ist das hiesige Kulturhaus. 2016 wurde übrigens der 160. Jahrestag der Kulturhausbewegung in Bulgarien begangen. Dieser Bewegung ist es zu verdanken, dass bereits Jahrzehnte vor der Neugründung des bulgarischen Staates die Bildung und Kultur aufblühten, die die Befreiungsbestrebungen schürten. Die Rolle der Kulturhäuser ist bis heute nach wie vor ungeschmälert.

2016 wäre die unvergessene Volksliedsängerin Magdalena Morarowa 90 Jahre alt geworden. Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begann sie mit einer umfangreichen Konzerttätigkeit. Sie sang zusammen mit bedeutenden Volksliedinterpreten und bereiste zwei Jahrzehnte lang alle Ecken und Enden Bulgariens, popularisierte aber auch im Ausland die bulgarische Musikfolklore. Sie gehörte zu jenen Volksliedsängerinnen, die eine enorme Anzahl von Liedern eingesungen haben. Ihre Interpretationen sind zu Musterbeispielen geworden. Die Lieder, die Morarowa sang, wurden fachmännisch von Komponisten bearbeitet und der Bühnenpraxis angepasst. Die Sängerin verstarb im Jahre 2009. Ihre Aufnahmen erklingen aber weiterhin oft in den Programmen des Bulgarischen Nationalen Rundfunks und künden von der Schönheit der Volkslieder ihrer Heimatstadt Bansko am Fuße des Pirin-Gebirges und der Region.

Im vergangenen Jahr beging das von der unvergessenen Volksliedsängerin Nadka Karadschowa gegründete Nachtigall-Quartett sein 25jähriges Bestehen. Die Nachtigall, auf Bulgarisch Slawej, ist ein kleiner Singvogel, der mit seinen Trillern die Menschen erfreut. Das setzte sich auch das gleichnamige Quartett zum Ziel und schafft es bis heute blendend. In all den Jahren seines Bestehens hat das Nachtigall-Quartett viele Konterte im In- und Ausland gegeben und ist nicht einzig dem heimischen Publikum vertraut, sondern auch den Liebhabern der bulgarischen Gesangsfolklore in den USA, Frankreich, Belgien, bis hin nach Japan. Die große Auslandspopularität ist vielleicht auch dem französischen Impressario zu verdanken. Zudem verwenden zunehmend mehr Menschen die Aufnahmen mit dem Quartett zu Therapiezwecken - Heilung mittels Musik.

„Das schönste und schmuckste Dorf“ – so wird Tschelopetsch in Westbulgarien besungen, das 2016 das dritte Jahr in Folge die Folklorefreunde in seinen Bann zog. Im Juli fand dort das internationale Folklorefestival statt, das sich „Goldstaub“ nennt. Der Name erinnert daran, dass sich in Tschelopetsch die europaweit größte und reichste Kupfer-Gold-Pyrit-Lagerstätte befindet. Auf dem Folklorefestival glänzten jedoch die Teilnehmer, die nicht nur aus den verschiedensten Landesteilen Bulgariens, sondern auch aus Serbien, Russland, Georgien, Spanien und Argentinien kamen. Teil des Folklorefestivals „Goldstaub“ ist seit zwei Jahren ein Wettbewerb für bulgarische Folkloregruppen und Solisten. Daran beteiligten sich auch in diesem Jahr Hunderte Laienkünstler vornämlich aus den nahen Dörfern und verschiedenen Orten Westbulgariens.

Das Volksmusikorchester des Bulgarischen Nationalen Rundfunks lenkte auch 2016 mit den verschiedensten Programmen das Interesse der Folklorefreunde auf sich. Eines der Programme hieß „Vokal-instrumentale Bilder“ und galt in der vergangenen Konzertsaison als eine der größten Herausforderungen an die virtuosen Instrumentalisten und deren Dirigenten Dimitar Christow. Weitere Programme waren „Der Rhythmus des Balkans“, „Klassiker der bulgarischen Hochzeitsmusik“ und „Musikportraits“. All diese Konzerte stellten die verschiedensten Seiten der bulgarischen Musikfolklore und ihre Einbindung in die traditionelle Musik der Balkanvölker vor.

„Nachtigall der Rhodopen“, „Tochter des Orpheus“, „Gesangs-Ikone des Rhodopen-Gebirges“ – das sind alles lobpreisende und gleichzeitig ehrfurchtsvolle Beinahmen für die unvergessene Volksliedsängerin Radka Kuschlewa, die im vergangenen Jahr 90 Jahre alt geworden wäre. Sie hat uns überaus wertvolle Interpretationen von authentischen Liedern der Rhodopen im Süden Bulgariens hinterlassen. Noch zu Lebzeiten galt sie als eine beispielhafte und hingebungsvolle Sängerin, die nicht nur mit Liebe die alten Gesänge darbot, sondern auch neuen Interpretationsideen offen gegenüber stand. Stets bewahrte sie jedoch den zarten Klang, der für die Gesangsfolklore der Rhodopen so typisch ist. Es war ihr immer anzuhören, dass die Lieder nicht nur ihrer Kehle, sondern vor allem ihrem Herzen entspringen. Aus Anlass des Jubiläums wurde in den Räumlichkeiten des Ethnographischen Museums der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften eine Ausstellung über das Leben und Werk der bedeutenden Volksliedsängerin arrangiert. Ferner wurden Folklorepreise auf ihren Namen vergeben – eine hohe Ehre für alle, die in ihren Fußstapfen treten.

Übersetzung: Wladimir Wladimirow

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