„Sketches of Spain“ erleben Erstaufführung in Bulgarien

Foto: Archiv

Am Donnerstag dieser Woche stellt die Big Band des Bulgarischen Nationalen Rundfunks „Sketches of Spain“ vor. Die Stücke dieses Jazz-Albums des unvergessenen Miles Davis werden damit ihre Erstaufführung in Bulgarien erleben. Das Album selbst, das 1959/60 aufgenommen wurde, ist das dritte von vier Alben, bei denen Miles Davis mit dem Arrangeur, Komponisten, Bandleader und Pianisten Gil Evans zusammenarbeitete. Die Stücke sind an die spanischen Folklore angelehnt; unter ihnen sind auch Neubearbeitungen klassischer Musikstücke, wie der 2. Satz aus dem Solokonzert für Gitarre und Orchester von Joaquín Rodrigo und „Irrlicht“ aus einem Ballett von Manuel de Falla.

1961 erhielt das Album „Sketches of Spain“ einen Grammy als beste Jazz-Komposition. 2003 fand es dann Eingang in die Rolling-Stone-Liste der besten 500 Alben aller Zeiten. Es gilt übrigens als eines der zugänglichsten Alben von Miles Davis, obwohl darin weniger improvisiert wurde als in anderen. Als die Musikzeitschrift „Jazzwise“ das Album in die Liste der 100 Jazz Alben „That Shook the World“ aufnahm, schrieb der Musikjournalist Keith Shadwick in der Begründung: „In seinem Kern ist der grüblerische Mittelsatz von Rodrigos Solokonzert für Gitarre und Orchester „Aranjuez“, aber die ergreifende Lyrik und die strahlenden Farben, die Miles und Gil in die anderen Stücke investieren, darunter ein seltenes Evans-Original, mit einer Einzigartigkeit von Vision und Absicht, macht dies eine hell glühende und einheitliche Leistung. Einmal mehr hatten sie die Form aufgebrochen, für sich selbst und alle anderen.“

Die morgige Konzertinterpretation von „Sketches of Spain“ ist Antoni Dontschew, Dirigent der Big Band des Bulgarischen Nationalen Rundfunks zu verdanken. Bereits beim ersten Hören des Albums war er hingerissen. Nachdem er die Big Band unseres Hauses übernahm, ergab sich eine Möglichkeit, es in Bulgarien aufzuführen. Dontschew schrieb die Familie von Gil Evans an, die ihm die Partitur zuschickte.

Das Album ist so etwas wie ein Markenzeichen der Zusammenarbeit zwischen Miles Davis und Gil Evans“, sagte uns vor dem Konzert der Big-Band-Dirigent. „Der Erfolg und die Auszeichnungen blieben nicht aus. Miles sah darin sogar eine der Gipfelleistungen in seiner Karriere. Das Album wurde als Langspielplatte aufgenommen und enthielt lediglich 5 Stücke. Alles ist sehr straff und kompakt und beschränkt sich auf das Wesentlichste. Es ist Musik, die sofort die Seele ergreift. Das ist in meinen Augen die Große Kunst, wenn nämlich das Äußerliche der Tiefe des Ausdrucks weicht.

Unter den Solisten des Konzertes wird Rossen Zahariev-Roko sein, der Trompete und Flügelhorn spielt und den Originalpart von Miles Davis übernimmt. Er hat an der Nationalen Musikschule in Sofia gelernt und danach am Konservatorium von Rotterdam studiert. Einige Jahre hat er in Boston und New York gelebt und gearbeitet. Danach kehrte er nach Bulgarien zurück und beteiligt sich seitdem an verschiedenen Formationen und Projekten. Gleichermaßen von Kollegen und Publikum als hervorragender Instrumentalist geschätzt, versucht er stets, in die Musik, die er spielt, eine eigene „Note“ zu bringen. Wie fühlt er sich nun, in der Rolle des Miles Davis?

СнимкаIch bin ich selbst, spüre jedoch die Anwesenheit von Miles Davis, denn er lebt in dieser Musik“, verriet uns der Musiker. „Obwohl ich meinen eigenen Stil als Musiker gefunden habe, ist der Einfluss sehr groß, den Miles Davis auf mich ausübt. Ich pendle immer hin und her – zwischen dem Original und meiner persönlichen Sicht. Sein Stil ist so anziehend, dass man schnell in seine Spur wechselt. Dennoch versuche ich, auf mein inneres Musikgefühl zu hören und nicht alles zu kopieren. In diesem Zusammenhang muss ich sagen, dass ich lange Jahre die Musik von Miles Davis gehört habe, aber irgendwie nicht mit ihr warm wurde. Der Kontrabassspieler Georgi Dontschew hat, von Miles schwärmend, etliche Jahre auf mich eingeredet, aber ich entgegnete immer, dass er viele Fehler macht und daneben spielt. Es erwies sich jedoch, dass es eine Musik wie die seine gibt, für man eine gewisse Reife erlangen muss, um sie zu begreifen.“

Neben Miles haben mich viele andere Jazz-Interpreten und Komponisten beeinflusst“, erzählt Rossen Zahariev-Roko weiter. „Meiner Meinung nach muss man viel Musik und viele verschiedene Interpreten hören, vor allem aber auf die innere Stimme bauen, um nicht zu einem bloßen Nachahmer zu werden. Ich freue mich sehr, dass ich erneut mit der Big Band des Bulgarischen Nationalen Rundfunks auf einer Bühne stehen kann. Es ist viel Positives passiert, seitdem Antoni Dontschew die Sachen in die eigenen Hände genommen hat. Mit der Band sind nun so viele Jazz-Stars aufgetreten, was sich auf die Musiker selbst sehr fördernd auswirkt. Sie ihrerseits hören nicht auf, sich zu vervollkommnen und werden immer besser...

Übersetzung: Wladimir Wladimirow

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