Christo Goleminow über den Jazz und die Freiheit, auf seine Weise zu denken, zu fühlen und zu erzählen

Foto: Privatarchiv

Der junge Saxophonist Christo Goleminow ist der Nachkomme zweier angesehener bulgarischer Musikerfamilien. Sein Großvater väterlicherseits ist der bedeutende Komponist Marin Goleminow, sein Vater Kamen Goleminow – ein anerkannter Dirigent. Sein Großvater mütterlicherseits ist der virtuose Geiger und Musikpädagoge Georgi Badew. Auch seine Mutter Rumjana Badewa ist eine begabte Geigerin. Sie spielt im Symphonieorchester der portugiesischen Stadt Porto.

Christo ist mit der Musik großgeworden. Obwohl oder vielleicht gerade weil einzig die Klassik im Zentrum des Musiklebens der Familie stand, entschied sich der Sprössling für das Saxophon. Natürlich hat er auf diesem Instrument eine klassische Ausbildung genossen, wendet sich seit einigen Jahren jedoch verstärkt dem Jazz zu. Seinen ersten großen Auftritt auf einer bulgarischen Bühne hatte er 2016 gemeinsam mit den Gebrüdern Konstantin und Alexander Wladigerow (Klavier und Trompete) und dem Perkussionisten Stoyan Yankoulov. Dieses Quartett gab Konzerte in Russe und Sofia.

Christo Goleminow beherrscht mehrere Sprachen. Seine Muttersprache spricht er mit leichtem Akzent – verständlich, denn er ist im Ausland geboren und aufgewachsen:

Ich wurde in der zweitgrößten portugiesischen Stadt Porto geboren, habe aber vor allem in Espinho gelebt – einer Kleinstadt am Meer, unweit von Porto“, erzählt der Musiker. „Dort bin ich auch zur Musikschule (Escola Profissional de Música de Espinho) gegangen. Mein damaliger Lehrer Gilberto Bernardes unterrichtet mich bis heute an der Universität ESMAE – Escola Superior de Música e Artes do Espetáculo in Porto. Er ist der Assistent von Prof. Henk van Twillert, der seit über 20 Jahren in Portugal lebt. Er hat die ersten Saxophonklasse des Landes ins Leben gerufen. Die meiste Zeit unserer Ausbildung spielen wir im Ensemble. Unser Repertoire ist sehr anspruchsvoll – von Schubert, Bach und Barber bis Tango, sozusagen von allem etwas."

Das Studentenensemble ist oft auf Konzerten im Inland und einmal im Jahr im Ausland unterwegs. Die Nachwuchssaxophonisten und ihrer Lehrer sind bereits in Europa und den USA aufgetreten, u.a. in New York und Boston. Neben seiner Musikerausbildung studiert unser Landsmann Komposition und Orchestrierung. Sein erstes Stück gleichen Namens schreibt er für die Konzerte mit den Wladigerow-Brüdern. An dieser Stelle soll daran erinnert sein, dass die beiden Enkel des bulgarischen Musikklassikers Pantscho Wladigerow sind und seit Jahren in Wien leben.

Als Sechsjähriger begann ich mich mit Musik zu beschäftigen. Anfänglich hatte es mir die Tuba angetan. Später habe ich diese wundervolle Idee jedoch aufgegeben", erzählt Christo Goleminow weiter. "Danach folgte die Trompete, die ich leider nicht spielen durfte, da meine Gebiss noch nicht vollständig ausgebildet war. Später erzählte mir meine Mutter, dass ich an meinem 7. Geburtstag verkündet hätte, nun Saxophon zu spielen. Zuvor hatte ich zuhause bereits Aufzeichnungen gehört. Meine ersten Versuche machte ich auf einem alten Saxophon, das ich seitdem nicht mehr aus der Hand gegebenen habe. Als ich mich dann ernsthaft dem Jazz zuwendete, machte mich Pepa Badewa (die zweite Frau von Georgi Badew) mit den Wladigerow-Enkeln bekannt. Unsere Familien kennen sich seit Jahren, wir, die dritte Generation, hatten uns jedoch bisher nicht persönlich kennen gelernt. Alles ging wie von selbst – wir probten in Wien, später holten sie Stoyan Yankoulov dazu und organisierten die Konzerte in Bulgarien. Immer häufiger spiele ich Jazz. Bei dieser Musik fühle ich mich wohl, sie gibt einem die Freiheit zu denken, zu fühlen und seine eigene Persönlichkeit einzubringen."

Übersetzung: Wladimir Wladimirow, Christine Christov

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