Wie man mit Fotos unsichtbarer Welten ein Gebäude renovieren kann

Die Behauptung, dass man „mit Fotos unsichtbarer Welten ein Gebäude renovieren“ kann, klingt genauso unwahrscheinlich wie „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“. Die Ähnlichkeit zwischen beiden ist jedoch nur oberflächlich, denn in unserem Fall begeben wir uns in die Sphäre der ernsten Wissenschaft und der professionellen Fotografie.

СнимкаDie „unsichtbaren Welten“ eröffnen uns Schüler des Sofioter Mathematik-Gymnasiums. Sie veranstalteten einen Wohltätigkeitsbasar, auf dem sie selbstgemache Aufnahmen vom Weltraum anboten. Der Erlös dieser Verkaufsausstellung soll zur Renovierung der Sofioter Sternwarte verwendet werden. Prof. Ewgeni Owtscharow, Leiter des Lehrstuhls für Astronomie an der Physik-Fakultät der Sofioter Universität, erzählte uns, dass die Uni bemüht sei, die anfallenden Renovierungsarbeiten aus der eigenen Tasche zu finanzieren. Der Aktion haben sich Studenten, Doktoranden und viele Freiwillige angeschlossen. Die besagte Sternwarte ist die älteste auf der Balkanhalbinsel und hat schon eine 120jährige Geschichte hinter sich.

1976 wurde sie zum Kulturdenkmal erklärt“, fügt Prof. Owtscharow hinzu. „Wir nutzen sie zu Ausbildungszwecken, aber auch zur Popularisierung der Astronomie. Das Gebäude selbst befindet sich in einer schönen Umgebung, nämlich mitten im Boris-Garten. Die meisten Menschen interessieren sich für die fernen Welten und wir versuchen, ihre Neugierde zu befriedigen.“

Die Idee der Schüler des Sofioter Mathematik-Gymnasiums, mit einer Verkaufsausstellung die Renovierung der Sternwarte zu unterstützen, sei ganz zufällig aufgekommen.

СнимкаWir wollten uns an der Spendenaktion beteiligen und da unser Mitschüler Theodor unwahrscheinliches Talent bei der Astrofotografie zeigt, beschlossen wir, beide Dinge zu koppeln“, erzählt uns Raja Dimitrowa vom Mathematik-Gymnasium, die zu den Organisatoren der Verkaufsausstellung gehört. „Viele der Besucher des Wohltätigkeitsbasars waren überrascht, als wir ihnen sagten, dass all die Objekte auf den Fotos real existieren. Einige wollten es nur schwer glauben und meinten, dass die Fotos am Computer entstanden sind. Alle waren stark beeindruckt und viele wollten sich ein Foto kaufen.“

СнимкаGantscho Gantschew, der am Lehrstuhl für Astronomie seinen Doktor macht, versicherte uns, dass uns die Astrofotografie das zeige, was real um uns im Weltraum entdeckt werden könne. Man benötige dazu jedoch spezielle Geräte – mit dem bloßen Auge gehe es nicht.

Unsere Augen sind recht schwache Sensoren im Vergleich zu den Fotoapparaten und Kameras“, sagt der Wissenschaftler weiter. „Um Details zu sehen und mehr Informationen zu gewinnen, werden längere Belichtungszeiten gewählt und die verschiedenen Aufnahmen übereinandergelegt. Zuweilen werden Stative verwendet, die die Erddrehung ausgleichen, um scharfe Bilder von den anvisierten Objekten zu erhalten. Für die Ausstellung wurden Aufnahmen ausgewählt, die attraktive Objekte am nächtlichen Sternenhimmel zeigen.

СнимкаUnter den Astronomie-Fans ist Theodor Alexiew, Schüler des Sofioter Mathematik-Gymnasiums. Auf der Ausstellung wurden vor allem seine Aufnahmen angeboten. Er verriet uns, dass man viel Geduld haben müsse, um sehr gute Aufnahmen zu machen.

Mit einem Freund haben wir um die 6 Stunden in Eis, Schnee und Kälte verbracht, um eine schöne Aufnahme zu bekommen“, erzählt er weiter. „Dafür gibt es aber auch angenehme Überraschungen. 2013 wurden wir Zeuge einer Sternenexplosion, die wir mit dem Teleskop beobachteten. Später habe ich selbst sogar eine Aufnahme von einem Kometen gemacht. Eine dieser Aufnahmen wurde in der Verkaufsausstellung angeboten.

Zur Astrofotografie muss man berufen sein, versicherte uns weiter der Schüler. Uns bleibt die Freude an den herrlichen Aufnahmen, beispielsweise von der Milchstraße und der Gewissheit, dass es sie schon immer über unseren Dächern gegeben hat. Die Mystiker würden das als Zen bezeichnen, die Skeptiker sehen dahinter einzig die Technik. Jene, die philosophischer eingestellt sind, würden sich Gedanken über den Zusammenhang zwischen der Renovierung seines Gebäudes und der Möglichkeit machen, unsichtbare Welten zu sehen.

Übersetzung: Wladimir Wladimirow

Fotos: bereitgestellt von den Organisatoren der Ausstellung

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