Vom Tod zum Leben, von der Erde hinauf in den Himmel

Foto: Privatarchiv

„Die Freude an der Auferstehung Christi, darf nicht einzig in den Kirchen zu spüren sein. Wir müssen sie in uns bewahren und sich ihrer in schweren Augenblicken erinnern – ein Leben lang! Wir müssen sie auch, soweit es uns möglich ist, mit den anderen Menschen teilen. Das ist der Sinn des Auferstehungsfestes.“ Diese Worte stammen von Nikola Antonow, den wir im Folgenden näher vorstellen wollen.

Nikola Antonow arbeitet seit rund 10 Jahren als Informatiker, doch die orthodoxe Kirchenmusik klingt ständig in ihm, wie er uns gestand. Sein Lebensweg führte ihn durch Rundfunk und Fernsehen, in denen er Sendungen zu religiösen Themen moderierte. Vordem hatte er die Priesterschule in Sofia besucht, in der er mit seinem Gesangstalent aufgefallen war. Unterstützt von seinen Lehrern nahm er als Mitglied professioneller Kirchenchöre an bedeutenden Musikprojekten teil. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Sänger an verschiedenen Kirchen der Hauptstadt und studierte gleichzeitig klassischen Gesang. Schließlich gründete er einen eigenen Chor, der den Namen „Trisagion“ trägt und Gesänge im byzantinischen Stil interpretiert.

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Der Name des Chores „Trisagion“ leitet sich vom griechischen Wort für das Gebet zur allerheiligsten Dreifaltigkeit ab. Näheres erzählte uns Nikola Antonow selbst:

„Der Chor „Trisagion“ ist eine solistische Formation und ich denke, dass es die erste ihrer Art ist“, erzählt ihr Gründer. „Ich singe übrigens auch als Solist im Chor des „Heiligen Johannes Kukuzelis, des Engelsstimmigen“. Das Repertoire unseres Kammerchores ist vielfältig und beinhaltet ein- und mehrstimmige Gesänge. In den vergangenen 50 Jahren hat sich in Bulgarien eingebürgert, diese Kirchenlieder von einem Chor vortragen zu lassen. Im benachbarten Griechenland beispielsweise, werden diese Lieder vornämlich solistisch interpretiert. Im Mittelpunkt steht der Text, die Gesänge sind einstimmig, während die Tonart von einem vokalen Orgelpunkt bekräftigt wird. Auf diesem Liegeton aufbauend entwickelt sich die Melodie. Ich habe den Chor „Trisagion“ gegründet, um diese Art Musik zu popularisieren. Er besteht aus einem Vorsänger und einem Chor, der den tiefen Halteton zur Begleitung der Melodie erzeugt.“











Nikola Antonow erzählte uns mehr über die Gesänge, die speziell zu Ostern erklingen:

„Das wohl am meisten gesungene Lied zu Ostern ist das Troparion zur Auferstehung Christi, das in konzentrierter Form den Inhalt des Festes wiedergibt“, sagt der Sänger. „Dieser Gesang liegt dem ganzen Liederzyklus zugrunde, der im Verlaufe von 40 Tagen nach dem Auferstehungsfest in den Kirchen erklingt. Damit drückt man aktiv seine Anteilnahme an den Ereignissen aus, die in den Evangelien geschildert werden. Unter den Ostergesängen habe ich die von Scheko Pawlow in unser Repertoire aufgenommen. Er lebte Ende des 19. Jahrhunderts in der Schwarzmeerstadt Warna und arbeitete dort als Musiklehrer. Den Konstantinopler Kirchenmusikstil hat er bei einem griechischen Kirchenmusiker erlernt. Pawlow war eine überaus kreative Persönlichkeit und hat uns ein reiches Erbe im Bereich der byzantinischen Musik hinterlassen. Wenn von diesem Genre die Rede ist, meint man landläufig, dass es sich um griechische Kirchenmusik handelt. Byzanz selbst war aber den verschiedensten Kultureinflüssen ausgesetzt. Die Komponisten dieser Musik waren unterschiedlicher Nationalität. Obwohl die Lieder in griechischer Sprache geschrieben sind, tragen sie in sich die Einflüsse verschiedenster Völker und Ethnien. Es gibt auch bulgarische Tondichter, die nach den Regeln der byzantinischen Musik komponiert haben und das Jahrhunderte, nachdem Byzanz aufgehört hatte zu existieren.

Ein weiterer wichtiger Ostergesang ist die Engelsbotschaft „Freue dich Jungfrau, dein Sohn ist auferstanden“, die auch Elena-Choral genannt wird. Mitte des 19. Jahrhunderts war die mittelbulgarische Balkanstadt Elena ein Kulturzentrum, besonders, was die Kirchenmusik anbelangt. Die Sänger, die in der Stadt und der Umgebung gewirkt haben, waren im Konstantinopler Kirchenmusikstil ausgebildet worden, den sie jedoch in die kirchenslawische Sprache übersetzen und durch das Prisma unserer geistigen Traditionen brachen.“

Mit dem griechischen Chor „Domestiki“ und dem Metropoliten von Smyrna Bartholomäus in der Kirche „Hl. Vukol“ in der türkischen Stadt Izmir
Unabhängig seiner vielfältigen beruflichen Engagements, widmet Nikola Antonow dem Singen viel Zeit. Er unterhält rege Kontakte zu anderen Musikern, die den einstimmigen byzantinischen Gesang pflegen. Seit Ende vergangenen Jahres gehört er zu den ständigen Mitgliedern des griechisch-byzantinischen Chores „Domestiki“ der Stadt Drama, der von Grigoris Papaemmanuil geleitet wird. Unlängst trat dieser Chor zusammen mit Nikola Antonow in der türkischen Stadt Izmir (dem einstigen Smyrna) auf. Die nächste Konzertreise wird sie nach Alexandria in Ägypten führen.

Was bedeutet Nikola Antonow, in den Kirchen zu singen?

Ich möchte nicht, dass sich meine Antwort wie eine Predigt anhört, bzw. als Wichtigtuerei aufgefasst wird, aber in der Musik sehe ich meinen ganz persönlichen Weg zur Errettung meiner Seele“, antwortet der Sänger. „Das ist das grundlegende Motiv dafür, dass ich singe und diese Musik soweit ich kann popularisiere. Sie verleiht meinem Leben einen Sinn. Die Menschen sind unvollkommen und schaffen es meist nicht, etwas zu Ende zu bringen. Was bleibt uns anders übrig, als die Talente, die uns Gott gegeben hat, in uns zu entdecken und zu entfalten. Das ist ein Reichtum, der unvergänglich ist. Nach der langen Fastenzeit, der Anteilnahme an den Ereignissen der Karwoche, in der wir den Weg und das Leid des Erlösers, wenn auch eher symbolisch nachvollziehen, richtet sich die Kirche mit einer Botschaft an uns, die wir nie vergessen dürfen. Sie hört sich simpel an und ist bereits im ersten Satz der Ostermesse enthalten, die sofort nach dem Troparion „Christus ist auferstanden“ zelebriert wird. Diese Botschaft lautet: „Es ist ein Tag der Auferstehung, der uns Erleuchtung bringt.“ Es ist das Auferstehungsfest – vom Tod zum Leben, von der Erde hinauf in den Himmel. Wenn wir diese Botschaft in uns tragen und nie vergessen, selbst in den schwersten Augenblicken nicht, dann können wir getrost sagen, dass die Kirche ihre Mission unter den Menschen erfüllt hat.

Übersetzung: Wladimir Wladimirow

Fotos: Privatarchiv

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