Polytechnisches Museum Sofia begeht sein 60jähriges Bestehen

Foto: Weneta Pawlowa

In diesem Jahr begeht das Nationale Polytechnische Museum in Sofia sein 60jähriges Bestehen. Über die Geschichte des Museums erzählte uns seine Hauptkuratorin Ljubow Filipowa Folgendes:

Zu den wichtigsten Mitbegründern des Museums gehört Ing. Stefan Rabow, der am damaligen Institut für Maschinenwesen und Elektrotechnik, der heutigen Technischen Universität, unterrichtet hat. Er fand Sinnesgenossen in unterschiedlichen Institutionen, die historisch wertvolle Gegenstände besaßen und an das Museum abtraten. Den Anfang setzte das Technikum für Feinmechanik und Optik, das dem Museum alte Kinoapparate, Kinomaschinen, Filmkameras, Fotoapparate und zwei Uhren gestiftet hat. Die größte und repräsentativste Sammlung traf aber Anfang der 1970er Jahre ein – die sogenannte Zarenkollektion. Es handelt sich dabei um Gegenstände aus den Königshaus in Sofia, vermutlich aus dem Schloss Wrana, die das Kinozentrum bis dahin als Requisiten genutzt hatte und die deshalb in einem bedauerlichen Zustand waren“, sagt Ljubow Filipowa.

СнимкаNach einem Artikel in der Zeitung „Anteni“ startete das Kulturkomitee eine großangelegte Aktion, bei der das Polytechnische Museum eine wichtige Rolle spielte. Und so wurde die Zarenkollektion, die bis dahin dem Kinozentrum als Requisiten gedient hatte, unter mehrere Museen in Sofia aufgeteilt. Das Polytechnische Museum erhielt eine wunderbare Sammlung aus 17 Uhren. Die meisten davon haben die Schlosskamine geschmückt. Drei der schönsten sind derzeit in der Sammlung „Die Schönheit der Zeit“ zu sehen. Außerdem ist das Museum in den Besitz der persönlichen Sammlung von Taschen- und Wanduhren des Uhrmachers Georgi Hadschinikolow und dessen Instrumentarium gekommen.

Er ist einer der wenigen Bulgaren, die eine entsprechende Berufsbildung in der Schweiz erhalten haben. Georgi Hadschinikolow hat 1914 sein Studium dort abgeschlossen und ist nach Bulgarien zurückgekehrt, wo er viele junge Bulgaren in diesen Beruf eingewiesen hat“, erläutert Ljubow Filipowa. „Um 1930 gründete er sein Unternehmen „Uhrwerke Gnomon“. Als Gnomon bezeichnet man den Stab an Sonnenuhren, der einen Schatten wirft und als Zeiger dient. Das Unternehmen „Gnomon“ hat ca. 60 Turm- und Bahnhofsuhren hergestellt, die bis auf den heutigen Tag in unterschiedlichen bulgarischen Städten zu sehen sind. Gabrowo, Stara Sagora und Sewliewo besitzen solche Turmuhren an einigen ihrer Bank- und Postgebäude. Auch die Kirche “Hl. Sieben Erleuchter Bulgariens” in Sofia schmückt eine Uhr von Georgi Hadschinikolow. In den 1940er Jahren bekamen seine Uhren auch einen elektrischen Antrieb, darunter die Uhr am Zentralpostgebäude in Sofia“, erzählt Ljubow Filipowa.

СнимкаDie Museumsmitarbeiter haben die Erzählungen alter Techniker und Ingenieure aufgezeichnet und sind auf ihrer Suche nach wertvollen Exponate und Archiven durch ganz Bulgarien gereist. Ihnen ist die Schaffung der Schreibmaschinensammlung zu verdanken, die seltene Exemplare von Anfang des 20. Jahrhundert enthält. Das Museum verfügt auch über eine sehr große Sammlung von Rundfunkgeräten, bereichert durch die erste experimentelle Kinokamera, die Prof. Sasdo Iwanow konstruiert hat. Damit wurde 1952 die erste TV-Sendung in Bulgarien aufgezeichnet. Das Polytechnische Museum hat in all den Jahren auch immer sehr gut mit der Technischen Universität zusammengearbeitet, die es mit vielen interessanten Exponaten versorgt hat. Sehr attraktiv ist beispielsweise das Teleskop des bulgarischen Aufklärers Dr. Petar Beron (1799-1871), der nicht nur das erste bulgarische Schulbuch geschrieben hat, sondern auch breit gefächerte wissenschaftliche Interessen hatte und sich unter anderem auch mit den Problemen der Astrophysik beschäftigt hat. Die letzte große Schenkung, die das Museum erhalten hat, ist das Diplom von Teodor Dimitrow, dem langjährigen Vizebibliothekar der Bibliothek der Vereinten Nationen. Teodor Dimitrow hat Bulgarien eine Vielzahl an Sammlungen vermacht. Das Polytechnische Museum hat seine Uhrkollektion erhalten – mit wertvollen Exemplaren aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die von namhaften Uhrmachern aus Frankreich und der Schweiz kreiert wurden.

Übersetzung: Rossiza Radulowa

Fotos: Weneta Pawlowa

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