Trio „Outhentic“ und ihr Debüt-Album „YesToday”

Foto: outhentic.eu

Das Trio „Outhentic“ wurde vor etwa 5 Jahren gegründet. Schiwko Wassilew spielt Hirtenflöte und hat die Nationale Kunstschule „Dobri Christow“ in Warna absolviert. Seine Schwester Rajna Wassilewa hat dieselbe Schule beendet, jedoch im Fach Folkloregesang. Dritter im Bunde ist Wiktor Dschorgow, der in der Gruppe als Gitarrist auftritt. Er hat die Nationale Folkloreschule in Schiroka Laka besucht, wo er das Spiel auf der Fiedel lernte. Alle drei haben ihre Ausbildung an der Sofioter Universität „Heiliger Kliment von Ochrid“ fortgesetzt, in der sie beschlossen, eine eigene Jazz-Formation auf die Beine zu stellen. Gesagt, getan – 2012 wurde das Trio „Outhentic“ geboren. Wer nun meint, dass der Name falsch geschrieben sei, irrt, denn dahinter verbirgt sich ein Wortspiel – eine Fusion zwischen den Worten „out“ und „authentic“, also in etwa: „jenseits des authentischen“, aber auch nicht so weit davon entfernt. Das Trio hat jüngst sein Debüt-Album auf den Markt gebracht. Das nahmen wir zum Anlass für ein Gespräch mit Schiwko Wassilew, der uns Einzelheiten verriet:

Es ist unser aller erstes Album und nennt sich „YesToday”. Auch dieser Name ist ein Wortspiel aus den Worten „yesterday” und „today“. Damit wollen wir zum Ausdruck bringen, dass wir „Ja“ zur Brücke zwischen den Musiktraditionen „gestern“ und „heute“ sagen. Wir drei lieben die verschiedensten Musikrichtungen. Ich meinerseits bin ein großen Fan des Jazz. Ich arbeite mit etlichen Jazzern zusammen. Mittlerweile sehe ich die Musik aus einem anderen Blickwinkel. Die Symbiose zwischen dem Jazz und der Volksmusik ist in einem bestimmten Augenblick unausweichlich geworden.“

Als Gruppe kamen wir in der Uni zusammen. Als erster begann ich zu studieren, dann nahm auch meine Schwester ein Studium auf. Zwischenzeitlich freundeten wir uns mit Wiktor an, mit dem wir wunderbar zusammen musizierten. Fast zum Scherz machten wir ein erstes Lied, das wir im Facebook veröffentlichten. In kurzer Zeit wurde es sehr populär.“

Unmittelbar nachdem ich nach Sofia kam, besuchte ich ein Seminar, das wirklich super war. Geleitet wurde es von Mischo Jossifow und Willi Stojanow. Dabei lernte ich andere Musiker kennen; mit einem der Jazzer und anderen Seminarteilnehmern begann ich dann, zusammenzuarbeiten. In den letzten Jahren spiele ich mit Juan Garcia-Herreros zusammen. Er ist ein hervorragender Bassgitarrist, der für einen Grammy Award nominiert worden ist. Ich habe mich an einem seiner Alben beteiligt, während er auch in unserem Album zu hören ist. Die Stücke im „YesToday“ sind Volkslieder, die von uns neu arrangiert wurden. Es ist ein absolutes Experiment und ich denke, je dreister wir sind, desto größere Erfolgschancen haben wir.


„Die Hirtenflöte erklingt“, „Klar scheint die Sonne“, „Kalina gießt Wasser ein“, „Sonne, liebe Sonne“ – das sind nur ein Teil der populären bulgarischen Volkslieder, die die jungen Musiker auf ihre ganz spezifische Weise bearbeitet haben. Ihr Album enthält auch zwei Lieder, die sie selbst geschrieben haben. Auch sie sind in einem Stil gehalten, der von einem Gemisch aus Folklore, Jazz, Funk und Pop gekennzeichnet wird. An den Aufnahmen für ihr Debütalbum haben sich neben dem Trio auch etliche andere Musiker beteiligt. Schiwko Wassilew erzählt:

Wir treffen uns ständig mit neuen Leuten, in Bulgarien, wie auch im Ausland – das ist halt beruflich bedingt. Es ist ganz natürlich, dass wir mit ihnen zusammenspielen und diese Stücke auch in unserem Album erschienen sind. Neben Juan Garcia-Herreros, hatten wir als Sondergast den Perkussionisten Stoyan Yankoulov eingeladen. Ferner sang in einem der Lieder die Rapperin Gabriela Patowska mit. Unter den Gästen waren auch Dominik Leto (Hawaiigitarre) und Mathias Vorauer (Kontrabass). Svilen Angelov, der in Österreich lebt und arbeitet, spielte seinerseits auf verschiedenen Keyboards. Er hat die Musik des Albums auch gemastert.


Unter den Gästen sind weitere sieben Interpreten auf verschiedenen Instrumenten, einschließlich Violine und Violoncello. Dieses bunte Bild wird von Schiwko Wassilew ergänzt, der in einigen der Stücke auf verschiedenen Keyboards spielt, während seine Schwester Rossitza die Percussions übernimmt. Einer der jüngsten Konzertauftritte der Gruppe war für die Musiker besonders aufregend. Sie beteiligten sich erfolgreich am Glastonbury Festival in Großbritannien, der zu den weltweit größten seiner Art gehört.

Das Festival ist wirklich riesig“, bestätigt Schiwko Wassilew. „Es werden über 200.000 Besucher gezählt. Das Festival selbst wird im Rahmen von fünf Tagen durchgeführt und ist ein tatsächlich einzigartiges Ereignis. Errichtet werden 79 Bühnen, auf denen täglich im Durchschnitt 12 Gruppen auftreten. Der Austragungsort hat einen Durchmesser von 30 Kilometern. In Großbritannien ist es das Ereignis des Jahres und für uns war es eine große Freude, Teil dieses Forums zu sein. Wir kamen beim Publikum und den Kollegen gut an und haben viele interessante Leute kennengelernt.

Wenige Tage nach ihrer Rückkehr aus Großbritannien beteiligte sich das Trio „Outhentic“ am Festival „WakeUp“ in den Rhodopen in der Nähe der Stadt Kuklen. Für diesen Sommer sind weitere Auftritte des Trios geplant, bei denen die Musiker die Stücke ihres Debütalbums vorstellen werden.

Übersetzung: Wladimir Wladimirow
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