„Ich wecke Bulgarien auf“ – die Veränderung fängt bei uns an

Fast eine halbe Milliarde Euro hat das bulgarische Arbeitsministerium 2014 für neue Arbeitsplätze sowie für Bildung und Weiterbildung von bis zu 29-Jährigen zur Verfügung gestellt. Man hatte sich erhofft, dass die Mittel aus dem operationellen Programm zur Entwicklung der Humanressourcen die Qualifikation und Erstanstellung von 17.000 jungen Bulgaren fördern werden. Dank dieser Maßnahmen sollten sich arbeitslose junge Menschen weiterbilden oder umqualifizieren. Bei Arbeitgebern, die Praktikanten anstellen, übernimmt das Programm die Lohnkosten für ein halbes Jahr. Die Praktikanten wiederum erhalten im ersten Monat eine kostenlose Fahrkarte, um zu ihrem neuen Arbeitsplatz zu gelangen. All dessen ungeachtet leben derzeit 500.000 Jugendliche in Bulgarien, die weder studieren noch arbeiten. Experten empfehlen eine flexible Herangehensweise, um sie zu motivieren, sich möglichst schnell nach einem Job umzusehen.

Ein Teil des Teams von „Ich wecke Bulgarien auf“

Experten raten, individuelle Profile jedes Einzelnen zu erstellen – was man studiert hat, was für Fähigkeiten man besitzt, was man gern machen möchte. Ganz ungewohnt packt die neue Bürgerinitiative „Ich wecke Bulgarien auf“ das Problem an. Sie hat interessante Ideen für unkomplizierte, schnelle und sogar unterhaltsame Treffen mit arbeitslosen Jugendlichen und Managern. Die Initiative fußt auf den Erfahrungen junger und unternehmungslustiger Leute, die ihre Altersgenossen dazu animieren wollen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ein Schritt in diese Richtung ist ihrer Meinung nach die Förderung der informellen Bildung und des sozialen Unternehmertums. Alle Begegnungen, Seminare und die Ausbildung von Menschen unter 30 sind darauf ausgerichtet, ihnen Instrumente und Informationen zur Verfügung zu stellen, um mit wenig Investitionen ihren Lebensstandard zu verbessern.



Yasser Markos gehört zu den Gründern der Initiative „Ich wecke Bulgarien auf“. Seine Eltern stammen aus Palästina, doch lebt er von klein auf in Bulgarien und will etwas für die Zukunft unseres Landes tun. Die Tatsache, dass er aus einer anderen Kultur kommt, mache ihn toleranter und weltoffener, sagt er. Yasser Markos hat Verständnis für die Probleme. Anstatt zu kritisieren, zieht er es vor, sich Gedanken darüber zu machen, wie er das Leben seiner Mitmenschen verbessern kann.

СнимкаEs herrscht eine Übersättigung an Worten, vor allem im Marketing und in den Medien. Die Leute bedienen sich einer sehr expressiven Wortwahl, die aber negativ ist. Sie scheuen sich, solche ausdrucksstarken Worte für positive Botschaften zu nutzen. Um Erfolg zu haben, sollte man aber auf positive Botschaften setzen. Ich sehe, dass immer mehr Menschen sich der eigenen Rolle bewusst werden. Auch Bulgarien ist im Aufschwung, obwohl wir das oft nicht wahrhaben. Es gibt natürlich ein Auf und Ab, im Großen und Ganzen setzt sich aber der Aufwärtstrend durch. Die Bulgaren versuchen immer öfter, sich auf ihre innere Stütze zu verlassen. Auch unsere Kampagne setzt auf diesen natürlichen Enthusiasmus und will die jungen Leute darin unterstützen, ihr Leben zum Positiven zu verändern. Ich habe in den Niederlanden, Israel und Ungarn spezialisiert. Ich besuche immer noch unterschiedliche Weiterbildungen in den Niederlanden, doch mein Hauptjob ist hier, in Bulgarien. Die Mühe lohnt sich. Zusammen mit Plamen Popow habe ich mich engagiert, den Leuten zu helfen, ihr unternehmerisches Denken zu fördern und sie in ihrem Glauben zu bestärken, dass sie selbst der Antrieb für Veränderungen sein können. Unsere Kampagne ist auf die Bewohner kleiner Ortschaften und auf sozial benachteiligte Menschen ausgerichtet. Bislang haben wir uns mit über 1.000 Menschen in Bulgarien getroffen. Ihre Zahl ist aber viel größer, wenn wir auch jene dazu rechnen, die an einem Fernstudium teilnehmen. Wir wollen ihnen nicht nur bei ihrer persönlichen Entwicklung unter die Arme greifen, sondern bringen ihnen bei, Internetplattformen, Marketing, soziale Medien und Onlinehandel zu nutzen. Das sind die Vorzüge, die einem das globale Netz bietet, egal wo man sich aufhält“, meint Yasser Markos.

Die Kampagne „Ich wecke Bulgarien auf“ fand unter der Schirmherrschaft von Vize-Arbeitsministerin Sultanka Petrowa statt. „Wir wollen diese jungen Leute in ihrem Unterfangen unterstützen, weil Bulgarien wirklich aufgeweckt werden muss. Junge und aktive Menschen wie sie sollten ihre eigenen Erfahrungen mit den anderen teilen. Solche Kampagnen, die von Jugendlichen initiiert wurden, sind viel nützlicher als jene, die von der staatlichen Verwaltung organisiert werden“, ist Ministerin Petrowa überzeugt.

Übersetzung: Rossiza Radulowa

Fotos: sabudi.bg

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