Archaische Melodien und Rhythmen wiedererzählt in „MyStory of Folklore“

Foto: Privatarchiv

Снимка„MyStory“ nennt sich das neueste Projekt, das von einigen Folkloreinterpreten und einem DJ geschaffen wurde. Die ersten zwei Worte werden zusammengeschrieben – in Anlehnung an das Wort „Mystery“, mit dem bereits seit Jahrzehnten die bulgarische Folklore in aller Welt in Verbindung gebracht wird. Natürlich wird auch an den bekannten Chor „Das Mysterium der bulgarischen Stimmen“ erinnert. Es gibt ferner eine ganze Reihe von bulgarischen Folklorealben mit ähnlichen Namen, in denen die Stimmen populärer Volksliedsängerinnen und Sänger zu hören sind. Die Musiker von „MyStory“ sagen ihrerseits, dass die mit diesem Titel ihre Achtung gegenüber den altehrwürdigen Meistern zum Ausdruck bringen, die die alten Traditionen über Jahrhunderte bewahrt und weitergegeben haben. Trotz alledem werden diese Traditionen auf ganz neue Weise vorgestellt. In den Vordergrund wird ein anderes Mysterium geschoben, nämlich die fast grenzenlosen Möglichkeiten, die traditionelle Musikfolklore in den verschiedensten Stilen und Klangweisen zu integrieren.

Die Sängerin Maria Alexandrowa erzählte uns Einzelheiten:

2016 begannen wir, aktiv an diesem Projekt zu arbeiten. Uns zur Seite standen die bekannten Musiker von Volksmusikorchester des Bulgarischen Nationalen Rundfunks Christina Belewa (Fiedel) und Angel Dimitrow (Tamburitza und Gitarre) sowie der Perkussionist Petar Jordanow Bunny (bekann von der Gruppe „Oratnitza“) und Martin Donowski, der für den elektronischen Klang verantwortlich ist. Unsere Musik stellten wir zum ersten Mal auf dem Festival „Drum'n'Jazz“ in Plowdiw vor. Die offizielle Premiere ist jedoch am 13. November um 19.00 Uhr im Sofia Live Club. Ferner werden wir unser erstes Video zeigen, das zu einem der Titel gedreht wurde. Wir begannen dieses Projekt mit der Idee, die bulgarische Folklore in einer Form vorzustellen, die die jüngeren Generationen anspricht. Unsere Musik ist für Klubs und zum Tanzen gedacht. Wir mischen die bulgarische Folklore mit Rock, Rege, akustischen und elektronischen Klängen und zuweilen sind auch orientalische Tonleitern herauszuhören. Von allem ist etwas mit dabei. Aus diesem Grund heißt der volle Titel unseres Projekts „MyStory of Folklore“. Jeder Teilnehmer am Projekt hat seine ganz eigene Verbindung zur Folklore. Ich beispielsweise habe als Volkliedsängerin angefangen. Bereits als Kind habe ich Volklieder gesungen und habe dann die Musikschule und danach die Neue Bulgarische Universität im Fach Folkloregesang absolviert. Danach begann ich am Trio „Eurydike“ mitzumachen. Für unser Projekt versuchen wir Lieder zu finden, die nicht allzu bekannt sind. Meine Kollegen und ich wollen, dass diese Lieder den Hörern jedoch ans Herz gehen. Es sind Lieder aus den verschiedensten Folkloreregionen Bulgariens – aus dem mittleren Westen Bulgariens, wo die Schopen beheimatet sind, wie auch aus den Rhodopen und auch aus dem Pirin-Mazedonien. Jede dieser Regionen hat ihre Besonderheiten. Ich versuche, die grundlegenden Charakteristiken beizubehalten und das weiterzugeben, was ich von meinen Lehrern und von meinen Eltern und Großeltern gelernt habe.




Christina Belewa, die ebenfalls durch ihre Teilnahme an ungewöhnlichen Projekten bekannt ist, teilte uns ihrerseits folgendes mit:

Die Musik ist ein unendlicher Raum. Sie ist entweder schön und angenehm zum Hören, oder sie klingt „fremdartig“ und erreicht die Herzen nicht. Das, was wir in diesem Projekt machen, ist ehrlich gemeint und zwischen uns besteht eine positive Energie, so dass alles gut gelungen ist, denke ich. Es ist aufregend und interessant. In fast allen Titeln wird improvisiert und jeder kann seine ganz persönliche Geschichte erzählen. Und das ist ein weiteres Merkmal der Musik – sie kann erzählen. Für mich ist das so etwas wie eine Therapie. Ich erzähle lustige, wie auch traurig Dinge. Manchmal fällt es schwer, Gefühle in Worte zu fassen. Die Musik macht es jedoch möglich. Sie ist schier grenzenlos. Es ist vielleicht am wichtigsten, die Leute zu mögen, mit denen man zusammen musiziert. Die Inspiration kommt dann wie von selbst und kann von einem eigenwilligen Akkord entfesselt werden; die Improvisation geht dann ihre eigenen Wege. Häufig ist man selbst von den Wendungen überrascht. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft zusammen weitermachen und uns gegenseitig bereichern können.“




Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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