Der Jazz war seine Urgewalt, denn nur durch ihn konnte er seinen unbeugsamen Geist zum Ausdruck bringen

Jazzer Petar Petrow wäre heute 85 Jahre alt geworden

Foto: Archiv

Er war eine starke und individuelle Persönlichkeit, ein stets origineller Musiker, der häufig mit seinen ungewöhnlichen Ideen überraschte. Der Jazzer Petar Petrow-Partscheto beeinflusste das musikalische Schicksal gleich mehrerer Musikergenerationen. Am heutigen Tag wäre er 85 Jahre alt geworden; das nehmen wir zum Anlass, um an den bedeutenden Klarinettisten, Saxophonisten und Gründers des Festivals „Jazz Fest Russe“ zu erinnern.

Mit einem roten Hemd auf dem Rücken raste er durch die Stadt, sein Herz versprühend. Für gewöhnlich kam er von seinem morgendlichen Schwimmen und strotzte voller Energie. Der Jazz war seine Urgewalt, denn nur durch ihn konnte er seinen unbeugsamen Geist zum Ausdruck bringen“, erinnert sich Iglika Peewa an den Musiker in einem Essay, das in das Buch „Petar Petrow-Partscheto – der freie Flug des Geistes“ aufgenommen wurde. Darin wurde auch das Manuskript zu einer Sendung von Radio Bulgarien aus dem Jahre 2006 veröffentlicht.

Petar Petrow hat in seiner Heimat eine klassische Musikausbildung genossen. Später erfuhr er im Ausland eine Sonderausbildung und nach seiner Rückkehr spielte er Klarinette an der Philharmonie der Stadt Russe – und das von 1957 bis zu seiner Rente. 1959 gründete er sein erstes Jazz-Orchester, später auch ein Quartett namens „Petrows“. Es war aber keine Familienformation – der Zufall wollte es und alle Musiker hatten den gleichen Familiennamen: Petar Petrow (Saxophon), Petar Petrow-Petucha (Trompete), Slatko Petrow (Kontrabass) und Ilko Petrow (Schlagzeug). Danach übernahm Petar Petrow die Leitung des Orchesters „Russe“, mit dem er viele Konzerte gab. Außerdem beteiligte er sich als Solist an angesehenen Musikforen in Mexiko, Russland, Polen, Ungarn, Indien, Italien und anderen Ländern. In seiner Geburtsstadt Russe nahm er unermüdlich an Bildungsprogrammen teil, die in Schulen und Industriebetrieben vorgestellt wurden. Er trat dabei nicht nur mit der Klarinette oder dem Saxophon auf, sondern hielt auch Vorträge. Seine Kollegen schätzten ihn sehr, weil er stets mit großem Enthusiasmus an die Arbeit ging und die heimischen Interpreten nahezu fanatisch unterstützte. Er organisierte interessante Programme, die er in dem von ihm gegründeten „Jazz Club“ am Kulturklub von Russe vorstellte. Nicht zu vergessen das Festival „Jazz Fest Russe“, das das älteste Jazz-Forum in Bulgarien ist. Petar Petrow rief es 1975 ins Leben. „Dank des Festivals haben ganze vier Generationen an Musikern ihren Weg gefunden“, sagte voller Stolz Petar Petrow. Die letzte von ihm organisierte Ausgabe fand im November 2012 statt. Zwei Monate später (24. Januar 2013) verstarb der Musiker im Alter von 80 Jahren.

In einem seiner letzten Interviews für Radio Bulgarien aus dem Jahre 2006 teilte er uns folgendes mit:

Die Arbeitstage sind mir sehr wichtig. Damit meine ich die ständige Konzerttätigkeit. Das hält einen Musiker in Form und zudem ist es für das Publikum interessant. Wir sind der Gemeinde Russe unendlich dankbar, dass sie uns unabhängig aller finanzieller Schwierigkeiten in unserer Konzerttätigkeit in unserem Klub und bei der Organisierung des Festivals unterstützt. Der „Jazz Club“ wurde vor mehr als 3 Jahrzehnten gegründet. Ihn besuchen Schriftsteller und andere Intellektuelle. Ständig laden wir junge Interpreten ein, darunter auch Solisten der Big Band des Bulgarischen Nationalen Rundfunks. Die ersten Teilnehmer an den Konzerten des Klubs und des Festivals sind mittlerweile Rentner. Mehrere Generationen haben darin Verwirklichung und Freude gefunden. Neben der Bühne ist aber auch die Ausbildung wichtig. Der Weg beginnt in der Kindermusikschule, führt über das Musikgymnasium zur Musikakademie… Danach, wenn man das Glück hat, von Gott gesegnet zu werden, kann man auch etwas leisten, obwohl in der Musik bereits alles schon gesagt worden ist…

Der Klub funktioniert bis heute, das Festival ebenso. Nach ihm übernahm dessen Leitung sein Sohn, der Saxophonist Boris Petrow. Er und einige weitere Musikkünstler der Stadt Russe gründeten eine Stiftung, die den Namen von Petar Petrow trägt.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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