Heiliger Stephanus – der erste christliche Märtyrer

Am dritten Tag nach der Geburt Christi (greg. 27. Dez., jul. 9. Jan.) ehren die orthodoxen Christen den heiligen Stephanus, der als der erste christliche Märtyrer gilt.

Stephanus wurde von den Aposteln Christi zum Diakon ernannt und konnte wie sie, einzig mit Auflegen der Hände Kranke heilen. Beflügelt vom neuen Glauben, wurde er schließlich zum Erzdiakon erkören, der sich als Oberster der christlichen Gemeinschaft in Jerusalem um die übergangenen Witwen der griechisch sprechenden Judenchristen sowie der Hilfebedürftigen kümmerte. Bekannt als ein Mann „voll Kraft und Gnade“ organisierte Stephanus vorbildlich deren Versorgung, so dass er sich den Neid der Juden zuzog, die ihn vor dem Hohen Rat, dem Sanhedrin, verleumdeten. Man beschuldigte ihn der Gotteslästerung. Es kam zu einer Gerichtsverhandlung, in der er sich als ein äußerst gelehrter Mann zeigte, der alle Beschuldigungen mit handfesten Argumenten von sich wies und dazu Beispiele aus der gesamten Geschichte des jüdischen Volkes von Abraham bis König Salomon anbrachte. Die Juden waren von seinen Worten derart erbittert, dass sie ihn vor die Stadt zerrten, wo er von der Masse gesteinigt wurde. Mit seinen letzten Worten: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.“, bat er um Vergebung für die Tat seiner Feinde. Die Überlieferung weiß zu berichten, dass die Gottesmutter und der Apostel Johannes, die der Steinigung beiwohnten, für den heiligen Stephanus gebetet hätten. Inmitten der Menschenmasse, die gegen das Christentum grölte, war ferner ein junger Mann namens Saulus, der später selbst zum Christentum überging und als Apostel Paulus in die Kirchengeschichte eingegangen ist.

Der Märtyrertod des Heiligen geriet in Vergessenheit und erst als man Ende des 4. Jahrhunderts seine Reliquien entdeckte, wurde die Erinnerung an den barmherzigen und friedfertigen Stephanus wieder wach.

Laut frühen armenischen und römischen Quellen wurde er von der Kirche am 26. Dezember, also am zweiten Weihnachtsfeiertag, verehrt. In byzantinischer Zeit begann die Kirche am Tage nach der Geburt Christi das Fest der Synaxis (Kommemoration/Zusammenschau) der Allheiligen Theotokos (Gottesgebärerin) zu begehen; der Tag des heiligen Stephanus wurde um einen Tag – auf den 27. Dezember verschoben.

Foto: wikipedia.org

Eine der berühmtesten bulgarischen Kirchen, die dem heiligen Stephanus geweiht sind, ist die sogenannte „Eiserne Kirche“ in Istanbul. Die Stephanus-Kirche ist eng mit den Bestrebungen der Bulgaren um eine eigenständige Kirche verbunden, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts einsetzten, lange bevor das Land von der osmanischen Fremdherrschaft befreit wurde. Die Kirche selbst stellt eine geräumige dreischiffige Basilika mit Querschiff dar, die Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde, als die bulgarische Gemeinde in Istanbul noch rund 50.000 Mitglieder hatte. Der Bau besteht aus Eisengussteilen und besitzt einen 40 Meter hohen Glockenturm. Die Kirchenweihe nahm Exarch Joseph I. am Tage der Geburt der Gottesmutter am 8. September 1898 vor.

Laut Volkskalender wird der heilige Stephanus mit einer Festtafel geehrt, auf der Schweinefleisch mit Sauerkraut sowie das traditionelle Blätterteiggebäck – die Banitza, aufgetischt werden. Es ist an diesem Tag Brauch, dass die jüngeren Menschen ihre älteren Verwandten, wie auch die Trauzeugen und Taufpaten besuchen. An diesem Tag feiern natürlich besonders jene unter den Bulgaren, die auf den Namen des heiligen Stephanus getauft sind.

Übersetzung: Wladimir Wladimirow

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