Die 12jährige Stojanka Nenkowa: „Mein Herz gehört der Folklore“

Stojanka Nenkowa mit ihrer Lehrerin Ginka Matewa und dem Fiedelspieler Wesselin Dojtschew
Foto: Şevkiye Çakır

Die bulgarischen Traditionen sind vor allem in der Musikfolklore wach. Insbesondere in den Dörfern und kleineren Gemeinden ist sie allgegenwärtig und unverfälscht. Und was vielleicht noch wichtiger ist: die Kinder mögen sie.

Stojanka Nenkowa ist 12 Jahre alt und lebt in der südbulgarischen Stadt Kardschali. Ihre Stimme ist häufig im jüngsten Regionalprogramm des Bulgarischen Nationalen Rundfunks – Radio Kardschali, zu hören. Stojanka gehörte übrigens auch zur Folkloregruppe, die am 9. Mai 2016 die feierliche Eröffnung des Lokalsenders musikalisch untermalte. Wir entdeckten sie auf einem ihrer neuesten Auftritte.

Das Mädchen fiel den Umstehenden als aller erstes mit ihrer schönen Rhodopen-Tracht auf. Nach ihrem Auftritt, der alle aufhorchen ließ, konnten wir es uns nicht verkneifen und sprachen sie an:

Ich lerne an der Wassil-Lewski-Schule in Kardschali und singe im Kulturhaus „Rhodopen-Leuchtturm 1938“. Meine Folklore-Lehrerin Ginka Matewa begann sich mit mir zu beschäftigen, als ich in der 3. Klasse war“, erzählte uns die junge Sängerin und verriet uns, dass ihre Eltern sie von klein auf vorsingen ließen, wenn zu Hause irgendein Fest war. Alle hörten sie gern singen, waren stolz auf sie, förderten sie aber auch. Ihre größten Fans sind ihre Großeltern, die in der nordbulgarischen Stadt Weliko Tarnowo leben und ihre Auftritte in Rundfunk und Fernsehen stets verfolgen. Stojanka Nenkowa singt jedoch nicht nur – sie tanzt auch gern. Bis vor kurzem gehörte sie der Folkloretanztruppe des Kulturhauses an. Was die Folklorefestivals anbelangt, an denen sie sich bereits beteiligt hat, erinnert sie sich besonders lebhaft an den Nationalen Folklorewettbewerb "Die Quelle des Orpheus".




Meine Lehrerin Ginka Matewa wählt die Lieder für mich aus, die am besten zu meiner Stimme passen. Und ich trage sie dann vor. Neben der Folklore mag ich auch die moderne Musik. Mein Herz gehört jedoch der Folklore“, betonte sie.

Auf die Frage, ob in den Musikstunden in der Schule mehr bulgarische Volkslieder gesungen werden sollten, meinte Stojanka:

Das sind Lieder unserer Heimat – sie müssen erlernt und gesungen werden. Meine Mitschüler sind ganz stolz auf mich und freuen sich immer, wenn ich ein Lied anstimme. Auch sie singen bulgarische Volkslieder und machen in Folkloregruppen mit.

Wir wünschten der jungen Sängerin noch größere Erfolge – möge sie die Konzertpodien im Ausland mit der bulgarischen Gesangsfolklore erobern! Ihre Lehrerin Ginka Matewa musste bei diesen Worten schmunzeln. Über sich und ihre Arbeit erzählt sie uns:

Ich bin gleichzeitig auch als Musiklehrerin an einer der Schulen in Kardschali tätig. Es besteht tatsächlich der Bedarf an Lehrer, die im Musikunterricht größeren Wert auf die heimische Folklore legen. Die Kinder wissen im Allgemeinen viel zu wenig über die Volkskunst. Man muss ihnen die Unterschiede zwischen den einzelnen Folkloreregionen unseres Landes klar machen. Wichtig ist, die einzelnen Instrumente und Rhythmen zu kennen. Die meisten Kinder stehen der Folklore offen gegenüber und würden sich gern mit ihr beschäftigen.

Obwohl die 12jährige Stojanka Nenkowa mitten in den Rhodopen geboren worden ist, singt sie keine Rhodopen-Lieder. Laut ihrer Lehrerin sei ihre Stimme für die Gesänge anderer Folkloreregionen mehr geeignet. Sie hat es mit viel Geduld und pädagogischem Können geschafft, Stojanka und all ihren anderen Zöglingen die Liebe zur Musikfolklore anzuerziehen. Dabei hat ihr der Fiedelspieler Wesselin Dojtschew, der die Nachwuchssängerinnen und Sänger begleitet, tatkräftig geholfen.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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