Johannistag – ein Fest voller tiefer Symbolik

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Zu den größten Winterfesten in Bulgarien gehört die sogenannte Synaxis (sprich Versammlung) des heiligen ruhmreichen Propheten, Vorläufers und Täufers Johannes, die am 7. Januar, einen Tag nach der Taufe des Herrn, begangen wird.

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Johannes gilt als der letzte Prophet des Alten Testaments, weil er den Menschen das Kommen des Erlösers angekündigt hat. In Bulgarien genießt dieses Fest eine besondere Bedeutung. Johannes (auf Bulgarisch „Joan“ oder „Iwan“) bedeutet „Gott hat Gnade erwiesen“, doch die Bulgaren denken vor allem an den heiligen Iwan aus dem Rila-Gebirge aus dem Ende des 9., Anfang des 10. Jahrhunderts, der der himmlische Beschützer des bulgarischen Volkes ist. Auch entsinnen sich viele der ruhmreichen bulgarischen Herrscher des Mittelalters, die diesen Namen getragen haben, wie Iwan Assen, Iwan Schischman, Iwan Srazimir und Iwan Alexander.

Johannes bzw. Iwan gehört zu den populärsten männlichen Vornahmen der christlichen Welt. So hießen 23 Päpste und Herrscher von Ungarn, Polen, Portugal, Frankreich, Russland und Bulgarien. Neben dem englischen „John“ und dem französischen „Jean“, kommt der Name auch im Albanischen als „Gjon“ und im Arabischen und Türkischen als „Yahya“ vor. Nicht nur das! Dieser Name ist selbst im Fernen Osten bekannt – als „YueHa” in China, „Iok-hān“ in Taiwan und „Yohane“ in Japan. Am 7. Januar feiern rund 300.000 Bulgarinnen und Bulgaren ihren Namenstag, es ist also ein großes Fest für das Gros der Bulgaren.

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Wie die Taufe des Herrn am Tag zuvor ist auch der Johannistag voller tiefer Symbolik. Die sogenannten „schmutzigen Tage“ wurden am 6. Januar beendet und unsere Vorfahren begannen zuversichtlich und mit Hoffnung auf die anbrechende neue Zeit zu schauen, in Erwartung einer Erfüllung ihrer innigsten und aufrichtigsten Wünsche. Zur Taufe des Herrn erhielten die Junggesellen und die frischverheirateten Männer eine Wasserweihe. Daher bezeichnet man den Tag auch als „Männer-Wasserfest“. Am Johannistag wurde das „Baden“ im kalten Wasser fortgesetzt. Diesmal aber versuchten die Junggesellen die heiratsfähigen Mädchen ins Wasser zu werfen. Die Paten „badeten“ ihrerseits die jungen Ehepaare und die kleinen Mädchen im Alter bis zu einem Jahr. Daher nennt man das Fest auch „Weiber-Wasserfest“. Die Weihe wird erneut mit Weihwasser vom Tag der Taufe des Herrn vorgenommen. Das traditionelle Festmahl bietet gekochten Weizen, Bohnen, Trockenobst, das Blätterteiggebäck „Banitza“, geschmorte Hartwurst sowie Schweinerippen mit Sauerkraut.

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