Wie eine Kirchenweihe einen politischen Beigeschmack bekommen kann

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Gestern wurde die bulgarische Kirche „Hl. Stephanus“ in Istanbul nach jahrelangen Restaurierungsarbeiten wiedereröffnet. Anwesend waren jedoch nicht einzig hohe geistliche Würdenträger, wie der bulgarische Patriarch Neofit, der Obermufti der Moslems in Bulgarien Mustafa Aliş Hacı und der Ökumenische Patriarch Bartholomäu, sondern auch Spitzenpolitiker beider Länder, die offizielle Abordnungen anführten. Zugegen waren der bulgarische Ministerpräsident Bojko Borissow und sein türkischer Amtskollege Binali Yıldırım sowie der Staatspräsident der Türkei Recep Tayyip Erdoğan persönlich.

Die Reden der religiösen und weltlichen Persönlichkeiten enthielten eine Reihe politischer Elemente, die angesichts der bulgarischen EU-Ratspräsidentschaft in der ersten Hälfte dieses Jahres eine ganz spezifische Nuance erhielten. Der bulgarische Patriarch Neofit hob hervor, dass die Erneuerung des Gotteshauses „Dank der guten nachbarschaftlichen Beziehungen und der fruchtbringenden Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern und unseren orthodoxen Kirchen“ möglich geworden sei. Bislang war in den Prioritäten des bulgarischen EU-Vorsitzes in keiner Weise von einer Normalisierung der Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei die Rede. In Istanbul sagte Premierminister Bojko Borissow jedoch deutlich, dass Bulgarien auf eine solche Entwicklung bestehen werde und sogar vermitteln könne. Vielleicht sind diese Worte nur als gute Geste zu verstehen, zumal die Türkei recht unzufrieden über die Tatsache ist, dass sie in den Prioritäten des bulgarischen EU-Vorsitzes mit keinem Wort erwähnt wird; stattdessen wird die EU-Integration des Westbalkanraums in den Vordergrund gerückt. Vielleicht hat Borissow auch nur erneut eine langgehegte Absicht geäußert. Es wird sich demnächst herausstellen, was dahinter steht.

In den Reden zur Wiedereinweihung der Stephans-Kirche und danach wurden neben dem Wunsch um Normalisierung der Beziehungen zwischen der Türkei und der EU mehrmals Bulgarien und die Türkei als beispielgebend für ihre guten nachbarschaftlichen Beziehungen trotz bestehender Meinungsverschiedenheiten genannt. Erdoğan unterstrich: „Die schlechten Erinnerungen aus der Vergangenheit dürfen keine Schatten auf die Hoffnung und die Möglichkeiten werfen, friedlich zusammenzuleben.“ Auch Ministerpräsident Yıldırım unterstrich, beide Länder hätten in den letzten Jahren gezeigt, dass sie die Probleme nicht spalten, sondern einen. Diese Aussage wird jedoch demnächst in Bulgarien kommentiert werden, vor allem von den nationalistisch gesinnten Patrioten – dem kleinen Koalitionspartner der Regierung Borissow III.

Der türkische Staatspräsident gab deutlich zu verstehen, er erwarte, dass Bulgarien im Gegenzug die Restaurierung der historischen Denkmäler des moslemischen Glaubens in Bulgarien einleitet. In diesem Zusammenhang äußerte Erdoğan, dass er sich mit Freude an der Eröffnung der restaurierten Moschee in Sofia beteiligen würde, die übrigens die einzige der bulgarischen Hauptstadt ist.

Die politischen Begleittöne der Wiederweihe der bulgarischen Kirche „Hl. Stephanus“ in Istanbul wurden ihrerseits auch von der heimischen Presse in den Vordergrund geschoben. Die „Sega“ betont in ihrem Leitartikel, dass Borissow versprochen habe, sich für die Erwärmung der Beziehungen zwischen der EU und der Türkei einzusetzen. In einem Interview für das Bulgarische Nationale Fernsehen schloss die bulgarische Außenministerin Ekaterina Sachariewa nicht aus, dass während der bulgarischen EU-Ratspräsidentschaft ein Sondertreffen über die Beziehungen zur Türkei organisiert wird. Sie argumentierte, dass die Terrorismusbekämpfung und der Schutz der EU-Außengrenze erfolglos bleiben würden, wenn die Türkei außer als NATO-Partner kein naher Partner der Europäischen Union sei.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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