Vier Ausstellungen stellen Lehrer und Schüler der bildenden Künste vor

Autor:
Emil Popow, Wichroni Popnedelew, Andrej Daniel und Nikolaj Majstorow mit ihren Schülern

Wenn wir uns einen Schüler als einen Tonklumpen in den Händen eines begabten Lehrers vorstellen, werden dann seine Finger ein vollkommenes Werk schaffen? Eine Antwort darauf können wir auf vier Ausstellungen suchen, auf denen sich bekannte Maler und Bildhauer zusammen mit ihren Zöglingen präsentieren.

„Lehrer und Schüler in der darstellenden Kunst“ nennt sich ein Projekt der Stiftung „Wapreki“ (zu Deutsch „Dennoch“), das die Professoren Emil Popow, Wichroni Popnedelew, Andrej Daniel und Nikolaj Majstorow und ihre besten Studenten der Kunstakademie in Sofia vereint. In vier aufeinanderfolgenden Ausstellungen in Sofia, Warna und Kjustendil werden Lehrer und Schüler ihre Werke zeigen und in einem Begleitprogramm gemeinsame Diskussionsrunden veranstalten. Dabei soll versucht werden, auf einige Fragen eine Antwort zu finden. Ist es für einen angehenden Künstler nützlich, von seinem Lehrer nach dessen Vorstellungen geformt zu werden? Was zeugt unser Bildungssystem – Schöpfer oder Epigonen? Welche Spur möchte der Lehrer in seinen Schülern hinterlassen?

Unser Gebiet ist recht spezifisch, denn es handelt sich schließlich um Kunst“, sagt der Maler Prof. Andrej Daniel. „Die Akademie ist ein Ort für künstlerisch gebildete Menschen, die ihre Vorstellungen umsetzen können und es wagen, ihre Werke zu signieren. Ich ziele daher auf den Aufbau rein menschlicher Kontakte ab und möchte die ästhetischen Neigungen und Bestrebungen meiner Studenten auf künstlerischem Gebiet ergründen. Ich helfe ihnen, den nötigen künstlerischen Ausdruck zu finden. Im Unterschied zu anderen Zweigen der Erkenntnis wollen wir keine Standards auferlegen. Unsere Ausbildung ist absolut individuell und ihr Sinn besteht darin, die Individualität zu synthetisieren. Das Interessante bei uns ist – möglichst unterschiedliche Künstler heranzubilden.

Laut Prof. Andrej Daniel sei die Ethik der Kunst, wie übrigens auch des Lebens, in den 10 Geboten Gottes enthalten. Aus diesem Grund müsse ein Künstler die menschlichen Werte ehrlich, gewissenhaft und mutig verteidigen. „Die Ethik ist das Grundgesetz, das uns zu Menschen macht und uns vom Kampf in der Wildnis unterscheidet“, meint der Maler.

Die Ethik ist die Vergegenwärtigung der Verantwortung des Künstlers, weil er eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben spielt, sei es als Maler, Illustrator oder Designer“, fügte seinerseits der Kunstwissenschaftler Prof. Tschawdar Popow hinzu. „Eine seiner Aufgaben besteht im Kampf gegen das Abgeschmackte, die Massenkultur, den Kitsch, die sich mittels der Medien über uns ergießen. Er muss für die Entwicklung von Geschmack und ästhetischer Einstellung nicht nur gegenüber der Kunst kämpfen, sondern auch gegenüber allen Aspekten des Alltagslebens. Dies ist die Aufgabe eines Künstlers in dieser täglichen Kollision, die sich vor unseren Augen abspielt.

Andrej Daniel und Nikolaj Majstorow (in der Mitte), Stefan Dschambasow (links) und Zelma Almaleh Алмалех (rechts) von der Stiftung

Wird es jedoch die jüngere Künstlergeneration schaffen, inmitten dieser gesellschaftlichen Kollision ihren eignen Weg zu finden?

Das ist eine komplizierte Frage“, gesteht Prof. Andrej Daniel. „Es kann von allgemeinen oder gemeinsamen Themen nicht die Rede sein, obwohl sich in der Öffentlichkeit eine Besorgnis breit macht, die zuweilen in Verzweiflung ausartet, denn allen ist klar – auf unserem Gebiet stehen die Sachen schlecht. Bei uns wird der bildenden Kunst nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Das ist wohl auch nie der Fall gewesen und das kann als eine Art bulgarische Tradition angesehen werden. Den Opernsängerinnen und Sängern sowie den Schriftstellern wird mehr Achtung entgegengebracht, als den Malern und Bildhauern, die in der Allgemeinheit unterzugehen scheinen. Und dennoch bringen diese jungen Menschen Heldenhaftes hervor, allein schon weil sie gerade bildende Künstler werden wollen, auch wenn ihnen das Publikum nur wenig Beachtung schenkt. Die angehenden Künstler begreifen, dass ihnen die Methodologie der bildenden Kunst die Möglichkeit gewährt, diese Welt zu erforschen und warum nicht auch zu verändern!

Die erste der vier Ausstellungen wurde am 22. Februar in den Galerie „Wladimir Dimitrow der Meister“ in Kjustendil eröffnet. Dort stellen der Bildhauer Emil Popow und seine Schüler aus. Am 1. März kamen der Maler Wichroni Popnedelew und dessen Schüler an die Reihe, die ihre Arbeiten in der hauptstädtischen Galerie „Art Allee“ präsentieren. Prof. Andrej Daniel wird mit seinen Schülern ab den 17. April in der Städtischen Kunstgalerie der Stadt Warna an der bulgarischen Schwarzmeerküste ausstellen. Die vierte und letzte Ausstellung wird am 10. Mai ihre Tore öffnen. Das Publikum wird dann Werke des Malers Nikolaj Majstorow und seinen Schülern in der hauptstädtischen Galerie „Quadrat 500“ bewundern können.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: въпреки.com

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