Gemeinschaftszentren in Unterstützung von Roma-Frauen

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Foto: Mütterzentrum Bjala Slatina

Mehr als 600 Frauen der Roma-Gemeinschaft aus der Stadt Rasgrad, dem Dorf Wasowo bei Isperich und der Stadt Bjala Slatina sollen eine Hilfe erhalten, um ihren schweren Alltag hinter sich zu lassen und sich bessere soziale und Arbeitsgewohnheiten anzueignen. Dazu dient das Projekt „Soziale Innovationen für eine effektivere soziale Integration von Roma-Frauen in benachteiligter Lage“, das für Frauen im Alter zwischen 16 und 55 Jahren gedacht ist.

Benefizient des Projekts, das Ende vergangenen Jahres angelaufen ist, ist die Assoziation Integro der Stadt Rasgrad“, erzählte uns Kamen Makaweew von der Assoziation Integro. „Verwirklicht wird das Vorhaben mit Hilfe des Netzwerks zur Unterstützung der weltweiten Zusammenarbeit von Mütterzentren MINE, Stuttgart. Das Projekt selbst läuft im Rahmen der Prozedur „Transnationale und Donau-Partnerschaft für Beschäftigung und Wachstum“ des Operationellen Programms „Entwicklung der Humanressourcen“ 2014 bis 2020, ko-finanziert von der Europäischen Union mittels des Europäischen Sozialfonds. Die Finanzhilfe ist in Höhe von 100.000 Euro und ist ihrem gesamten Umfang nach unentgeltlich, wobei das Projekt bis Ende dieses Jahres umgesetzt werden muss.“

Geplant ist die Einrichtung von drei Gemeinschaftszentren, in denen sich Roma-Frauen, die einem starken Diskriminierungsdruck ausgesetzt sind, soziale und Arbeitsgewohnheiten aneignen können. In dem Zentrum der Stadt Rasgrad werden die Roma den Friseur-Beruf erlernen können. In den anderen zwei Zentren werden sie zu Köchinnen ausgebildet. Die für die Ausbildung in beiden Berufen benötigte technische Ausstattung soll durch das Programm bereitgestellt werden. Vorgesehen ist die Einstellung von je zwei Ausbildern in den drei Zentren. Damit alles wie geplant läuft, hat sich die NGO aus Rasgrad um einen Erfahrungsaustausch an das Netzwerk zur Unterstützung der weltweiten Zusammenarbeit von Mütterzentren MINE in Deutschland gewandt:

Die deutsche Organisation und wir verfolgen die gleichen Ziele“, erzählt Kamen Makaweew. „Im Rahmen des Projekts machen wir uns mit der Arbeit der bestehenden Integrationszentren vertraut, die sich um die soziale Integration von Flüchtlingen in den Ländern Westeuropas kümmern.

In die Zielgruppe fallen pro Zentrum 200 Roma-Frauen, die Kinder haben, eine niedrige Ausbildung besitzen, nicht regelmäßig zur Schule gehen, arbeitslos sind oder nur ab und zu einer bezahlten Tätigkeit nachgehen. In den neugeschaffenen Gemeinschaftszentren, die auf eine Berufsausbildung ausgerichtet sind, sollen ungezwungene Lehrmethoden angewandt werden, die das Erlernen eins Berufes erleichtern sollen.

Die Idee besteht darin, die soziale Integration der Roma-Frauen zu unterstützen, die von einem Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben bedroht sind. Wir wollen sie zu aktiveren Bürgern erziehen. Einer der Gründe, warum wir uns als Zielgruppe grade Frauen ausgesucht haben ist, dass sie meist für die Erziehung der Kinder verantwortlich sind. Eine etwaige Änderung ihrer Sicht auf ihre Rolle in der Gesellschaft, könnt sich in ihren Kindern widerspiegeln, die dann ihrerseits aktiver in der Gesellschaft werden können.

Die Gemeinschaftszentren sollen bis Ende März ihre Arbeit aufnehmen. Nach Ablauf des Projekts sollen diese Zentren dann von den jeweiligen Gemeinden übernommen und weitergeführt werden.

Es wird erwartet, dass diese soziale Innovation auch die örtlichen Leitungen bei der Planung von adäquaten Maßnahmen zur Integration und der Überwindung der spezifischen Probleme der Roma-Frauen nutzen“, hofft Kamen Makaweew von der Assoziation Integro der Stadt Rasgrad.

Laut der Strategie der Region Rasgrad zur Integration der Roma 2012 bis 2020 sind unter den Roma lediglich 1.392 Personen gesellschaftlich aktiv. Sie machen lediglich 2,5 Prozent der gesamten arbeitsfähigen Bevölkerung der Region aus. 81,8 Prozent der Roma sind arbeitslos, bzw. wirtschaftlich inaktiv. Die Hauptgründe liegen im niedrigen Bildungsstand und dem Fehlen einer Berufsausbildung. Viele haben es aufgegeben, nach einer Arbeit zu suchen, sind nicht einmal im Arbeitsamt gemeldet oder sind von vornherein in der Schattenwirtschaft beschäftigt. Ein Großteil der Roma im arbeitsfähigen Alter hält sich im Ausland auf, was zuweilen die einzige Finanzquelle für ihre Familien darstellt.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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