Das Auferstehungsfest gibt uns den Glauben und die Hoffnung auf eine bessere Welt zurück

Es ist Ostern! Ostern ist das Fest der Feste und bedeutet auch, oder besonders in der Orthodoxie praktisch die Erfüllung des Planes Gottes. In diesem Sinne ist der Höhepunkt aller Feiertage des Jahres auf den Ostersonntag konzentriert.

In allen Kirchen finden bereits um Mitternacht Gebets- und Hymnengottesdienste statt. Überall wird in den ersten Minuten des neuen Tages das Oster-Troparion angestimmt, das auch in allen nachösterlichen Gottesdiensten bis Pfingsten immer wieder erklingt: „Christus ist auferstanden von den Toten, er hat den Tod durch den Tod bezwungen und denen in den Gräbern das Leben geschenkt“. Die frohe Botschaft geht von Mund zu Mund. Traditionell begrüßt man sich mit den Worten: „Христос воскресе“, was übersetzt „Christus ist auferstanden“ heißt. Man erwidert den Gruß mit „Воистину воскресе“ – „Er ist wahrhaftig auferstanden“. Die Auferstehung Christi - das zentrale Ereignis des christlichen Glaubens bekundet, dass der Tod nicht als Ende, sondern als Neubeginn eines Lebens gesehen werden soll. Ein Symbol für diese erfüllte Hoffnung der orthodoxen Christen ist das „Heilige Feuer“, das jedes Jahr zum orthodoxen Osterfest auf wundersame Weise herabsteigt und die Grabeskirche Christi in Jerusalem mit Licht erfüllt. In Anlehnung an dieses Wunder entzünden die Gläubigen in allen Kirchen ihre Kerzen an der Kerze des Priesters, der den mitternächtlichen Ostergottesdienst zelebriert.

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Dozent Dr. Kostadin Nuschew von der Theologischen Fakultät der Sofioter Universität meinte in einem Gespräch, das wir mit ihm führten, dass der wahre Glaube die Menschen vereine; der falsche und heuchlerische Glaube würde sie zerstreiten und teilen.

An diesem Fest sprechen alle Symbole, das ganze geistige Erlebnis, der Gottesdienst und das Gebet vom Sieg des Lebens über den Tod. Mit diesem Sieg feiern wir die Wiedergeburt, die Wiederherstellung, die Erhöhung des Menschen in seiner Würde und seinem vollwertigen Dasein. Aus diesem Grund war unseren Vorfahren aus der Zeit der bulgarischen Wiedergeburt gerade dieses Fest so teuer; sie sahen darin ihre eigene Wiedergeburt als Nation und die Wiederherstellung der wahren Würde der Bulgarischen Orthodoxen Kirche, was schließlich in der Stefanskirche in Istanbul geschehen ist. Wir sehen, wie wichtig dieses grundlegende christliche Ereignis und die Symbolik, die es trägt, in historischer, geistiger und kulturellen Sicht ist. Wir Bulgaren haben als Christen eine geistige Tradition geerbt, die mit dem Glauben verbunden ist. Unabhängig davon, wie entfernt wir von der Kirche stehen und ob wir alle christlichen Regeln befolgen, die Menschen spüren die allseits gehobene Stimmung, diesen lichten und feierlichen Augenblick des Festes. Es hinterlässt eine bleibende Spur im Bewusstsein der Kinder und wird mit viel Freude in den Familien begangen. So wird von einer Generation an die nächste die Tradition des Glaubens, die Anteilnahme am Gottesdienst und die geistige Stimmung des Festes weitergegeben. Der christliche Glaube ist vor allem der Glaube an die Auferstehung Christi. Er verleiht jedem einzelnen Menschen Geisteskraft. Wie Apostel Paulus sagte: „Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ In der heutigen Zeit stehen wir etwas abseits des geistigen Lebens der Kirche, abseits des mystischen Erlebnisses. Auf die eine oder andere Weise stehen wir jedoch damit im Verbindung, weil es die Welt und die Lebenssicht der Menschen grundlegend verändert hat. Die Auferstehung ist der Eckstein der christlichen Kultur und unserer Zivilisation.“

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Am Vorabend des Osterfestes richtete sich die Bulgarische Orthodoxe Kirche erneut an die drei Grundpfeiler unserer Gesellschaft – die Familie, die Kirche und die Schule. Sie mögen ihre Bemühungen vereinen und gemeinsam für eine wahre geistige Bildung sorgen, damit unsere Kinder in einer geistig stabileren Welt aufwachsen. „Es freut uns die Tatsache, dass zunehmend mehr junge Familien mit ihren Kindern den Weg zur Kirche und den Traditionen finden. Sie sind sich bewusst geworden, dass sie durch den Glauben eine geistige Stütze und Hilfe erhalten“, sagte abschließend Dozent Dr. Kostadin Nuschew von der Theologischen Fakultät der Sofioter Universität.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: BGNES

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