Orchester Thrakiens geben gemeinsames Konzert in Angedenken an den Klarinettisten Petko Radew

Petko Radew
Foto: Archiv

Zum Zeichen der Dankbarkeit, der Anerkennung und in Angedenken an den unvergessenen Menschen, Lehrer und Musiker Petko Radew, der am 9. April dieses Jahres 85 Jahre alt geworden wäre, haben Freunde, Kollegen und Schüler von ihm zusammen mit der Gemeinde Tschirpan ein Konzert organisiert. Es wird heute auf dem Hauptplatz der Stadt Tschirpan in Zentralbulgarien im Herzen von Thrakien von den Orchestern "Kanarite", "Slawjani" und der Konusch-Gruppe gegeben.




Es gibt nur wenige Musiker, die sowohl in der symphonischen, als auch in der Volksmusik beachtliches geleistet haben. Der auch außerhalb der Grenzen Bulgariens bekannte Klarinettist Petko Radew ist unter ihnen. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, das Ansehen der Volksmusiker zu heben. Radew gab ihnen nützliche Hinweise bei der Wahl ihres Repertoires und der Interpretation der Volksmusik der bulgarischen Folkloreregion Thrakien. Lange Jahre war er ein begehrter Gast verschiedenster Volksfeste seiner Heimatregion.




Petko Radew ist in dem kleinen Dorf Swoboda nahe der mittelbulgarischen Stadt Tschirpan geboren worden, die sich in der bulgarischen Folkloreregion Thrakien befindet. Sein Vater, Radi Petkow, war ein brillanter Klarinettist, der auf Hochzeiten aufspielte und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Junge, der stets den Vater begleitete, schnell in seine Fußstapfen trat. Auch ohne eine einzige Note lesen zu können, lernte er die Klarinette spielen. Und so war es für Petko Radew kein Problem, später die Musikschule zu beenden. Sein weiterer Lebensweg war mit Erfolgen übersät. Als Student der Musikakademie in Sofia gewann er 1957 den Ersten Preis des internationalen Wettbewerbs für Blasinstrumente in Genf. Er brachte es sogar zum ersten Klarinettisten im Orchester der Mailänder Skala. Dort spielte er unter der Leitung von Claudio Abbado, Riccardo Muti, Leonard Bernstein u.a. Nachdem er 11 Jahre in Italien Opernpartituren spielte, kehrte er jedoch nach Hause zurück, wo er als Solist in führenden Symphonieorchestern, darunter dem des Bulgarischen Nationalen Rundfunks, aufgenommen wurde und als Professor an der Nationalen Musikakademie in Sofia und der Akademie für Musik, Tanzkunst und bildende Künste in Plowdiw unterrichtete. In all den Jahren verlosch jedoch nicht seine große Liebe zur bulgarischen Volksmusik.




Petko Radew hat mit vielen Volksmusikorchestern zusammen musiziert und auch vielen heute angesehenen Klarinettisten unterrichtet. Seine Interpretationen sind zu Musterbeispielen geworden, die jeder angehende Musiker in Bulgarien Dutzende Male gehört und versucht hat, die bravouröse Spielweise nachzuahmen.




Nikola Iliew, Leiter der populären "Konusch-Gruppe", sagte über seinen Lehrer und Freund:

Mein ganzer Werdegang als Musiker steht in enger Beziehung zu Petko Radew. Ich lernte in Sadowo, als ich zum ersten Mal eine Klarinette in die Hände nahm. Ich hatte im Radio Aufnahmen von ihm gehört, die mich so stark beeindruckten, dass ich wie ihn spielen wollte. Er besaß nicht nur eine brillante Technik, sondern konnte dem Instrument einen herrlichen Klang entlocken. Mein Eifer sprach sich herum und als Petko Radew einmal in Sadowo war, kam er speziell in meine Schule, um mich zu hören. Ich durfte ihm vorspielen. So lernten wir uns kennen und sind später große Freunde geworden. Er riet mir, Musik zu studieren und mich weiter zu vervollkommnen. Ich sollte nicht nur die Gipfel der Volksmusik erklimmen, sondern auch andere Höhen bezwingen. Und so begann ich in der Musikschule in Plowdiw zu lernen; später besuchte ich das Konservatorium in Sofia, wo ich unter seiner Leitung studierte. Für all das, was ich von ihm gelernt habe, bin ich ihm überaus dankbar. Er war mir ein Lehrer in der Musik, aber auch im Leben. Es muss Kollegialität und freundschaftlicher Wettstreit herrschen, war er überzeugt und riet mir, ständig zu lernen, um meinen musikalischen Horizont zu erweitern. Petko Radew hat mir auch ein Instrument geschenkt. Ich kann nur schwer die passenden Worte finden, um diesen herrlichen Menschen zu beschreiben. Ich bedaure es zutiefst, dass er uns für immer verlassen hat... Meine beiden Söhne haben bei ihm die Akademie in Sofia absolviert. Danach haben sie ihre Ausbildung an der Juilliard School in New York fortgesetzt.
Petko Radew hat mir viele nützliche Ratschläge für das Komponieren von Musik im Folklorestil gegeben. Er meinte, es sei besser nur einen Reigen, anstatt fünf zu schreiben – dieser müsse jedoch so gut sein, dass er in die Musikgeschichte eingeht. Man müsse auf Überflüssiges verzichten und die Motive aufeinander abstimmen, damit sie einen Wohlklang ergeben und den Hörern gefallen. Alles müsse gut durchdacht werden und einen Wert besitzen. Er riet ferner, nicht dem Stil seiner Heimatregion untreu zu werden. Man müsse aus der Seele schöpfen... Das waren wohl die wertvollsten Ratschläge meines Lehrers
.“

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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