Die bulgarische Wiedergeburt – von der Ikone bis zum weltlichen Portrait

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Zograf Damaskin – Hl. Lukas stellt die Ikone der Allheiligen Gottesmutter vor (links) und Nikolaj Pawlowitsch – Portrait eines Mädchens

Die von Gott geführte Hand des unbekannten Malers, der im Jahre 1259 die Kirche von Bojana mit Fresken schmückte, hat die Gesichter der Heiligen so dargestellt, als ob das ihnen entströmende Licht die Dunkelheit des Mittelalters zu verscheuchen suchte. Wenn sich Bulgarien erfolgreich den eindringenden osmanischen Heerscharen widersetzt hätte, könnte es heute stolz verkünden, dass in Bulgarien des 13. Jahrhundert mit den Wandmalereien einer kleinen Kirche die europäische Renaissance geboren wurde...

Zograf Damaskin aus Elena – Gottesmutter mit Jesuskind











Alexander Zograf aus Jambol – Hl. Spyridon mit Vita


Die bulgarische Widergeburt setzte nach mehreren Jahrhunderten osmanischer Fremdherrschaft ein. Zusammen mit dem wirtschaftlichen Erstarken der unterjochten bulgarischen Bevölkerung begann eine geistige Rezeption der europäischen Renaissance und eine gesellschafts-politische Entwicklung der bulgarischen Nation. Die Kunst der Bulgaren jener Epoche atmet das Bestreben, das in den Jahrhunderten Versäumte nachzuholen.

Stanislaw Dospewski – Jesus-Kopf











Zahari Zograf – Portrait eines Mädchens

Wir dürfen nicht darunter leiden, dass wir uns verspätet haben, denn wir haben immerhin eine bemerkenswerte Wiedergeburt erfahren“, sagt Dorothea Sokolowa, Kuratorin einer Ausstellung, die Kunstwerke der bulgarischen Wiedergeburtszeit vorstellt. „Diese Epoche ist prächtig und ästhetisch zugleich – vom Kopfsteinpflaster, den ausladenden Dächern, den Häusern mit ihrer reichen Innenausstattung über die Menschen und ihre Kleidung bis hin zur Kunst und den Kirchen. Es ist wahrlich ein Wunder, wie es unsere Vorfahren vermocht haben, sich auf so vielen Gebieten zu verselbstständigen. Dem gebührt Achtung. Aus diesem Grund müssen wir diese Periode auch schätzen und lieben, auch wenn sie teilweise naiv anmutet. Diese Naivität verleiht dieser Kunst jedoch eine besondere Farbe.“

Christo Stantschew – Portrait einer Frau












Christo Zokew – Mariä Himmelfahrt


Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Gründer etlicher Malschulen, wie die von Trjawna, Bansko und Samokow, in den Klöstern des Heiligen Berg Athos angelernt. Sie begannen in ihrer Heimat ihre Erfahrungen an ihre Nachkommen und Schüler weiterzugeben, die ihrerseits die Kirchen und Klöster Bulgariens neu mit Fresken schmückten. Der Bau neuer Kirchen und der Wiederaufbau verfallener Gotteshäuser förderte das Aufblühen des Gewerbes der Zografen (zu Deutsch Ikonenmaler), die wegen ihrer meisterhaften Kunstwerke zu angesehenen und wohlhabenden Mitbürgern wurden.

Stanislaw Dospewski – Die Barmherzige Gottesmutter, Zahari Zograf – Hl. Tryphon und Petar Dimitrow – Gottesmutter mit Jesuskind

In der Ausstellung zeigen wir Werke fast aller wichtigen Ikonenmaler, nicht nur der ältesten Generation der Wiedergeburtszeit, sondern auch ihrer Nachfahren, von denen die jüngsten bereits eine akademische Ausbildung erfahren haben“, erzählt weiter die Kuratorin Dorothea Sokolowa. „Nennen will ich Stanislaw Dospewski, Sohn von Dimitar, genannt der Ikonenmaler. Dospewski wurde in Sankt Petersburg ausgebildet und hat die Traditionen der Malschule von Samokow fortgesetzt, betätigte sich aber bereits als weltlicher Maler. In der Ausstellung werden auch Künstler aus der Stadt Elena vorgestellt.

Ioanikij Papa Witanow – Synaxis der Erzengel










Papa Witan aus Trjawna – Gottesmutter mit Jesuskind


Auch aus der Malschule der Stadt Tetewen sind frühe weltliche Maler bekannt, die eine akademische Ausbildung an europäischen Kunstakademien erhalten haben und das dank der Unterstützung reicher Mitbürger. Unter diesen Malern ist Iwan Dimitrow, der an der „Ecole des beaux-arts“ in Paris studiert hat.

Zahari Zograf und Stanislaw Dospewski – Portraits von Hristiania Zografska

Unter den frühesten weltlichen Malern sind Stanislaw Dospewski und Nikolaj Pawlowitsch zu nennen, der im Gegensatz zu Dospewski, der in Sankt Petersburg gelernt hat, in Wien und München ausgebildet wurde. Sie haben als erstes die Portraits bedeutender Mitbürger gemalt und dann ihre eigenen Verwandten portraitiert“, erzählt die Kuratorin der Ausstellung. „Dimitar Dobrowitsch hat seinerseits in Rom studiert, wo er vollständig zum dort üblichen Malstil überging. Christo Zokew wiederum lernte in Moskau bei den sogenannten „Predwischniki“ – den „Wanderern“. In die Ausstellung wurden ferner Werke von Konstantin Welitschkow aufgenommen, der einen großen Beitrag zur Schaffung der Kunstakademie in Bulgarien geleistet hat. Er studierte Malerei in Florenz und war eine Zeitlang als freischaffender Maler tätig. Von ihm stammt das Werk „Briefe aus Rom“, das in Bulgarien das erste Buch über die europäische Kunstgeschichte ist.

Stanislaw Dospewski – Portrait von Domnika Lambrewa und Iwan Dimitrow – Portrait eines Kindes

Die weltlichen Maler haben uns eine reiche Galerie mit Portraits bedeutender Persönlichkeiten hinterlassen, darunter auch vom Nationalhelden Wassil Lewski. Sie haben ferner nicht nur Ereignisse aus der bulgarischen Geschichte gemalt, sondern weiterhin auch Ikonen, in denen sie die alten Traditionen früherer Generationen durch das Prisma der europäischen Malerei brachen.

Dimitar Dobrowitsch – Portrait von Evgeni Bulgaris und Christo Zokew – Portrait von Marijka Widinliewa

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: Diana Zankowa

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