Wissenschaft unterstützt Unternehmer mit Heilpflanzen-Know-How

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Foto: capital.bg

Unser Land ist an Heil- und Aromapflanzen besonders reich gesegnet. Wissenschaftler wollen den Kleinunternehmern in Bulgarien nun die Hand reichen und ein ehrgeiziges Projekt zur nachhaltigen Nutzung solcher Pflanzen erstellen. Zu diesem Zweck soll in Bulgarien unter Zuhilfenahme von EU-Mitteln ein Kompetenzzentrum eingerichtet werden, wo mehrere Institutionen zusammenarbeiten werden, darunter das Institut für Organische Chemie an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, die Sofioter Universität „Hl. Kliment von Ohrid“ und ein niederländischer Forschungskomplex.

Bulgarien gehört zu den europäischen Ländern mit einer besonders reichen Pflanzenartenvielfalt. Leider führt es aber den Großteil dieses Pflanzenreichtums in Form von Rohmaterial aus, was der Wirtschaft schadet. Deshalb machen sich viele Wissenschaftler Gedanken, wie man Bedingungen für die Verarbeitung von Heil- und Aromapflanzen durch Kleinunternehmen hier vor Ort schaffen könnte. Wie sich herausgestellt hat, können auch aus der sogenannten Restbiomasse nützliche Stoffe extrahiert werden, die in Kosmetika, Medikamenten und Nahrungsmitteln Einsatz finden können. Von ungefähr 4.000 Kräutern und sonstigen Pflanzen, die in Bulgarien gedeihen, könnten ca. 700 dafür in Frage kommen.

Foto: orgchm.bas.bgWir verfügen über eine Menge an Heil- und Aromapflanzen, die zum Großteil auch jetzt verwertet werden“, sagt der Projektleiter, Prof. Wladimir Dimitrow vom Institut für Organische Chemie bei der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. „Wir richten unseren Fokus aber auf die Gewinnung von bioaktiven Komponenten, die vorbeugend wirken und die Lebensqualität steigern können. Durch neue Technologien wollen wird Prototype von Endprodukten schaffen und sie bulgarischen Kleinunternehmen anbieten. Derzeit werden die ätherischen Öle, die aus Rosen, Lavendel, Melisse, Kamille etc. gewonnen werden, größtenteils exportiert und die verbleibende Restbiomasse wird nicht weiter verarbeitet. Deshalb haben wir uns zur Aufgabe gestellt, sie zu verwerten, weil sie aktive Komponenten enthält.

Aus der nach der Destillierung von Rosenöl verbleibenden Biomasse können beispielsweise viele wertvolle Stoffe isoliert werden.

Die Rückstände nach der Destillation von Rosenöl enthalten etliche Verbindungen, die starke antioxidative und gesundheitsfördernde Eigenschaften haben und in der Heilkosmetik sowie in Arzneimitteln eingesetzt werden können“, erklärt Prof. Dimitrow. „Auch die Restbiomasse nach der Gewinnung von Melissenöl ist reich an vielen wertvollen Ingredienzen – beispielsweise an Rosmarinsäure. Indem eine Technologie zur Extraktion solcher Komponenten entwickelt wird, wird ein Produkt mit hohem Mehrwert entstehen, dass in sogenannten Nutrazeutika (d.h. Nahrungsergänzungsmitteln mit gesundheitlich relevanten Effekten) und in anderen Heilmitteln Anwendung finden kann. Aus den Rückständen der Lavendelölproduktion können Substanzen gewonnen  werden, die Funktionsnahrungsmitteln zugegeben werden. Diese besitzen nicht nur eine Heilwirkung, sondern dienen maßgeblich der Vorbeugung von Krankheiten“, erläutert Prof. Wladimir Dimitrow.

Er ist zuversichtlich, dass das Projekt durch die Entwicklung von innovativen gesunden Produkten und durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze die Lebensqualität der Menschen vor Ort verbessern wird.

Es besteht großes Potential“, ist der Wissenschaftler überzeugt. „Derzeit fällt die Verarbeitung bulgarischer Heil- und Aromapflanzen vernichtend klein aus. Wir führen unsere Kräuter vornehmlich aus. Jedes Jahr werden 17.000 Tonnen Heilkräuter exportiert. Unsere Erfindungen sollen aber neue Anwendungsmöglichkeiten und Märkte für die heimischen Heilpflanzen erschließen. Unser Wunsch ist es, den Prototyp eines Produkts auszuarbeiten, mit dem kleine Unternehmen Marktforschungen anstellen können, vor allem im Ausland und falls Interesse vorhanden ist - zu investieren.

Das dreijährige Projekt „Nachhaltige Nutzung von Bioressourcen und Resten von Heil- und Aromapflanzen für innovative bioaktive Produkte“ ist im Wert von 24 Millionen Lewa (ca. 12 Mio. Euro). 85 Prozent der Ausgaben dafür werden vom EU-Programm „Wissenschaft und Ausbildung für ein intelligentes Wachstum“ übernommen. Die erste Aufgabe nach Projektstart wird es sein, die Labore der Wissenschaftler mit neuen Apparaturen auszustatten, denn dieser sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt alles andere als modern.

Übersetzung: Rossiza Radulowa

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