Die eingemeißelten Geheimnisse in den Felsen bei Dazhdowniza

Die Nischen sind in 50 m Höhe in den Felsen eingemeißelt.

Die geheimnisvollen Nischen, die vermutlich schon in der Antike in den Felswänden der östlichen Rhodopen eingemeißelt worden sind, ziehen seit über einem halben Jahrhundert das Interesse von Archäologen und Hobby-Forschern an und werfen auch heute noch viele Fragen bezüglich der Datierung und ihrer Bestimmung auf. Allein die Tatsache, dass sie sich an schwer zugänglichen Stellen befinden und viel Arbeit erforderlich war, um sie zu bauen, lässt erahnen, welche Bedeutung sie für unsere Vorfahren hatten und für ihren Wunsch, sie zu erhalten.

„Wahrscheinlich hängen diese Nischen mit dem Glauben an das Leben im Jenseits zusammen“, vermutet Hristo Todew. Von Beruf ist er Wirtschaftsanalyst, von Berufung Alpinist und Forscher, der seit Jahren wilde Gegenden in den östlichen Rhodopen durchforstet, fotografiert, kartographiert und die Felsennischen erforscht, die seiner Ansicht nach in der Zeit vor den Thrakern gemacht wurden, konkret in der Steinzeit. Bisher hat er 3.600 Nischen gezählt, und vermutet, dass es vereinzelt weitere, noch unentdeckte gibt. In der Nähe des Dorfes Dazhdowniza bei Kardschali wurden solche Nischen in 50 m Höhe in den Felsen eingemeißelt.

Die von Hristo Todew beschriebene „ideale“ Nische hat die Form eines Trapezes und ist 70-80 cm hoch, nach innen ist sie tief und breitet sich wie eine Muschel mit idealen Kanten aus. Außer die symbolische Bedeutung könnte die Ausarbeitung einer solchen Öffnung im Felsen auch mit dem Bestreben zusammenhängen, eine akustische Wirkung zu erzielen oder Energien zu bündeln, vermuten Forscher.

An einem Felsen hat Hristo Todew ein Mädchengesicht entdeckt, dass wahrscheinlich durch wenige zusätzliche Handgriffe an der bereits vorhandenen Felsenformation erreicht wurde. Doch damit hören die Geheimnisse nicht auf. Genau unter dem Mädchengesicht in 20 m Höhe über der Erde liegt ein Zimmer im Gestein, das vermutlich auch von Menschenhand gemacht wurde. Das Zimmer ist nur von Hinten durch eine eingemeißelte Öffnung zugänglich. Der gesamte Felsenkomplex ist sehr groß, ungefähr 1,5 km lang, mit zahlreichen trapezförmigen Nischen, Mulden und Senken. Hristo vermutet, dass das steinerne Zimmer mit einem anderen, 40 m hohen Fels, der 1,2 km weit an einem benachbarten Hang liegt, in Verbindung steht.

Eine natürliche, fast 10 m hohe Ritze, die in ihrem breitesten Teil zwei Meter misst, weist ebenfalls Spuren von Handarbeit auf.

Es macht Eindruck, dass die Sonne in den verschiedenen Monaten des Jahres durch dieses „Fenster“ im Felsen den Felsenkomplex in eine unterschiedliche Weise das Mädchengesicht erreicht.

„Als ich die Koordinaten in spezialisierten Internetseiten und durch zusätzliche Messungen und Berechnungen eingegeben habe, konnte ich feststellen, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass der Sonnenstrahl am 21. Dezember, dem kürzesten Tag im Jahr, direkt das Felsenzimmer im Komplex bei Dazhdowniza erreicht – genau um 16.27 Uhr oder 25-30 Minuten vor Sonnenuntergang“, berichtet Hristo Todew.

Diese Entdeckung erlaubt dem Forscher diesen Ort nicht nur als Kultkomplex mit trapezförmigen Nischen zu betrachten, sondern auch als Objekt, der uns Auskunft darüber gibt, welche präzisen astronomischen Kenntnisse die Menschen aus der Steinzeit hatten, die in dieser Gegend gelebt haben.

„Ich bin geradezu überwältigt vom Maßstab dieses gigantischen Felsenkalenders“, gibt Hristo Todew zu. „Die Menschen hatten absolut exakte astronomische Kenntnisse und einen sehr genauen Kalender. Ich bin inzwischen absolut überzeugt, dass die Zeichen, die im Komplex bei Dazhdowniza hinterlassen wurden, einen astronomischen Zweck zu erfüllen hatten“.

Ein weiteres wichtiges Element in diesem Komplex ist ein Kreuz, dass an einer hoch gelegenen ebenen Stelle in den Felsen eingemeißelt wurde und nur geringfügige Abweichungen von 2-3 cm von den Himmelsrichtungen aufweist.

Die Felsen bei Dazhdowniza sind wie ein offenes Buch, das gelesen werden will, um die lange gehüteten Geheimnisse zu lüften.

Übersetzung: Georgetta Janewa

Fotos: Privatarchiv

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