Glückspiele machten im vergangenen Jahr 49 Bulgaren zu Millionären

Foto: dnevnik.bg

Zum ersten Mal waren die Glückspielbetreiber in Bulgarien in diesem Jahr verpflichtet, dem Steueramt nähere Informationen über die Gewinnausschüttung und die Gewinner bei Gewinnen über umgerechnet 2.500 Euro zu erteilen. Die Nachrichtenagentur Mediapool kommentierte in Berufung auf die offiziellen Angaben, dass der Glücksspielbetrieb in Bulgarien erhebliche Einnahmen realisiere, wobei im vergangenen Jahr Gewinne in Höhe von insgesamt 314 Millionen Euro an 13.447 Bulgaren ausgezahlt wurden.

Hält man sich vor Augen, dass die Lotterie-Betreiber gesetzlich dazu verpflichtet sind, mindestens die Hälfte ihrer Einnahmen in Form von Gewinnen auszuschütten, können die Umsätze leicht errechnet werden. Betreiber von Toto, Zahlen-Lotto und andere Lotteriespiele haben im vergangenen Jahr insgesamt rund 500 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt.

2017 wurden in Bulgarien 49 Personen dank der Glücksgöttin zu Lewa-Millionären, d.h. jeder von ihnen hat mindestens eine halbe Million Euro aufs Konto überwiesen bekommen. Der größte Glückspilz hat einen Gewinn von 5.018.498 Euro eingestrichen. Aus den offiziellen Angaben geht jedoch nicht hervor, in welcher Spielart der Gewinn gemacht wurde. Der zweithöchste Gewinn betrug 4,04 Millionen Euro und der dritthöchste 2,91 Millionen. Insgesamt 80 Bulgaren haben Gewinne zwischen einer viertel und einer halben Million Euro erzielt. Zwischen 2.500 und 50.000 Euro klingelte in den Kassen von insgesamt 12.395 Menschen.

Die größten Glücksspielbetreiber sind der staatliche „Balgarski Sporten Totalizator“ (zu Deutsch: Bulgarischer Sport Totalisator) und die privaten Firmen, die in Verbindung mit dem Geschäftsmann Wassil Boschkow stehen – die Unternehmen Evrobet, Nationale Lotterie und New Games. Die Nationale Lotterie hat 2017 insgesamt 38 Bulgaren zu Millionären gemacht, während der nationale Sport Totalisator lediglich 4 Menschen reich gemacht hat. Aus diesen Angaben geht hervor, dass Evrobet und New Games keine Millionäre „produziert“ haben.

Die Nationale Lotterie war übrigens der größte Werbung-Auftraggeber auf dem Fernsehmarkt. Laut Angaben der Zeitung „24 Tschassa“ würde sich allein der Jahresvertrag mit Nova TV auf 12,5 bis 15 Millionen Euro belaufen. „Mediapool“ erinnert daran, dass zu Beginn des Frühlings der Vizeministerpräsident Waleri Simeonow legislative Maßnahmen zur Beschränkung der Glücksspielwerbung vorschlug, um der Lotto-Manie einen Riegel vorzuschieben, die in den letzten Jahren in Bulgarien wütet. Tausende arme Bulgaren geben selbst ihr letztes Kleingeld für Wettspiele aus, in der Hoffnung auf einen Gewinn, der ihr Leben erleichtern könnte. Besondern auf den Dörfern sind etliche Jugendliche ganz und gar den Glücksspielen verfallen. Simeonow stieß jedoch auf den heftigen Widerstand der Glückspiel-Lobby, namentlich der Vereinigung der Arbeitgeber und Industriellen Bulgariens, des Bulgarischen Fußballverbandes und etlicher Fußballklubs, die von den Glücksspiel-Bossen reichlich finanziell gestützt werden. Im Ergebnis scheiterte der Gesetzesentwurf von Simeonow, denn die Abgeordneten beschlossen, dass das Gesetz zur Begutachtung der Europäischen Kommission vorgelegt werden soll. Damit liegt es für mindestens etliche Monate auf Eis. Zwischenzeitlich hat sein italienischer Amtskollege von der Partei „MoVimento 5 Stelle“, Luigi Di Maio, es geschafft, nicht nur ein Verbot der Glücksspielwerbung, sondern auch der finanziellen Unterstützung von Sportklubs aus Wettspielen zu erwirken, vermerkt „Mediapool“.

Zusammengestellt von: Stoimen Pawlow

Übersetzung: Wladimir Wladimirow

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