Die zweite Ausgabe des Jazz-Festivals in Plewen – eine Kompilation aus freier Musik und modernem Jazz

Foto: Albena Besowska

Obwohl das „Herbst-Jazz-Festival“ erst seit kurzem existiert, reiht es sich erfolgreich unter die internationalen Foren in unserem Land ein. Die Selektion wurde bei beidem Ausgaben des Festivals von der Plattform des BNR „Alarma Punk Jazz“ getroffen, hinter der der Moderator der gleichnamigen Sendung Zwetan Zwetanow steht. Seine Vorhaben dabei ist, die Wurzeln freien Musizierens und die modernen Strömungen im Jazz aufzudecken. Organisator des Events ist die Gemeinde Plewen, die auch die finanziellen Mittel dafür aufbringt. Traditionsgemäß wird jeder Festivalabend mit Musik und Gesprächen eingeläutet, die im BNR über das mobile Studio gesendet werden, unweit der offenen Bühne im Hof des Regionalen Geschichtsmuseums.

„Das Festival wurde voriges Jahr zum ersten Mal veranstaltet“, erzählt Zwetan Zwetanow. „Davor gab es das Festival „Jazz in der Galerie“, das ebenfalls von der Gemeinde Plewen finanziert wurde und von Gergana Botschewa initiiert wurde. Sie hat auch das Kulturzentrum „Kaffee-Haus“ geschaffen – ein Ort, der den Geist fortschrittlich denkender Menschen widerspiegelt. Allmählich ist dann die Idee von einem dreitägigen Open-Air-Festival herangereift. Seine erste Ausgabe war extrem erfolgreich und bereits am Tag, als es zu Ende ging habe ich den Co-Organisatoren einen Teil der Musiker vorgeschlagen, die in diesem Jahr gespielt haben.“

Die zweite Ausgabe des „Herbst-Jazz-Festival“ wurde von einem internationalen Trio eingeläutet. Der Bassist Wassil Hadschigrudew erzählt:

„Wir nannten unser Trio „Hako’s“ – nach den ersten Silben unserer Familiennamen – Hadschigrudew, Lav Kovac (Perkussion) und Enrike Oliveri (Saxophon) sowie Julian Sanchez (Trompete), der sich an unserem ersten Album beteiligt hat. Später wurde der Name in „Hako“ transformiert. In der Sprache eines Indianerstammes bedeutet dieses Wort „Welterschaffung“ und das korrespondiert bestens mit unseren musikalischen Ideen. Wir performen Autorenmusik, geben Konzerte in Bulgarien, Spanien und reisen jetzt nach Serbien, wo wir unser zweites Album aufnehmen werden. Mit Lav haben wir zur selben Zeit in den Niederlanden studiert. Danach bin ich nach Spanien gezogen, wo ich Enrike kennengelernt habe. Ich spürte, dass wir gut zusammenpassen und so wurde unsere Band gegründet.“

Nach dem Auftritt von „Hako“ erntete auch das Trio von Mamadou Diabaté aus Burkina Faso großen Publikumsapplaus. Der Perkussionist, Sänger und Komponist Mamadou Diabaté lebt seit Jahren in Wien. 2007 gab er sein erstes Konzert in Bulgarien. Nach ihrer attraktiven Performance in Plewen flog seine Gruppe zu einer kreativen Visite in die USA.

Während des Festivals spielten auch zwei Formationen von Rossen Sachariew – „Metaformoza“ und „Fly Me To The Moon“. Letztere wurde vor zehn Jahren ins Leben gerufen. „Obwohl die Musiker zuweilen wechseln, ist die Idee von Freiheit und Flug unverändert geblieben“, sagt Rossen Sachariew. Er spielt auf der Trompete, dem Flügelhorn und auf unterschiedlichen Schlaginstrumenten.

„Der in Mittelamerika verbreitete Güiro ist ein Perkussionsinstrument, das zuweilen den Eindruck weckt, als würde es sprechen“, erklärt Rossen Sachariew. „In dieser Gruppe kommt es aber immer zu „Gesprächen“. Ich verwende außerdem marokkanische Kastagnetten, Panflöte, die sich im Kreise dreht und auch eine Sirene – alles Instrumente, die mir dabei helfen, mich „in die Lüfte zu schwingen“. Ich bin nach unterschiedlichen Klängen aus. Die westeuropäische Musik ist als Ganzes ziemlich „limitierend“. Falls man zwischen den Intervallen spielt, entstehen Mikrotöne und man betritt eine Welt, die sich auf etlichen Ebenen vor einem auftut. Ich stehe seit geraumer Zeit unter dem Einfluss der afrikanischen Musik. Diesen Sommer hatte ich mehrmals die Möglichkeit, zusammen mit Ayune Sule zu musizieren, was für mich eine sehr wertvolle und bereichernde Erfahrung ist.“

Ayune Sule ist ein origineller Musiker aus der KING AYISOBA & BAND aus Ghana, die als letzte während des Festivals aufgetreten ist und am darauffolgenden Tag ein Konzert im 1. Studio des Bulgarischen Nationalen Rundfunks gab.

Ein absoluter Treffer in der Sparte Ethnomusik war das Konzert der Klarinettistin Ilire Avdiu, die auf Einladung von Zwetan Zwetanow und der Vereinigung „Balkans – Ways to Friendship“ in Bulgarien weilte. Sie kommt aus Pristina, der Hauptstadt des Kosovo und ihre Kompositionen fußen auf der heimatlichen Folklore. Hier stellte sie ihr Album „Nacht in Pristina“ vor, das sie zusammen mit Kollegen aus Pristina aufgenommen hat. Auf der Bühne in Sofia, wo sie vor dem Festival ein Konzert gegeben hat und auch in Plewen spielte sie zusammen mit Stanislaw Arabadschiew (Klavier), Michail Iwanow (Bass) und Stefan Goranow (Schlagzeug). „Ich wusste vor meiner Ankunft kaum etwas über Bulgarien. Überrascht bin ich von der Herzlichkeit der Menschen hier und dem begeisterten Publikum auf beiden Konzerten. Ich bereite derzeit mein zweites Album vor und würde es sehr gern auch in Ihrem Land vorstellen“, sagte Ilire Avdiu.

Im Rahmen des „Herbst-Jazz-Festivals“ wurde auch ein Atelier für afrikanische Tänze mit organisiert, das von Kindern und Erwachsenen besucht wurde. Sie wurde sogar eingeladen, afrikanischen Tanzunterricht in Plewen zu geben.

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Die hübsche Tänzerin gehört zu den Organisatoren eines Festivals, das der afrikanischen Kultur in Sofia gewidmet ist. Außerdem erzählte uns Maria Kossa, dass sie seit kurzem in Weliko Tarnowo unterrichtet.


Übersetzung: Rossiza Radulowa

Foto: Privatarchiv


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