Bulgarisches Gymnasium in Bolgrad feiert 160 Jahre seit seiner Gründung

Die Idee zur Einrichtung eines bulgarischen Gymnasiums in Bessarabien stammt vom ukrainischen Slawisten, Folkloristen, Ethnographen und Philologen Jurij Venelin (1802-1839), der vor allem mit seinen Forschungen zur Sprache, Geschichte und Kultur des bulgarischen Volkes bekannt ist. 1832 schlug er in Bolgrad die Eröffnung einer Hauptschule und eines Nationalen bulgarischen Museums vor. Doch erst 1858 konnte sein Vorschlag verwirklicht werden, als der türkische Sultan zum Verwalter Moldawiens Fürst Nikola Bogoridi ernannte. Bogoridi ist von der Abstammung her Bulgare – ein Urenkel des bedeutenden bulgarischen Klerikers der Wiedergeburtszeit Sophronius von Wratza. Er ermöglichte die Gründung des bulgarischen Bolgrader Gymnasiums „Hll. Kyrill und Methodius“. Einen Beitrag dazu leistete der bulgarische Schriftsteller und Revolutionär Georgi Rakowski, der ein Bekannter des Fürsten war und sich zu jener Zeit in Moldawien aufhielt, um die Einrichtung einer bulgarischen Druckerei zu erwirken.

СнимкаDas bulgarische Gymnasium in Bolgrad verwandelte sich schnell in eines der bedeutendsten Kultur- und Bildungseinrichtungen der Bulgaren vor der Befreiung des Landes von der türkischen Fremdherrschaft 1878. Die ersten Lehrprogramme enthielten die Fächer Französisch, Lateinisch, Deutsch, Bulgarisch und verschiedene andere slawische Sprachen, ferner Rumänisch, Geschichte, Mathematik, Kunsterziehung, Astronomie u.a. Unterrichtet wurde einzig in bulgarischer Sprache.

Im Jahre 1999 wurde das Gymnasium umbenannt und erhielt den Namen des bulgarischen Revolutionärs, Ideologen, Politiker, Schriftsteller, Aufklärer und Aktivisten der bulgarischen nationalen Wiedergeburt Georgi Sava Rakowski.

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Das Gymnasium hat in all den Jahren seines Bestehens eine bedeutende Rolle im Erhalt des nationalen Selbstbewusstseins der Bulgaren in Bessarabien gespielt, besonders im ausgehenden 19. Jahrhundert. Ausgebildet wurden etliche Intellektuelle, die nach der Neugründung des bulgarischen Staates Beachtliches geleistet haben.

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In unseren Tagen gehört das Gymnasium zur den renommiertesten Lehreinrichtungen im Süden der Ukraine. Das Gymnasium wird von 430 Schülern besucht; im September wurden 60 Kinder eingeschult. Den Schülern steht modernste Ausbildungstechnik zur Verfügung und seit einiger Zeit besteht auch ein neues Kabinett zur Fernausbildung.

Zusammenfassung: Dessislawa Semkowska

Übersetzung: Wladimir Wladimirow

Fotos: blgari.eu, trassae95.com und Privatarchiv

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