115 Jahre Sofioter Priesterseminar

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2018 begeht das orthodoxe Priesterseminar in der bulgarischen Hauptstadt Sofia 115 Jahre seit seiner Gründung. Als es 1903 auf einem von der Gemeinde Sofia geschenktem Grundstück errichtet wurde, setzte es die Traditionen der alten geistlichen Schule von Samokow fort. Die Schüler erhalten im Priesterseminar eine Gymnasialausbildung und lernen neben den herkömmlichen Schulfächern Theologie und Kirchenkunst; sie erwerben sich Kenntnisse über den Kirchenalltag und verschiedene Fähigkeiten in Kirchengesang und Malerei an. Die Ausbildung wurde auch in schwierigen Zeiten, wie z.B. des atheistischen kommunistischen Regimes fortgesetzt und Geist und Traditionen der orthodoxen Werte wurden aufrechterhalten. 1950, wenige Jahre nach Machtergreifung der Kommunisten in Bulgarien wurde das Gebäude des Priesterseminars enteignet und als Pionierpalast umfunktioniert; die geistliche Schule musste in das Kloster von Tscherepisch ausgelagert werden, wo sie bis zur Wende zur Demokratie verblieb und erst 1990 zurückkehren konnte.

Jeder, der in jenen schweren Jahren das Priesterseminar besuchte, war gebranntmarkt. Die Macht suchte stets nach Möglichkeiten, die Zöglinge unserer Schule zu schikanieren“, erzählt für das Inlandsprogramm „Horizont“ des Bulgarischen Nationalen Rundfunks der Rektor des Priesterseminars Archimandrit Pachomios. „Den Eltern der Kinder wurde gedroht, dass sie nach ihrem Abschluss keine Arbeit finden und ständig einer Verfolgung ausgesetzt sein werden. Es gab jedoch viele, die diesen dornigen Weg nicht scheuten. Seit der Gründung der christlichen Kirche gibt es bis heute Kräfte, die gegen sie ankämpfen; doch umso mehr sie es tun, desto größer wurde und wird die Zahl der Gläubigen.

In unseren Tagen ist das Interesse an einer geistlichen Ausbildung nicht besonders groß. Liegt das an den langen Jahren der atheistischen Herrschaft oder der zunehmenden Konsumsucht, die das Wertesystem des Menschen verändert?

Wir leben in einer Zeit, die es den jungen Menschen nicht leicht macht“, meint Archimandrit Pachomios. „Es gibt viele Hürden, die die Jungend vom Weg der Wahrheit abbringen können. Der Glauben ist eine ganz persönliche Entscheidung – ein Geheimnis zwischen Mensch und Gott. Es passiert im Herzen! Wir in unserer Schule vermitteln das Wissen über Gott. Wir können den Schülern nicht den Glauben einimpfen!

Trotz aller Schwierigkeiten vermag es das Lehrerteam des orthodoxen Priesterseminars in Sofia, den Glauben der Schüler zu stärken und ihnen beizubringen, die geistige Flamme in den Seelen zu nähren. Seit über 100 Jahren bewahrt das Priesterseminar die Traditionen der moralischen und religiösen Erziehung seiner Schüler. Momentan werden 100 Jungen ausgebildet; doch im neuen Schuljahr konnten lediglich 15 neue Schüler eingeschrieben werden.

Wichtig ist, dass sie aus freien Stücken, mit aufrichtigem Herzen und ohne Zwang zu uns kommen“, betont der Rektor des Sofioter Priesterseminars und setzt fort: „Die Schüler sind bei uns ganztägig, die ganze Woche über, so dass wir nicht nur ihre Ausbildung, sondern auch ihre Erziehung übernehmen und entsprechend in die Rolle ihrer Eltern schlüpfen. Unsere Schule bietet ausgezeichnete Bedingungen – wir haben einen Park, in dem man Erholung finden kann; es wird aber auch mitten in der Natur unterrichtet. Außerdem stellen wir unentgeltlich Lehrbücher zur Verfügung sowie eine kostenlose Speisung und Unterkunft. Nur wenige Ausbildungseinrichtungen können das bieten. Wichtig ist natürlich, die Regeln des Priesterseminars einzuhalten, die in den Jahren gute Ergebnisse gezeitigt haben. Aus diesem Grund halten wir an den Traditionen fest, die für die Kinder gut und nützlich sind.

Laut den Schülern Anton und Assen würden die strengen Regeln den Geist erziehen: „Die Lehrer üben keinen Druck aus; sie sind sehr sorgsam und wir leben wie in einer großen Familie“, meinen beide Schüler. Sie würden über zureichend Freizeit verfügen, Fußball spielen und häufig auch ihre Eltern besuchen. Einer ihrer Lehrer, Priestermönch Meletius, fügt hinzu:

Hinter all den Schwierigkeiten, mit denen die jungen Menschen von heute konfrontiert werden, wie Abhängigkeiten u.a., steht das Problem, dass sie keinen Sinn im Leben entdecken. Im Priesterseminar versuchen wir, eine Verbindung zwischen ihrem Leben und den Sinn ihres Daseins zu schaffen, der für uns Jesus Christus ist. Das eröffnet große Perspektiven.

Das Gros der Menschen meint, dass die Absolventen des Priesterseminars unbedingt Geistliche werden. Die Schüler erhalten jedoch auch eine weltliche Ausbildung und vor allem „eine gediegene klassische Ausbildung“, unterstreicht abschließend der Rektor des Priesterseminars Archimandrit Pachomios.

Zusammenfassung: Darina Grigorowa

Deutsche Fassung: Wladimir Wladimirow

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