Im Dorf Kossowo scheint die Zeit stillzustehen

Die Jahreszeiten wechseln einander ab, die Natur ihre Farben. Von der Last der Alltagssorgen erdrückt, verlieren immer mehr Menschen den Bezug zur Natur, was ihre Seelen verkümmern lässt. Die Flucht aus den Fesseln der materiellen Welt, sei es auch für einen einzigen Tag, bewirkt Wunder, denn sie lässt die innere Ruhe wieder zurückkehren, jene Ruhe, die es in keinem Geschäft der Welt zu kaufen gibt und die nur dort existiert, wo die Zeit still zu stehen scheint. Im bulgarischen Rhodopengebirge gibt es solche Orte und eines davon ist Kossowo, 50 km südlich von Plowdiw.

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Dieses Dorf hat sein Aussehen aus der Zeit der Bulgarischen Wiedergeburt 18./ 19. Jh. erhalten, als es noch ein lebendiger und blühender Ort war. Heute leben nur etwa 10 Leute dort“, erzählt Alexandra Georgiewa.

Die alten, mit Steinplatten bedeckten Häuser sehen genauso wie vor 200 Jahren aus, ebenso wie die mit Kopfstein gepflasterten Gassen. Im Dorf existiert nur eine einzige asphaltierte Straße. Die schmalen Wege zwischen den Häusern sind ortsweise mit Gräsern bewachsen.

Das Dorf Kossowo liegt an den Abhängen zwischen vier Flüssen verstreut. Das Plätschern des Wassers ist überall zu hören. Ansonsten ist es ruhig und still. Die Häuser schmiegen sich sanft der Natur an und malen ein pastorales Bild. Fließend ist auch der Übergang des Dorfs in den Wald.

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Diese anheimelnde Atmosphäre lockt viele Menschen an, die die Stille bevorzugen und nach Möglichkeit suchen, ihre Sinne nach innen zu kehren.

50% der Touristen im Sommer sind Ausländer“, berichtet Alexandra Georgiewa. „Auch zahlreiche im Ausland lebende Bulgaren kehren jeden Sommer hierher zurück. Unter ihnen sind auch solche, die sich alte Häuser gekauft haben und sie jetzt restaurieren. Sie achten strikt auf die Erhaltung der Ursprünglichkeit, modernen Bauten soll es hier nicht geben, um die Idylle nicht zu zerstören. Eine Familie hat sogar vor, im Dorf sesshaft zu werden.

Dieser Ort inspiriert auch Künstler. Die Schönheit der Landschaft fordert sie geradezu heraus, den Augenblick in einem Kunstwerk festzuhalten.

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Im Dorf werden verschiedene Erlebnisevents organisiert, eine Symbiose aus Kunst, Sport und Relax“, erzählt Alexandra Georgiewa. „Auch die Gourmets und insbesondere die Liebhaber von Naturnahrung kommen auf ihre Kosten. In der Region werden viele Nahrungsmittel produziert, die Kräuter und Pilze in den umliegenden Wäldern gesammelt, das Brot im Nachbardorf Hwojna gebacken. Im Sommer wird die Milch direkt von den Schafshirten gekauft und zu Joghurt und Käse verarbeitet. Organisiert werden auch Yoga-Kurse.

Beliebte Ausflugsziele in der Umgebung sind die verschiedenen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten, darunter das Batschkowo-Kloster und die Assenow-Festung. Rund 1,5 Stunden Fahrt vom Dorf Kossowo entfernt, liegt der für die orthodoxen Christen heilige Ort Krastowa Gora (zu Deutsch Kreuzwald) und in einer Entfernung von 30 km die Felsformation „wundersame Brücken“. Die warmen Mineralwasserquellen bei Naretschen, etwa 7 km von Kossowo, laden zum Verweilen ein.

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Das Klima ist angenehm kühl im Sommer und mild im Winter. Eisige Kälte und Schneestürme sind äußerst selten, weshalb der Ort sich in jeder Jahreszeit hervorragend zur Erholung eignet. Lediglich in den kältesten Wintermonaten hat der Komplex Kossowo geschlossen.

Übersetzung: Georgetta Janewa

Fotos: selokosovo.com

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