Der Maler Vassil Goranov und die von ihm wiederbelebte bulgarische Geschichte

„Der Maler Vassil Goranov ist eine glückliche Ausnahme, weil er dazu veranlagt ist, die Geschichte zu spüren und ihre Schlüsselereignisse und Helden meisterhaft wiederzugeben, indem er das geschriebene Wort der Chroniken mit der Kunst des Pinsels ergänzt.“ Das sagte über Vassil Goranov der bulgarische Historiker Prof. Georgi Markow.

Das Interesse an der Geschichte wurde in einem Gespräch mit einer Gruppe Kinder vor etwa 10 Jahren wach. Goranov fragte die Kinder ob sie wüssten, wer Wassil Iwanow Kuntschew ist. So lautet nämlich der Geburtsname des bulgarischen Nationalhelden Wassil Lewski. Von 10 Kindern wusste nur eines die richtige Antwort. Totale Unwissenheit bemerkte Goranov auch als die Namen weiterer bedeutender Persönlichkeiten der bulgarischen Wiedergeburt, wie Sachari Stojanow und Christo Botew fielen.

Wassil Lewski und Christo Botew

Das brachte mich zur Einsicht, dass den Menschen in Bulgarien der richtige Weg aufgezeigt werden muss“, erzählt der Maler. „Wir besitzen eine ruhmreiche Geschichte und bedeutende Persönlichkeiten, die für den Zuschauer von heute richtig aufbereitet werden müssen. Jedem ist klar, dass sich die Welt verändert. Ich beschloss einige der bedeutenden und ruhmreichen Augenblicke unserer Jahrhunderte alten Geschichte in Bildern festzuhalten, vor allem, um das Selbstbewusstsein der Bulgaren zu heben.“

Die Bilder von Vassil Goranov im Stil der historischen Romantik haben Eingang in die Geschichtslehrbücher gefunden, schmücken Kalender und dienen zur Illustration von wissenschaftlichen Arbeiten. Ist das die Art und Weise, wie die Werke zeitgenössischer Künstler die Kinder und das breitere Publikum erreichen können?

Als Kind sah so für mich die Geschichte aus. Die eine Seite ist das Lesen und Einprägen von Ereignissen und Jahreszahlen, die andere ist das sich Hineinversetzen in die jeweilige Epoche mittels farbigen Bildern. Und darin besteht auch das Ziel solcher Bilder, besonders heute, wenn die Menschen weniger Zeit haben, sich intensiv mit einem geschichtlichen Ereignis auseinanderzusetzen. Das Publikum von heute ist sehr intelligent und anspruchsvoll und man muss ihm ehrlich entgegentreten, um eine gleichwertige Reaktion zu erzielen.“

Die Krönung von Simeon dem Großen

Die Bilder von Vassil Goranov bestechen mit realistischer Darstellungsweise und Detailliebe und sind im Grunde genommen das Werk mehrerer Künstler, die in Archiven wühlen und archäologische Ausgrabungen verfolgen, um der historischen Wahrheit so nah wie möglich zu kommen. Häufig werden alte Drucke und Zeichnungen zu Rate gezogen, die noch aus dem Mittelalter stammen.

Auf dieser Grundlage baue ich die heutigen Bildnisse auf. Diese Bilder müssen nicht nur das Selbstbewusstsein stärken und Stimmung machen, sondern auch historisch treu sein. Wir dürfen den Betrachter nicht in die Irre führen – das Darstellen der bulgarischen Geschichte ist in meinen Augen eine verantwortliche Sache. Alles muss so authentisch wie möglich sein.

Die Reitertruppe von Kalojan

Warum gibt es heutzutage keine Volksaufklärer mehr, zumindest im Sinne, in dem wir diesen Begriff benutzen?

Weil die Zeit eine andere ist“, antwortet der Maler. „Die Epochen, in denen Botew und Lewski und all die anderen bedeutenden Persönlichkeiten Bulgariens gelebt haben, unterscheiden sich von der unsrigen. Stellen sie sich eine Welt ohne Radio und Fernsehen vor, eine Welt, in der einzig die Bücher einen Blick nach außen gewähren. Damals war die Rolle der Volksaufklärer noch schwieriger. Heute werden wir mit Information überhäuft und jeder muss selbst entscheiden, was er glauben soll und was nicht. Die Bulgaren sind ein wunderbares und intelligentes Volk, das den Namen seines Landes über Jahrhunderte hindurch bewahrt hat. Heutzutage durchleben wir eine Zeit, in der wir vielleicht etwas verwirrt und uneins sind. Aus geschichtlicher Erfahrung wissen wir jedoch, dass wir einen Ausweg finden werden. Die Bulgaren müssen mit erhobenem Haupt ihren Platz in Europa und der Welt einnehmen. Wir wissen, was man machen muss, um zu überleben und wie man den Herausforderungen der Zeit trotzen kann.

Die Schlacht von Klokotniza

Die Kunst war schon immer jenes Element, das den Ausgleich zwischen Materiellem und Geistigem schafft. Die Kunst schöpft neue Welten und lässt die Menschen in die richtige Richtung denken. Die Geschichte ihrerseits lebt in den Bildern der bedeutenden Künstler auf.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: Privatarchiv

Галерия

mehr aus dieser Rubrik…

Ausstellung „Heureka“ deckt Forschungsgeheimnisse auf

Das Kinderbildungszentrum “Musejko“ zeigt in Plowdiw seine neue Ausstellung „Heureka“. Die Exposition beleuchtet zahlreiche interessante Entdeckungen und Geheimnisse aus der Welt der Wissenschaft und Forschung und kann bis Ende 2019 von den..

veröffentlicht am 20.01.19 um 10:05

„Sofia MENNAR“ zieht erneut viele Filmliebhaber an

In der bulgarischen Hauptstadt findet die 11. Ausgabe des Filmfestivals „Sofia MENAR“ statt. Das Festival wartet in diesem Jahr mit Filmen aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Zentralasien auf. Nach einer sorgfältigen Selektion aus über 1.000..

veröffentlicht am 19.01.19 um 09:35

Der Klang des Holzes in einer sehenswerten Ausstellung im Ethnografischen Museum in Plowdiw

Die kulturellen Errungenschaften der europäischen Zivilisation wurden nach der Befreiung Bulgariens von der türkischen Fremdherrschaft 1878 endlich auch den Bulgaren zugänglich. Die Ausstellung „Der Klang des Holzes“ im Ethnografischen Museum..

veröffentlicht am 15.01.19 um 14:49