Rekordhaushalt für Sofia im Jahr 2019

Foto: Archiv

Die Devise der bulgarischen Hauptstadt lautet: „Wächst, altert aber nicht“. Betrachten wir ihren Haushalt für 2019, können wir die Devise durch den Zusatz “und wird immer reicher“ ergänzen.

Die Oberbürgermeisterin Jordanka Fandakowa, die in den letzten Monaten durch schlecht ausgeführten Renovierungsarbeiten an emblematischen Straßen und Plätzen von Sofia den Zorn der Bürger auf sich zog, hofft nun durch einen rekordhaft hohen Haushalt die Gemüter zu besänftigen und ihre Gunst wiederzugewinnen, denn 2019 wird auch ein Wahljahr sein. Neben der Europawahl finden auch Gemeindewahlen statt und deshalb haben viele Beobachter den neuen Haushaltsentwurf für Sofia als „einen Griff in die Trickkiste von der Bürgermeisterin Fandakowa“ eingestuft.

Sofia plant in diesem Jahr 818 Millionen Euro einzunehmen und auszugeben. Zum Vergleich. 2017 hatte die Stadt ein Budget von 731 Millionen Euro, um 11% weniger. Es ist das größte Budget der Stadt in seiner jüngsten Geschichte. Im Vergleich dazu verfügt die zweitgrößte bulgarische Stadt, Plowdiw, über etwa 190 Millionen Euro.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass das Wachstum nicht durch höhere Steuern erreicht werden wird. Die Steuern wurden nur für alte Autos erhöht und das gilt für das gesamte Land.

Ein wesentlicher Anteil der Mittel kommen aus europäischen operativen Programmen – insgesamt 166 Millionen Euro. Das meiste Geld, 282 Millionen Euro, soll in die Infrastruktur investiert werden, 156 Millionen Euro davon für die dritte Strecke der U-Bahn in Sofia.

Während die Hauptstadt prosperiert, geht es dem übrigen Teil des Landes nicht so gut. Die Einwohner der Provinz erinnern oft daran, dass Sofia nicht das ganze Land ausmache. Die übrigen Regionen sind mit wenigen Ausnahmen zurückgeblieben und arm. Die Experten untermauern diese Behauptungen mit konkreten Fakten und Zahlen. Während das Durchschnittsgehalt im Land 600 Euro beträgt, wird in Sofia ein Durchschnittsgehalt von mindestens 750 Euro gezahlt. Die Arbeitslosenrate im Land macht etwas weniger als 6% aus. In Sofia hingegen fehlt es an Arbeitskräften. Sofia produziert 40% des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Von den 7 Millionen Bulgaren leben 2 in der Hauptstadt. Sofia ist nicht nur das administrative, politische und kulturelle Zentrum des Landes, es ist auch die wirtschaftlich stärkste Stadt im Land. In der Stadt wird nicht nur am meisten produziert, es wird auch am meisten konsumiert.

Nicht ohne Grund vermerken Ausländer, die öfter nach Sofia kommen, dass sie bei jedem Besuch wesentliche Veränderungen im Stadtbild erkennen und immer mehr reichere Sofioter antreffen. All das spiegelt sich im Haushalt der Stadt und den geplanten Ausgaben für 2019 wider.

Zu den vorrangigen Problemen, die die Stadtverwaltung zu lösen hat, gehören die Umweltprobleme, insbesondere die Reinheit der Luft. Die Sofioter leiden insbesondere in den kalten Wintertagen unter der enormen Verschmutzung der Luft durch feine Staubpartikel und Smog. Im Finanzplan der Stadt wird deshalb vorgesehen, die Haushalte, die Kohle und Holz für die Beheizung nutzen zu unterstützen, um zu Pellets überzugehen.

Im städtischen Nahverkehr sollen Elektrobusse und solche mit Gas eingesetzt werden. Geplant ist, zahlreiche Parks und Gärten in Sofia zu sanieren. Vorgesehen ist auch der Bau eines Aquaparks – all das mit dem Gedanken, den Einwohnern der Hauptstadt ein besseres und bequemeres Wohnen zu ermöglichen. Ferner sollen wichtige Verkehrsanbindungen und Boulevards renoviert werden, um den Verkehr zu entlasten.

Auch 2018 wurden viele Renovierungsarbeiten an Plätzen und Straßen in Angriff genommen, die aber bei den Sofiotern und ihrer Gäste anstatt Freude vielmehr Wut und Ärger hervorriefen, insbesondere wegen der schlechten Qualität. Die Mängel waren so frappant, dass sich einer der stellvertretenden Bürgermeister der Stadt zum Rücktritt gezwungen sah, woraufhin die Oberbürgermeisterin Jordanka Fandakowa hoch und heilig versprach, höhere Anforderungen bezüglich der Qualität der Materialien und der ausgeführten Arbeiten zu stellen. Ob die Gemeindevertreter Lehren aus diesen Vorfällen ihre Lehren gezogen haben, werden die Gemeindewahlen zeigen.

Übersetzung: Georgetta Janewa

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