Ivan Garbachev auf der Suche nach sich selbst

Der junge Jazz-Pianist und sein neuestes Projekt „Time Lapse“


Hinter dem Begriff „Time-lapse“ verbirgt sich nichts anderes als „Zeitraffer“: einzelne Aufnahmen, die in bestimmten Intervallen gemacht werden bilden einen Film, der die dargestellten Abläufe in einer verkürzten Zeit wiedergibt. Kann man jedoch diese Methode auch auf die Musik übertragen? Der Jazz-Pianist Ivan Garbachev ließ viel Phantasie in angenehmer Gesellschaft walten.

So in etwa könnte man kurz sein Projekt „Time Lapse“ umreißen, das sein erstes eigenständiges Album ist. Er nahm es zusammen mit Alexander N. Lekov (Bassgitarre), Nikolay Karageorgiev (Gitarre) und Nacho Gospodinov (Schlagzeug) auf. Bereits im November vergangenen Jahres erklangen im Rahmen des Jazz-Festivals in Plowdiw im „Bee Bop Café“ einige der Titel des neuen Albums. Plowdiw ist übrigens laut Garbachev „seine“ Stadt. Geboren wurde er jedoch im 76 Kilometer nordöstlich gelegenen Kasanlak. Bereits im Kindesalter begann er mit Klavierunterricht; in Plowdiw studierte er Klavier an der dortigen Akademie für Musik und Tanzkunst in der Klasse von Prof. Georgi Kanew.

Meine Leidenschaft für den Jazz weckte Miroslav Turiyski, bei dem ich später Jazz-Klavier lernte. Ich muss hinzufügen, dass er nicht nur ein sehr guter Pädagoge, sondern auch Freund ist“, gesteht Ivan Garbachev und fährt fort:

Das Album wurde in Plowdiw aufgenommen und zwar im Studio von Alexander Lekov. Alles entstand Live, dabei gleich beim ersten Mal. Unabhängig davon, dass wir im Studio die Möglichkeit hatten, haben wir die Stimmen nicht einzeln aufgenommen und hinterher gemixt. Die Musik haben wir im vergangenen Jahr zum ersten Mal am 24. Mai vorgestellt. Wir wiederholten das Konzert auf dem Jazz-Festival in Plowdiw. Mir gefällt die Stadt sehr. Man kann nur schwer den Geist dieser Jahrtausende alten Stadt in Worte fassen, man muss ihn selbst erleben. Die Atmosphäre ist wunderbar, ein sehr romantischer Ort, sehr ruhig aber energiegeladen, was jeder auf eigene Weise verspürt. Das Konzertleben wird immer aktiver und es gibt bereits viele Orte, an denen man sich als Musiker dem Publikum präsentieren kann. Das Plowdiw Jazz Fest gehört zu den besten in Bulgarien. Eingeladen werden Spitzenmusiker aus aller Welt, was zusätzlich das Ereignis bedeutend aufwertet. Die Musik, die ich mache, würde ich als Experimental-Jazz, als Fusion einstufen. Ich bemühe mich um einen eigenen Klang, verschiedene Nuancen, überhaupt „mich selbst zu finden“. Das Album habe ich mit einem E-Piano aufgenommen. Ich ziehe akustische Instrumente vor, am besten Flügel, man findet jedoch selten qualitativ hochwertige Instrumente jenseits der Konzertsäle. Wir unsererseits spielen ja hauptsächlich in Klubs, wo gar nicht daran zu denken ist. Die Musik des Albums „Time Lapse“ stammt ausschließlich von mir; alle haben aber beim Arrangement mitgemacht.



Der junge Musiker erzählte uns ferner, dass er für das Album lediglich acht Stücke ausgesucht hat, obwohl er doppelt so viele vorbereitet hat. Bei der Wahl haben ihm die übrigen Musiker des Quartetts geholfen. „Time Lapse“ wird hauptsächlich online auf der Plattform CD Baby gehandelt. Ivan Garbachev gehört der vor einigen Jahren wieder ins Leben gerufenen „Zamunda Banana Band“, die in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegründet worden war. Die Gruppe spielt humorvolle Songs, die eher zum Genre Pop gezählt werden können. Sie unterscheiden sich grundlegend von dem, was Garbachev selbst produziert. Er beteiligt sich ferner auch an anderen Formationen und tritt mit dem Ivan Garbachev Quartett und einer Reihe anderer Musiker auf. Er steckt voller neuer Ideen und arbeitet bereits an seinem nächsten Projekt, das für eine größere Besetzung gedacht ist und umfangreicher ausfallen soll. Auch denkt er über ein weiteres Album nach.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: Privatarchiv

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