Volksfest „Es zwitschert der Pirol“ hält Andenken an Mita Stojtschewa wach

Foto: Archiv

In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag der unvergessenen Volksliedsängerin Mita Stojtschewa zum 110. Mal. Bis heute ist die Erinnerung an ihre gefühlvolle Stimme wach, mit der sie die Rundfunkhörer und Konzertbesucher verzauberte. Jahre lang hat die aus Nordbulgarien stammende Sängerin in der Gruppe „Unser Lied“ gesungen, an der sich auch andere namhafte Volksmusikinterpreten beteiligten, wie Boris Maschalow, Boris Karlow, Lalka Pawlowa, Mascha Belmustakowa, Magda Puschkarowa u.a.

Ganz unter den Zeichen des 110. Jahrestages wird die diesjährige Ausgabe des nationalen Volkstreffens „Es zwitschert der Pirol“ stehen, das nach einem der Lieder von Mita Stojtschewa benannt ist und im Geburtsdorf der Sängerin – „Obedinenie“, Gemeinde „Polski Trambesch“ veranstaltet wird. Gastgeber des Folkloreforums ist das örtliche Kulturhaus, das zum Zeichen der Anerkennung den Namen „Mita Stojtschewa – 1900“ trägt.

Sneschanka Jordanowa, eine Verwandte der Sängerin und Leiterin des Kulturhauses, erzählte uns folgendes:

Das nationale Volkstreffen „Es zwitschert der Pirol“ wird in diesem Jahr vom 31. Mai bis zum 2. Juni stattfinden. Zur Teilnahme haben sich über 2.800 Volksmusiker und Sänger gemeldet. Allein die Kinder sind über 100 an der Zahl. Der musikalische Wettstreit wird am 1. Juni ausgetragen werden. Am gleichen Tag beginnen auch die Festkonzerte unserer Gäste, unter ihnen das Ensemble „Thrakia“, die Studenten der Medizinischen Universität Plowdiw, einige Sieger vergangener Jahre, wie auch Folkloregruppen aus dem Dorf Obedinenie, die am Kulturhaus wirken sowie das Quartett „Kleine Nachtigall“ unserer Dorfschule.

Meine Großmutter hatte zu Lebzeiten einen Stammbaum unserer Familie gezeichnet. Sie und Mita Stojtschewa waren Cousinen ersten Grades und haben sich oft besucht. Zu Hause wurde häufig darüber erzählt. Ich kann mich leider nur schwach an Mita Stojtschewa erinnern. Meine Tochter singt einige Lieder von ihr. Auf unserem Volkstreffen werden sie übrigens auch dargeboten. Das ist einfach ein Muss. Das hebt sie besonders hervor. Dieses Folkloretreffen füllt mich aus. Sobald es zu Ende ist, denke ich bereits an die nächste Ausgabe.“

Das Liederbe von Mita Stojtschewa kann nicht hoch genug gelobt werden. Es kennzeichnet die Liedfolklore Nordbulgariens aufs Beste. Mita ist mit den Liedern ihrer Heimatregion aufgewachsen. Ihren ersten Erfolg als Volksliedsängerin erlebte sie 1939 auf einem Volksfest in Weliko Tarnowo. Mitas Auftritt war am dritten Tag. Immer musste sie daran denken, wie sie wohl abschneiden werde. Mita Stojtschewa war aber von ihrem Können überzeugt und ihr Vortrag überzeugte auch die Jury, die sie zur besten Sängerin des Volksfestes erklärte. Im Jahr darauf gewann sie ihren nächsten Preis – das war in Pordim nahe Plewen. Unmittelbar danach lud sie die Plattenfirma „Mikrophon“ zu Aufnahmen ein. Eine Woche hielt sich Mita Stojtschewa in der Hauptstadt Sofia auf und sang 30 Lieder ein. Im Jahr darauf nahm sie 30 weitere Lieder auf und 1942 nochmals 30 und wurde schließlich Mitarbeiterin von Radio Sofia. Ihre große Beliebtheit verdankt sie ihren Live-Auftritten im Radio. Ferner gab sie häufig Konzerte, die sie auch zu direkten Treffen mit dem Publikum nutzte. Folkloreexperten wurden auf sie aufmerksam und begannen sich intensiv mit ihrem Repertoire auseinanderzusetzen. 1953 gab Iwan Wassilew einen Sammelband mit den Texten der Lieder von  Mita Stojtschewa unter dem Titel „Es gurrten graue Tauben“ heraus. Rund 360 Lieder übergab sie dem Institut für Musikwissenschaft der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, die von der Folkloristin Elena Stoin aufgezeichnet und in Noten gesetzt wurden. Die Stimme von Mita Stojtschewa wurde 1953 von der US-amerikanischen Firma „Columbia“ auf einer Platte herausgegeben, die zur Reihe „Weltbibliothek authentischer Volksmusik“ gehörte. Mita Stojtschewa hat mehr als 400 Gesänge gesammelt und mit ihren Interpretationen für die Nachwelt erhalten. Viele von ihnen werden als wertvolles bulgarisches Kulturerbe in unserem Tonarchiv aufbewahrt.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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