„Zar Samuil“ – das Dorf mit den süßesten Wassermelonen

Foto: BGNES

„In diesem Sommer macht das importierte Obst und Gemüse in Bulgarien bis zu 80 Prozent aus“, sagte in einem Interview für die bulgarische Nachrichtenagentur BTA die Vorsitzende des Leitungsrates des Nationalen Gärtnerverbandes Mariana Miltenowa. Wegen der Hagelschläge und dem trockenen Sommer sind die Preise von Obst und Gemüse auf den Märkten höher als gewohnt.

Das Dorf „Zar Samuil“ in der Nähe der nordbulgarischen Stadt Silistra an der Donau ist eines der besten Beispiele dafür, wie sich die Landwirtschaft auf die Bedingungen und die Nachfrage anpassen kann. Noch bis vor wenigen Jahren war das Dorf Spitzenreiter beim Anbau der Tabaksorten Burley und Virginia. Die niedrigen Aufkaufpreise und die Probleme im Zusammenhang mit dem Aufkauf der Ernte ließen die Bauern umdenken und sie begannen, ihre Aprikosenanpflanzungen auszuweiten. Die Felder in der Nähe des Donauflusses, der eine Bewässerung problemlos ermöglicht, wurden für den Anbau von Wassermelonen genutzt. Schnell machte sich die Ortschaft einen Namen als „das Dorf mit den süßesten Melonen“. Doch das reichte den hiesigen Landwirten nicht. Neben dem Anbau von Aprikosen, Wassermelonen, Pfirsichen und Kirschen gingen sie auch zu einer verstärkten Gemüseproduktion über. In kurzer Zeit entstanden Gewächshäuser, in denen das ganze Jahr über Gurken, Tomaten, Gartensalat und anderes Gemüse angebaut werden, die auf den Märkten in Nordostbulgarien angeboten werden.

Nuri İsmail aus dem Dorf „Zar Samuil“ entstammt einer Gärtnerfamilie. In der Saison, in der die Hausfrauen Obst und Gemüse für den Winter einlegen, trafen wir ihn auf dem Markt in der Stadt Kubrat. Zusammen mit seiner Frau Ayşe bieten sie Tomaten, Auberginen, scharfen und süßen Paprika, Gurken und anderes Gemüse an:

Nuri İsmail und seine Frau Ayşe, Foto: Şevkiye Çakır

„Mein Vater hat den Grundstein für den Gartenanbau in unserem Dorf gelegt“, erzählt uns Nuri. „Heute setze ich diese Traditionen fort. Ich habe meinen Beruf als Tischler aufgegeben und baue nun Gemüse an, was zum Haupterwerb meiner Familie geworden ist. Der Gartenanbau verlangt Fleiß und Ausdauer; das Wichtigste ist jedoch die Bewässerung. Als Bauer kann man sich keinen Urlaub gönnen, weder im Sommer, noch im Winter. Die Preise in der Provinz sind im Vergleich zu denen in Sofia niedriger. Zudem fallen für gewühnlich die Preise in der Saison, in der Gemüse für den Winter eingemacht wird. In diesem Jahr sind jedoch die Preise wegen der Regenfälle und Hagelschläge und der Dürre im August sogar gestiegen. Ich verkaufe unsere Produkte hauptsächlich auf den Märkten in Tutrakan und Kubrat.“

Das größte Problem in der Dobrudscha ist die Wasserarmut. Auch das Dorf „Zar Samuil“ leidet darunter, auch wenn es keine 10 Kilometer von der Donau entfernt liegt. Das Grundwasser liegt wegen der geologischen Verhältnisse sehr tief und die Bewässerungsanlagen aus den Zeiten des Sozialismus sind längst verrostet. Nuri İsmail hat auf seinem Bauernhof einen Brunnen anlegen lassen, was ihn umgerechnet 5.000 Euro gekostet hat, was für bulgarische Verhältnisse eine große Summe ist. Beim Gemüseanbau helfen ihm seine Kinder, die jedoch nicht den Beruf eines Gemüsebauern ergreifen wollen. Auf die Frage, wie groß der Anteil bulgarischer Produktion auf dem Markt in Kubrat ist, meinte er:

„Rund ein Fünftel des angebotenen Obsts und Gemüses stammt aus bulgarischem Anbau. Die übrigen 80 Prozent werden aus Rumänien, der Türkei und Griechenland eingeführt. Man kann die heimische Produktion daran erkennen, dass sie von den Herstellern selbst in verhältnismäßig kleinen Mengen angeboten werden. Die importierten Produkte werden in Massen von Zwischenhändlern verkauft. Der Grund für die schwache Produktion in Bulgarien ist auf die Entvölkerung der Dörfer zurückzuführen. Die jungen Menschen suchen anderswo nach Arbeit, zumal die Landarbeit für sie kaum etwas anziehendes aufweist - sie verlangt viel Arbeit, viel Zeit und man muss sie von innen heraus tun.“

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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