Touristenmagnet: alte Rosenöl-Destille in Streltscha

Das bulgarische Rosenöl gehört nach wie vor zu den qualitativ besten und gesuchtesten ätherischen Ölen in der Welt. Es wird nicht nur zur Herstellung hochwertiger Kosmetik, sondern auch von pharmazeutischen Erzeugnissen verwendet.

Eine der ältesten Rosenöl-Destillen in Bulgarien befindet sich in der Stadt Streltscha im Zentrum des Sredna-Gora-Gebirges. Von hier aus geht es in das geschichtsträchtige Städtchen Kopriwschtitza. Unmittelbar am Stadtausgang von Streltscha in Richtung Kopriwschtitza wurde in den Jahren nach der Neugründung des bulgarischen Staates 1878 die Rosenöl-Destille gebaut. Und so werden die in der Umgebung gepflückten Rosenblüten bereits seit fast anderthalb Jahrhunderten hier weiterverarbeitet. Die Einheimischen behaupten, dass es die zweitälteste noch funktionierende Anlage in Bulgarien ist. In den letzten Jahren wurde jedoch die Technik grundlegend erneuert und es wird Kosmetik vor Ort produziert, die im In- und Ausland gehandelt wird.

In Streltscha ist der Rosenanbau Familientradition. Fast jede Familie hat ihre Rosenanpflanzung, die 0,1 bis 0,3 Hektar groß ist. „Die Rosen, die wir in Streltscha anbauen, stammen aus der nahen Stadt Kopriwschtitza und so wurde dank des günstigen Klimas der Anfang der Rosenölgewinnung gesetzt“, erzählte uns Nadja Romankowa, Direktorin des Geschichtsmuseums von Streltscha.
„Unmittelbar nach der Befreiung Bulgariens von der osmanischen Fremdherrschaft, wurden ölspendende Rosen aus Klissura nach Kopriwschtitza gebracht. Diese Stadt liegt jedoch recht hoch im Gebirge und der Anbau brachte nicht die erwarteten Erträge. Also verkauften die Bürger von Kopriwschtitza die Rosenstöcke und die Destillationsanlagen in Streltscha, wo das Klima bei weitem milder ist und sich bestens für die Rosenanbau eignet. Er blühte bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf. In unserer Gemeinde gab es rund 30 Hektar Rosenanpflanzungen - alles Familienbetriebe. Zu Beginn versuchte jeder zu Hause das Rosenöl zu destillieren. Dazu sind aber größere Wassermengen nötig, wie auch ausreichend Platz für das Abprodukt, so dass sich schließlich die Bürger zusammenschlossen und eine gemeinsame Rosenöl-Destille unmittelbar am Fluss errichteten. Heutzutage werden bei uns Rosen auf einer Fläche von insgesamt 600 Hektar angebaut; wiederum hat jede Familie ihr Rosenfeld. Alle gemeinsam feiern wir jedoch das Rosenfest, das seit 1996 organisiert wird. Das schönste Mädchen wird zur Rosenkönigen gekrönt. Den Touristen zeigen wir zudem, wie früher die Rosen geerntet wurden. Für sie ist auch die Destille selbst sehr interessant.“


„Unsere Rosenanpflanzungen sind seit bereits 60 Jahren in Familienbesitz und werden von einer Generation an die nächste übergeben“, erzählte uns ihrerseits Iwanka Iwanowa, die wir zufällig in der alten Rosenöl-Destille antrafen. „Unsere Kinder sind jedoch in die größeren Städte umgezogen, in denen sie leben und arbeiten, so dass wir über die Fortführung der Traditionen besorgt sind.
Unsere Destille ist eine der ältesten ihrer Art, die noch in Betrieb ist“
, erzählt sie weiter. „Über der Eingangstür steht: „Haltet die Technologie ein! Sie garantiert die Herstellung erstklassiger ätherischer Öle“. Ein Kilogramm Rosenöl wird aus dreieinhalb Tonnen Rosenblüten erzeugt. Das Gebäude der alten Rosenöl-Destille ist so angelegt, dass von der Straße aus die Säcke mit den Rosenblüten ausgeschüttet werden und diese über eine Rinne in die Kessel fallen. Die Rosenölproduktion ist sehr aufwändig und davon allein kann man nicht leben, zumal der Preis in den letzten Jahren gesunken ist. Daher produzieren wir verhältnismäßig kleine Mengen. Dafür kommen aber immer mehr Touristen, die sich auch die moderne Rosenöl-Destille anschauen.“

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: Privatarchiv

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