Die Sängerin mit der tiefsten Stimme der Welt stammt aus den Rhodopen

Vor wenigen Tagen hat Mariyana Pavlova, die in Smoljan geboren wurde, offiziell ihr „Guinness World Records Zertifikat“ erhalten, womit sie als Sängerin mit der tiefsten Stimme der Welt anerkannt wird. Dieser Rekord, der Bulgarien neuen Anlass zu Stolz gibt, wurde im Tonstudio von Andy Brooke aufgestellt, einem Rockmusiker und Tonregisseur, der mit vielen Musikern von Weltruf gearbeitet hat.

Mariyana Pavlova ist Tochter der bekannten bulgarischen Volksliedsängerin aus den Rhodopen Christina Ljutowa. Sie sagt, dass sie seit langem von dieser Auszeichnung geträumt hat und gesteht:

Ich war voller Gewissheit, dass ich es schaffe. Den tiefsten Ton zu singen war gar kein Problem für mich. Bereits als Schülerin habe ich im Stadtchor von Smoljan in den tiefsten Registern gesungen. Genau wie später auch in der Nationalen Schule für Folklorekünste in Schiroka Laka und im professionellen Folkloreensemble „Rodopa“.

Nach dem Folkloreensemble „Rodopa“, dem sie 16 Jahre ihrer Karriere gewidmet hat, sang Mariyana Pavlova in Sofia in den Chören „Wanja Monewa“ (damals „Kosmische Stimmen), „Dragostin Folk National“, „Die großen bulgarischen Stimmen“ sowie im Quartett „Nachtigall“ und im Trio „Rodopea“. Die namhaften bulgarischen Komponisten Krassimir Kjurktschijski und Stefan Dragostinow haben wieder ihr die tiefen Töne überlassen.

Bereits vor 19 Jahren hat Stefan Dragostinow drei Lieder für das Trio „Rodopea“ komponiert, in denen ich das D der großen Oktave singen musste, was ein extrem tiefes Register für eine Frau ist. Das ist im Stimmbereich eines Bass-Baritons. Danach habe ich in Manchester ein C mit ihm gesungen. Und der Ton für den Guinessbuch-Weltrekord ist ein B der Kontraoktave“, sagte Mariyana Pavlova.

Für die Hörer des BNR gab sie eine Hörprobe davon.

Die Sängerin, die laut dem Guinessbuch der Rekorde die tiefste Stimme der Welt hat, lebt in London. Dort befindet sich ein Großteil ihrer Familie. Mariyana Pavlova hat vor fünfeinhalb Jahren Bulgarien verlassen, enttäuscht darüber, dass die Menschen in unserem Land die Kunst nicht richtig zu schätzen wissen.

„Ich war enttäuscht, dass die wohlhabenden Bulgaren nicht in hochwertige Kunst investieren wollen“, erläutert sie. „Zu jener Zeit hatte sich mein Bruder bereits mit seiner Familie in der britischen Hauptstadt niedergelassen. Dann ist auch meine jüngere Tochter nach London gezogen, wo sie geheiratet und ein Kind geboren hat. So bekam ich eine Enkelin, in deren Adern zur Hälfe chinesisches Blut fließt. Schließlich bin auch ich nach London gezogen, um ihnen hilfreich zur Seite stehen zu können. Die Verbindung zu Bulgarien habe ich aber nie aufgegeben. Ich singe weiter im Chor „Dragostin Folk“, mit dem wir Bulgarien und die ganze Welt bereisen. Ich leite auch Workshops in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Auch Großbritannien ist ein Land, das einem große Möglichkeiten bietet und ich fühle mich wohl dort. Aber Bulgarien und vor allem die Rhodopen vermisse ich schrecklich. Dort war ich seit neun Jahren nicht mehr. Das Herz tut mir weh. Wenn ich abends zu Bett gehe, wandle ich meinen Gedanken über die Wiesen bei Roschen und höre den Klang der Dudelsäcke und der Hymne der Rhodopen “Bela sam, bela yunache“. Das beruhigt mich wieder.

Das Publikum in Sofia kann am 22. Oktober in der Nationalen Musikschule „Ljubomir Pipkow“ in den Genuss der Darbietungen von „Dragostin Folk“ und Mariyana Pavlova kommen. Mit diesem Konzert begeht die Formation ihr 25. Jubiläum. 

Übersetzung: Rossiza Radulowa

Fotos: Privatarchiv

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