Heute haben wir leider eine Mitteilung zu machen, die uns gar nicht leicht fällt. Seit dem 16. Januar 2012 ist es amtlich:
Am 1. Februar stellt der Bulgarische Nationale Rundfunk nach 76 Jahren seine Ausstrahlungen auf Kurzwelle ein. Als Gründe hierfür nennt die Rundfunksleitung nicht einzig finanzielle Schwierigkeiten, sondern auch den Wunsch, den modernen Tendenzen in der Branche zu entsprechen. Erhalten bleiben die Mittelwellen-Ausstrahlungen der Programme von Radio Bulgarien für die Balkanländer. Die bisher auf Kurzwelle ausgestrahlten Auslandsprogramme von Radio Bulgarien bleiben inhaltlich ohne wesentliche Veränderungen erhalten und werden ab Februar in Form eines rund einstündigen Programms auf der Internetseite www.bnr.bg „On-Demand“ angeboten.
Mit der Einstellung des Kurzwellenbetriebs tritt der Bulgarische Nationale Rundfunk in eine neue Phase seiner Entwicklung ein. Die Rundfunksleitung, wie auch alle Mitarbeiter der Anstalt hoffen, dass mit diesem Schritt die Verbindung zu den Nutzern der Programme nicht abbricht und das in den Jahrzehnten aufgebaute Vertrauen und die freundschaftlichen Beziehungen erhalten bleiben.
So lautet unsere offizielle Bekanntgabe. Dahinter steckt an erster Stelle die Tatsache, dass das bulgarische Finanzministerium ganz unverhofft entschieden hat, das Etat des Bulgarischen Nationalen Rundfunks für das Jahr 2012 um 7 Millionen Lewa oder umgerechnet 3,5 Millionen Euro zu kürzen. Unter diesen Umständen sieht sich unsere Intendanz gezwungen, zusätzliche Spaßmaßnahmen zu ergreifen und die gehen auf Kosten unserer Sendungen via Kurzwelle. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass ein Teil unserer treuesten Stammhörer leider nicht die Möglichkeit hat, auf Internet umzusteigen. Leider konnten wir diese Entscheidung nicht abwenden und müssen nun sehen, wie wir uns arrangieren werden. Eins steht fest – alle Empfangsberichte bis zum 31. Januar, die Sie uns zukommen lassen, werden wir Ihnen bestätigen. Wir machen uns derzeit Gedanken, ob und wie es mit der Ausstellung von QSL-Karten weiter geht. Noch haben wir nicht entschieden, was wir tun wollen, wenn bei uns Empfangsberichte über Sendungen, die über das Internet oder eventuelle auch andere Media empfangen worden sind, eingehen. Das werden wir uns auf jeden Fall noch überlegen und wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns Ihre diesbezüglichen Erfahrungen mit anderen Sendern in einer ähnlichen Situation mitteilen würden.
Natürlich hat sich die Nachricht über die Einstellung der Kurzwellensendungen von Radio Bulgarien rasend schnell verbreitet und es liegen bereits erste Hörer-Feedbacks vor. Sehen Sie, was uns einige Hörer geschrieben haben:
„Obwohl ich mich leider in den letzten Wochen und Monaten wenig bei Ihnen mit Empfangsberichten und E-Mails gemeldet habe, habe ich oftmals Ihre Programme gehört“, schreibt Klaus Führlich aus Radebeul. „Der Kontakt zu Ihnen besteht ja bereits seit 1973, gehört habe ich das Programm vom damaligen Radio Sofia bestimmt schon eher. Viele Diplome, QSL-Karten und auch Ihr T-Shirt dokumentieren dies. So las ich mit Entsetzen, dass die Kurzwellenprogramme aus Bulgarien schon ab nächsten Monat eingestellt werden sollen. Neben dem Verlust von objektiven und aktuellen Informationen über Ihr Land heißt es sicher auch für viele Mitarbeiter den Jobverlust“, schreibt Klaus Führlich.
Gemeldet hat sich sogleich auch Friedhelm Wittlieb aus Lünen: „Liebe Freunde der deutschen Redaktion, ich habe gerade eine Mitteilung gelesen, die mich sehr schockiert. Stellt Radio Bulgarien tatsächlich zum 01. Februar seine Sendungen auf Kurzwelle ein? Wie ist dann das Deutsche Programm zu empfangen, nur noch über Internet? Einen solchen Schritt würde ich natürlich sehr bedauern. Seit 1971 höre ich regelmäßig die Sendungen von Radio Bulgarien (ex Radio Sofia). Nicht immer greife ich zum Stift oder PC und schreibe einen Empfangsbericht. Aber hin und wieder melde ich mich bei Ihnen.“
Siegbert Gerhard aus Frankfurt am Main bringt es auf den Punkt: „Da war ich heute morgen sehr überrascht, dass Radio Bulgarien so abrupt und schnell von der Kurzwelle geht, wie üblich finanzielle Gründe und die Kurzwelle würde ja eh keiner mehr hören. Hirnlose Strategen, gegen die bist du machtlos. Die haben jetzt in ihren Vorstandsetagen das große Sagen und recht leichtes Spiel: Das Geld ist knapp, die Kurzwelle veraltet und teuer, das Internet das Allheilmittel für alle Probleme. Dass nach der Abschaltung der Kurzwelle erfahrungsgemäss viele (Stamm-)Hörer verloren gehen, wird in Kauf genommen. Sind die Hörerzahlen dann endgültig am Boden, wird der ganze Dienst eingestellt. Die Deutsche Welle als der größte deutschsprachige Auslandsdienst hat es vorgemacht, nun folgen andere. Was mich überrascht, ist die Eile. Um alle eingestellten Kurzwellendienste ist es schade. Radio Bulgarien mit seinen informativen und unterhaltsamen Programmen wird mir fehlen. Die Mitarbeiter tun mir am meisten leid, sie steuern in eine ungewisse Zukunft. Lebe wohl, Radio Bulgarien!“
Etwas zuversichtlicher sieht das Andreas Fessler aus Dresden: „Liebe deutsche Redaktion von Radio Bulgarien! Ich finde es sehr schade, dass wieder ein Auslandsdienst mit einem interessanten Programm aus dem Äther verschwindet. Radio Bulgarien begleitet mich nun seit 1977 und ich habe viele schöne Stunden vor dem Radio verbracht. Die Einstellung der Kurzwelle ist natürlich bedauerlich. Das sollte aber vielleicht als Chance gesehen werden, ein attraktives Internet Angebot anzubieten. Radio Prag aus Tschechien stand letztes Jahr vor dem gleichen Problem. Sicher verliert man Hörer, aber durch das Internet kann man auch viele Neue Hörer dazugewinnen. Ich bin zur Zeit im Urlaub in Honduras. Ich liege hier am Strand auf der Insel Utila in der Hängematte und habe durch das Hotel einen kostenlosen Internet Zugang mit meinem Laptop. So kann ich Mails schreiben, aber auch Internet Radio und Podcasts hören. Ohne diese Möglichkeit hätte ich sicher schlechte Chancen, das deutsche Programm von Radio Bulgarien auf Kurzwelle hier in Zentralamerika zu hören. Die Welt wird eben zum Dorf. In diesem Sinne wünsche ich Radio Bulgarien erst mal alles Gute und viel Mut zum Weitermachen.“
Auch Douglas Kähler aus Mönkeberg meint: „Die Einstellung der Kurzwellensendungen scheint ja inzwischen beschlossene Sache zu sein und ich kann nur die Hoffnung äußern, dass Sie Ihre Arbeit weiterhin fortsetzen können und auch im Internet (da wäre es schön, wenn zukünftig die vollständige Sendung mit Nachrichten verfügbar wäre) eine interessierte Hörerschaft erreichen. Vielleicht ergibt sich ja später die Möglichkeit, noch weitere Ausstrahlungswege zu nutzen.“
Nun, liebe Freunde, wie bereits zu Beginn unserer Sendung mitgeteilt – im Internet wird es Radio Bulgarien weiter geben, die bisher auf Kurzwelle ausgestrahlten Auslandsprogramme von Radio Bulgarien bleiben inhaltlich ohne wesentliche Veränderungen erhalten. Derzeit laufen auch Verhandlungen, die Sendungen auch über einen Satelliten zu übertragen. Ob es aber dazu kommt, können wir Ihnen zum gegebenen Zeitpunkt noch nicht mitteilen. Hoffen wir, dass wir Sie auch über den Satelliten erreichen und den Kontakt zu Ihnen weiter aufrecht erhalten können. Auf jeden Fall sind wir bis zum 31. Januar noch im Äther.