Die Nachricht von der Einstellung der Kurzwellensendungen von Radio Bulgarien hat unsere langjährigen Hörer unangenehm überrascht.
„Sie werden in Brasilien immer einen Freund haben, der über die Frequenzen Ihrer Radiostation in Erwartung der Rückkehr der Sendungen von Radio Bulgarien „wandert“, schreibt uns in seinem Brief Jose Saulo Vieira Belo.
„Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Jahr mit einer so schrecklichen Nachricht beginnt. Nach 35 Jahren Kontakt mit Ihnen fühle ich mich, wie jemand, der zu einer Familie gehört. Jeder von Ihnen im einzelnen und alle zusammen haben sie so viel getan, dass sie für immer in unseren Herzen bleiben werden“, schreibt Juan Carlos Buscaglia aus Argentinien.
In diesem Sinne ist ein großer Teil der fast 800 Briefe und E-Mails und über 120 Telefonanrufe unserer Hörer, die uns im ersten Monat des Jahres 2012 erreicht haben. Neben den Reaktionen des Bedauerns und den Kommentaren zur Einstellung der Sendungen von Radio Bulgarien auf Kurzwelle ab dem 1. Februar, schicken uns viele von Ihnen ihre konstruktiven Vorschläge für die Zukunft des Programms.
Mike Usher aus England z.B. schlägt vor, dem Beispiel von Radio Slowakei und Radio Prag zu folgen, die eine Plattform nutzen, die ihre Auslandssendungen über Smartphones und andere mobile und Internetgeräte zu empfangen gestattet. „Das würde den Hörern erlauben, sie zu hören, auch wenn sie nicht vor dem Computer sitzen. Hat die Leitung des Bulgarischen Nationalen Rundfunks darüber nachgedacht mit anderen öffentlichen Rundfunkanstalten, die der Europäischen Union für Rundfunk und Fernsehen angehören, zusammen zu arbeiten und zu überprüfen, ob Euranet wenigstens einige ihrer Programme in anderen Teilen der Welt über die BBC, die Deutsche Welle verbreiten kann?“ - fragt Mike Usher.
Unser langjähriger Hörer aus den USA William Flim schlägt vor, dass Radio Bulgarien seine Sendungen über Livestream ausstrahlt und sagt weiter: „Meine größte Sorge ist, dass die Entscheidung, die Kurzwelle einzustellen, getroffen wurde ohne das klare Verständnis, dass Radio Bulgarien gegenwärtig keine wirkliche Alternative im Internet anbietet. Die Einstellung der Kurzwelle bevor die Rundfunkanstalt die Schwächen Ihrer Internetseite aufgedeckt hat, wird Sie zum Verlust Ihrer meisten Hörer führen. Ich verstehe, dass die Kurzwellensendungen sehr teuer sind und alle Regierungen vor ernsten Entscheidungen im Zusammenhang mit Maßnamen für strenge wirtschaftliche Beschränkungen stehen. Aber ich hoffe dennoch, dass die Entscheidung die Kurzwelle einzustellen aufgehoben oder zumindest vertagt werden kann, bis Ihre Radiostation eine wirkliche Audioalternative im Internet anbieten kann, die ähnlich den Sendungen auf Kurzwelle ist. Die wunderbare Arbeit des Teams von Radio Bulgarien muss fortgesetzt werden, damit seine Bemühungen von einem möglichst breiten Kreis von Hörern gewürdigt werden können.“
Einen sehr emotionellen Brief schickte uns Wolfgang Heerwig aus Ellerbek in Deutschland: „...gestern Abend hörte ich es in Ihrer Sendung und traute meinen Ohren nicht: Radio Bulgarien verlässt die Kurzwelle – DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN! Wieso werden diese guten informativen Programme (in Hand mit der liebenswerten Betreuung der Hörer) in ihrer Verbreitungsmöglichkeiten und damit Hörbarkeit eingeschränkt? Immer wieder wird das Internet als Alternative und Mittel der Zukunft gepriesen, seine Vor- und Nachteile werden bereits schier endlos diskutiert und ich möchte die Argumente an dieser Stelle nicht wiederholen aber für mich scheint klar – das war’s: Ich fürchte, dass zahlreiche Hörer – wie ich nun auch – ab Februar nicht mehr umfassende Informationen über Bulgarien erhalten werden, sehr schade!
Es tut mir leid für die engagierten Mitarbeiter, deren Leistung in meinen Augen nicht gebührend gewürdigt werden kann und sie diesen Schritt sicherlich nicht begrüßen werden! ... Gibt es noch Hoffnung auf Fortsetzung der Kurzwellenausstrahlungen? Ich hoffe sehr, sonst wäre für mich nach 40 Jahren der Kontakt über Kurzwelle zu Bulgarien abgebrochen!“
„Es machte mich als langjährige und loyale Hörerin aus den USA traurig, als ich erfuhr, dass Radio Bulgarien die Kurzwelle einstellt“, schreibt Alice Sjardijn. „Ihre Station war eine sehr notwendige Quelle von internationalen Nachrichten, die von den Medien in unserer Region ignoriert werden“.
Eldee Stephens, ein anderer Freund von uns in den USA, meint, dass mit der Einstellung der Kurzwelle Radio Bulgarien unter den internationalen Medien weniger sichtbar wird und die Zahl seiner einfachen Hörer sich reduzieren wird.
Der langjährige Hörer Rene Pigar aus Frankreich teilt uns mit: „Mit viel Bitterkeit haben wir von der Einstellung der Ausstrahlung von Radio Bulgarien auf Kurzwelle erfahren. Es war wirklich nicht angenehm auf diese überraschende Weise diese Nachricht zu erfahren, ohne überhaupt die Hörer zu fragen. Erlauben Sie uns zu sagen, dass wir seit Dutzenden Jahren am Leben von Radio Bulgarien aktiv teilnehmen. An diese E-Mail ist ein Protestbrief angehängt, von allen Hörern von Radio club de Perche mit der Bitte ihn über die Radiowellen zu verlesen!“
Thomas Witherspoon widmete dem Thema einen Artikel in seinem Blog und brachte sein Bedauern über die Einstellung der Kurzwellensendungen von Radio Bulgarien zum Ausdruck.
Uns erreichte auch der Brief unseres Landmannes Detelin Stojanow, der Kapitän eines Handelsschiffes ist. „Einen Gruß, ferne Freunde von Radio Bulgarien! Aus ihrer Sendung am 16. Januar habe ich erfahren, dass die Kurzwellensendungen von Radio Bulgarien eingestellt werden sollen. Ich habe dazu gemischte Gefühle. Zuerst möchte ich Ihnen für die vergangenen mehr als 30 Jahre danken, in denen ich Sie gehört habe. Ich bin Kapitän eines Handelsschiffes und möchte darauf hinweisen, dass auf See der Zugang zum Internet ziemlich begrenzt ist. Deswegen waren Ihre Sendungen in den letzten Jahren die einzige Quelle von aktueller Information aus Bulgarien. Noch aus den Jahren 1979-1981 und danach hatte ich die Möglichkeit Ihre Sendungen, sowohl im Nahen Osten und dem Mittelmeer, als auch im Indischen Ozean und Südafrika, Kanada und dem Atlantischen Ozean zu hören. Nach der Einstellung Ihrer Sendungen werde ich auf die englischen Sendungen der BBC umschalten, aber in ihnen gibt es keine Information über Bulgarien.“
Einen emotionellen Brief schickte uns auch Paul Frank aus Baden-Baden: „... als ich am Montagabend in den Nachrichten vom Ende der Kurzwelle zum 1. Februar erfuhr, war ich doch sehr benommen. Ich musste tief schlucken und hatte eine unruhige Nacht. Nun geht es hier nicht um das Ende einer belanglosen Beziehung, vielmehr steht hier die Liebe zu Bulgarien, seinen Menschen und eben zu Radio Bulgarien im Mittelpunkt. Zwischen dem 3.5.1954, dem Tag meines 1. Empfangsberichts an Radio Sofia und dem 16.1.2012, dem Tag der Bekanntgabe vom Ende der Kurzwelle liegen immerhin rund 58 Jahre dazwischen – das ist in der Tat ein Menschenleben. ... Dank des Bildungskanals aus Sofia konnte ich mir ein fundiertes Wissen über Bulgarien erarbeiten und auch intensiver kennen lernen – die Liebe wuchs. Und jetzt, da es mit dem Land stetig aufwärts geht, sagt Radio Bulgarien das Kurzwellen-Ende an – das gleicht einer Beerdigung ... für mich bricht eine kleine Welt zusammen...“
Unsere Hörer in Russland und den früheren sowjetischen Republiken machen sich Sorgen, weil Zugang zum Internet vor allem die Menschen in den Großstädten haben. Unser russische Hörer Sergej Sosin schreibt: „Liebe bulgarische Freunde! Ich war sehr traurig, als ich erfuhr, dass Radio Bulgarien den Kurzwellenether verläst. Ich wollte nicht einem alten Freund ade sagen, aber leider kann ich Sie nicht übers Internet hören. Ich begann Ihre Radisendungen aus Sofia in russischer und anderen Sprachen 1983 als junger Mann zu hören. Ihre Sendungen wurden zu einer festen Informationsbeziehung, die mich für immer mit Bulgarien und der gesamten Balkanregion verband. Sehr schade, dass bald die Kurzwellenausstrahlung ganz aufhören wird und unser direkter Zugang zum Bruderland Bulgarien verschwinden wird.
Könnte man nicht wenigstens ein paar Sendungen in russischer und bulgarischer Sprache auf Kurz- oder Mittelwelle behalten? Denn die meisten Ihrer Hörer haben keinen Zugang zu schnellem Internet. Gar nicht zu nennen die ethnischen Bulgaren in Moldawien, der Ukraine und Mittelasien. Sie leben in der Regel in Dörfern, in denen es Probleme mit der einfachen Stromversorgung gibt. Die meisten dieser Menschen schaffen es nicht einmal Ihnen zu schreiben.“
„...Ich kann ja verstehen, dass auch ihr Haus sparen muss, aber völlig die Kurzwelle zu streichen...?" – schreibt unser deutscher Hörer Christoph Paustian aus Murg. "Ich könnte es verstehen, wenn man bei Radio Bulgarien hergehen würde und von einer Sendezeit von zwei Stunden am Tag (bisher) auf eine Sendung z.B. in der Länge von 30 Minuten täglich herunterfahren würde, um auch demjenigen Hörer eine Möglichkeit bieten würde, die Sendungen zu hören, die nicht über einen Internetzugang verfügen. ... Ob Sie durch das Internet die Hörerzahlen auffangen können, die Sie nun bei der Kurzwelle verlieren, ist doch eher fraglich. ... Ich hoffe nun, dass unser Kontakt mit diesem Brief nicht endet...“
„Hallo, bin sehr sauer, dass man von heute auf morgen die Kurzwellensendungen einstellt. Auf jeden Fall eine falsche Entscheidung, das könnten Sie so in der Chefetage mitteilen“, schreibt Walter Schau aus Enzklösterle.
„Wie in Ihrer heutigen Morgensendung zu erfahren war, wollen Sie urplötzlich ab Februar die Kurzwellen-Ausstrahlungen beenden. Zunächst dachte ich, das könnte ein schlechter Scherz sein, aber wenn es doch so ist, so halte ich es für tief bedauerlich“, schreibt uns Helmut Schafheitle aus Singen. „Wenn man glaubt, sich aus der Kurzwelle zurückziehen zu können, wie z.B. die DW und eine ganze Reihe anderer Sender, so ist das keine gute Entwicklung. Es könnte eher der Beginn für eine neue Eiszeit in den europäischen Beziehungen zueinander sein. Ist es nun tatsächlich so, dass man sich international nicht mehr viel zu sagen hat und Friedhofsstille im Äther eintreten soll, dann kommt das einem erheblichen Rückschritt nahe.“
Und Hendrik Leukner aus Bamberg tröstet sich und uns mit den Worten: „Ich werde Euch auf Kurzwelle vermissen – aber Euch im Internet weiterhören! Hoffentlich bleiben alle Eure Arbeitsplätze erhalten. Ihr wechselt doch nur das Verbreitungsmedium...“
Zusammengestellt von: Rumjana Zwetkowa
Übersetzung: Vladimir Daskalov