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veröffentlicht Freitag, 29. Juni 2012 16:04
Radio Bulgarien Kultur

Buchpremiere „Gespräche mit Dessislawa, die Soldierin“ 

© Foto: Privat

Die Menschenrechtsaktivistin Dessislawa Petrowa und der Journalist Iwan Tscherkesow
Was bedeutet es, wenn die Gedanken voller Farbe sind? Hat die Liebe ein Geschlecht? Was ist es für ein Gefühl, täglich in fremden Sachen zu stecken und fremde Gedanken zu haben? Kann man seine Seele davon befreien? Wollen sie zwei Menschen kennenlernen, die unter anderen Umständen, eine Familie gegründet hätten? Sie ist sich selbst und er auch; beide unterhalten sich, tauschen Gedanken und Empfindungen aus – über die Dinge im Leben und das Leben selbst...

Im hauptstädtischen Jalta-Klub wird heute das Buch „Gespräche mit Dessislawa, die Soldierin“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Autoren sind die Menschenrechtsaktivistin Dessislawa Petrowa und der Journalist Iwan Tscherkesow. Seit 2010 arbeitet sie als Koordinatorin am Bulgarischen Helsinki Komitee. Zehn Jahre zuvor begann sie sich aktiv für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen einzusetzen. Dessislawa Petrowa war Mitglied der Arbeitsgruppe, die mit der Ausarbeitung der neuen Gesetzgebung, der nationalen Pläne und Vorschläge zur Veränderung der heimischen und europäischen Gesetzgebung betreffs Menschen mit nichttraditioneller sexueller Orientierung betraut war. Die Rede ist von Veränderungen im Strafgesetzbuch, einem Gesetz zum Schutz vor Diskriminierung und dem über die eingetragenen Partnerschafen.

Welche Themen werden im Buch „Gespräche mit Dessislawa“ angeschnitten? „In diesem Buch wird im Grunde genommen der Grundstein für eine neue Debatte gelegt, die anders ist, als das, was wir bisher gehört haben“, sagt Dessislawa Petrowa. „Als das Buch fertig war, begannen wir mit Iwan nach einem großen Verlag zu suchen, der es herausgeben würde. Das Buch wurde abgelehnt, mit der Begründung, dass darin nicht das steht, was man erwartet habe. Von mir, als eine Aktivistin für die Rechte der Menschen mit nichttraditionellen sexuellen Orientierungen, erhoffte man sich ein Buch voller pikanter Geschichten, die die Öffentlichkeit schockieren. Es ist aber so, dass im Buch nichts anderes steht, was nicht auch den Heterosexuellen passiert. Nichts Skandalöses – in den Augen der meisten Verleger also uninteressant. Warum dreht sich nun die Debatte in dem Buch? Im Mittelpunkt steht die Liebe. Es werden Geschichten erzählt, die mir und Iwan passiert sind. Wir sind sehr unterschiedlich, doch unsere Ideologie ist die gleiche und das hat uns zu engen Freunden gemacht, auch wenn ich lesbisch bin und er ein typisch heterosexueller Mann ist. Wir sind schon ein merkwürdiges Paar zum Schreiben eines Buches...

Was hat Dessislawa Petrowa dazu bewogen, sich derart aktiv am Kampf um die Rechte der homosexuellen Menschen zu beteiligen, dass man ihr den Spitznamen „Soldier“ gab?

Ich war schon immer sozial aktiv, bereits in der Schule“, erzählt Dessislawa Petrowa. „Damals fing es mit Aktionen zum Schutz der Umwelt an – das waren meine ersten Schritte zur Herausbildung meines Bürgerbewusstseins. Dann begann ich mich für die Rechte der Frauen zu interessieren, weil ich wegen meiner unterschiedlichen sexuellen Orientierung mehrmals Opfer von Gewalt geworden war. Dann beschloss ich mich dieser Sache zu verschreiben. Mit der Zeit hatte ich die Gelegenheit, mit vielen Menschen aus verschiedenen Schichten der Gesellschaft, darunter Behinderten und Vertretern ethnischer Minderheiten zusammenzukommen. Und so hat sich mein Tätigkeitsbereich ungemein erweitert – es gibt Tage, an denen ich nicht mal Zeit für mich habe. Ich finde aber keine Ruhe, wenn ich weiß, das irgendwo Ungerechtigkeiten passieren. Und ich kann mir nicht verzeihen, wenn ich die Möglichkeit habe zu helfen und es nicht tue. Wenn ich an eine Sache glaube, dann kämpfe ich bis zum Schluss darum.“

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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