Einer der großen bulgarischen Dirigenten, Michail Angelow, feiert seinen 80. Geburtstag. Voller Leben stand er vor dem Jugendorchester „Sofia“ und zauberte mit einem bunten Programm ein Fest für sich und seine Verehrer. Solisten waren sein Sohn, der Pianist Ljudmil Angelow und die Sängerin Alexandrina Pendatschanska – seine Schülerin und Tochter seiner Frau, der bekannten Sängerin Valeri Popowa.
Michail Angelow wuchs als Musiker unter den Fittichen von großen bulgarischen Musikern auf – dem Pianisten Dimitar Nenow, dem Dirigenten Wladi Simeonow, den Sängern und Gesangspädagogen Hristo Brambarow, Ilija Josifow und Georgi Zlatew-Tscherkin. Sie haben aus ihm einen bemerkenswerten Gesangspädagogen und Lehrer von vielen weltbekannten bulgarischen Opernsängern gemacht.
Seine Begabung, die früh entdeckt wurde, wurde von seinen Lehrern gekonnt entwickelt. Dazu trugen aber auch seine Wissbegierde und seine vielseitigen Interessen bei. Nach dem Abschluss der Musikakademie in Sofia dirigierte Michail Angelow zwei Jahre das Orchester unseres Hauses, des Bulgarischen Nationalen Rundfunks. Die glänzende Folge aus 10 Konzerten dieses Orchesters unter seiner Stabführung im großen Konzertsaal „Bulgarien“ war ein Beweis für die Qualitäten und Talente des jungen Musikers. Als Folge erhielt er ein Stipendium für eine Doktorantur am Moskauer Konservatorium für Opern- und Symphoniedirigieren, die er bei den bemerkenswerten russischen Musikern Boris Hajkin und Leo Ginsbourg glänzend abschloss.
Bereits in diesen ersten Jahren etablierte sich Michail Angelow als innovativer und experimentierfreudiger Dirigent, der ständig neue Seiten seiner Persönlichkeit zu entfalten vermag. Seit den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ist er eine der einflussreichsten führenden Persönlichkeiten im bulgarischen Musikleben. Nach seiner Rückkehr aus Moskau förderte er als Dirigent der Sofioter Oper eine Gruppe von Mitgliedern des Opernorchesters, die das bis heute berühmte Ensemble der „Sofioter Solisten“ gründeten. Sein Ansehen und seine künstlerische Leistung führten ihn in den nächsten Jahrzehnten zu den führenden Positionen in den bulgarischen Operntheatern und Symphonieorchestern. Er dirigierte und leitete die Opern in den bulgarischen Städten Russe, Plowdiw und Burgas und führte viele Jahre die Nationale Oper in der Hauptstadt Sofia. Er gehört zu den Gründern der Kammeroper in Blagoewgrad. Gleichzeitig ist er über viele Jahre Dirigent des Chors „Donauklänge“ in der Donaustadt Russe gewesen. Der Chor gewann dank seines Ehrgeizes und Talentes die Auszeichnungen der größten internationalen Chorwettbewerbe und beteiligte sich an der Aufführung von großen Werken des Gesanges, der symphonischen und Opernmusik und von Oratorien.
Michail Angelow hat 40 musikalische Bühnenwerke aufgeführt, die Hälfte davon zum ersten Mal in Bulgarien. Dazu gehören „Les Indes galantes“ von Rameau, „Dido und Aeneas“ von Purcell, „Der Feuervogel“ von Strawinski und viele andere. Es gibt auch eine Reihe bulgarischer Werke, für deren Weltprämieren er sorgte. Darunter sind das Ballet „Die Quelle der Weißfüssigen“ von Alexander Rajtschew und die Oper „Khan Krum“ von Alexander Josifow. Er hat Orchester in Bulgarien und vielen europäischen Ländern dirigiert. Michail Angelow hat erfolgreiche Auftritte in Bulgarien, aber auch in Italien, Russland, Deutschland, der Türkei und England. Überall würdigten die Kritik und das Publikum seine detailgenaue Arbeit mit dem Notenblatt, sowie seine meisterhafte musikalische Dramaturgie.
Auch sein Sohn Ljudmil Angelow glänze von klein auf mit seinem musikalischen Talent. Er hatte schon als Schüler am Musikgymnasium in Sofia seinen selbständigen Bühnenauftritt mit einem schweren Programm. Unter der Leitung seines Lehrers Konstantin Stankowitsch, einer Persönlichkeit mit großer europäischer Bildung, wurde Ljudmil Angelow zu einem glänzenden Interpreten der Romantik – Schumann, Chopin, Brahms, Mendelssohn. Spielen bedeutet für ihn Kommunikation und Übermittlung von Botschaften an das Publikum. Als origineller Pianist mit ausgeprägter Individualität gewinnt er die Hörer mit seiner Empfindlichkeit und Stileleganz. Seine Darbietung zeichnet sich durch Reichtum an Klängen und tiefes Eindringen in den Sinn der Partitur aus. Ljudmil Angelow ist ein emotioneller, feiner und intelligenter Musiker. Er ist, genau wie sein Vater, Perfektionist. Seit 1992 lebt er in Toledo in Spanien, wo er ein Internationales Musikfestival gegründet hat. Seine sehr große Erfahrung gibt er regelmäßig an jüngere Kollegen in Spanien und Bulgarien weiter. Ljudmil Angelow tritt in den angesehensten Konzertsälen in Europa und Amerika auf. Er besitzt viele internationale Auszeichnungen. Die letzte Auszeichnung - einen Grande Prix für einen Chopin-Disk erhielt Ljudmil Angelow in Warschau. Sein sehr großes Repertoire umfasst ein breites Spektrum von Werken des Barock, Klassizismus und des 19. und 20 Jahrhunderts.
Übersetzung und Redaktion: Vladimir Daskalov
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