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veröffentlicht Freitag, 10. Februar 2012 15:09
Radio Bulgarien Gesellschaft Bulgarien - Europäische Union EU-Markt

Bulgarische Eierbetriebe befürchten illoyale Konkurrenz auf dem EU-Markt 

© Foto: BGNES

Unlängst hat die Europäische Kommission 14 Mitgliedsländern ein Ultimatum gestellt, die EU-Richtlinie über die Legehennehaltung möglichst schnell umzusetzen. Die Abmahnung ging auch nach Sofia. Die EU-Richtlinie über Mindestanforderungen zum Schutz von Legehennen wurde bereits 1999 verabschiedet. Ab 2012 verbietet sie die Haltung von Legehennen in konventionellen Käfigen. Wie sieht es in Bulgarien momentan aus?

Bulgarien ist noch nicht soweit, diese Anforderungen einzuhalten. Aber es fehlt nicht viel, behauptet Landwirtschaftsminister Najdenow. Nur zehn von insgesamt 120 Betrieben erfüllen die EU-Richtlinie nicht.
"Die Branchenvereinigung hat versichert, dass die neuen Anforderungen bis Ende Mai erfüllt sein werden", erklärte Agrarminister Najdenow. "Im Juni erwarten wir eine Inspektion der Europäischen Kommission in Bulgarien. Wir hoffen, dass Bulgarien nur abgemahnt wird und es zu keinen finanziellen Strafen kommt. Zur Zeit werden in Bulgarien rund eine halbe Million Legehennen in Käfigen gehalten, die der EU-Richtlinie nicht entsprechen", gab Minister Najdenow bekannt.

Im EU-Beitrittsjahr 2007 wurden insgesamt etwa 11 Millionen Legehennen gehalten. Der Übergang zur humanen Hühnerhaltung hat den bulgarischen Betrieben enorme Kosten verursacht. Doch, nicht alle Betriebe hatten die finanzielle Kraft, ihre Hühnerställe umzubauen und mussten schließen. In den verbliebenen rund 120 Betrieben sind die Anforderungen der EU fast ausnahmslos erfüllt: Waren die bisherigen Käfige völlig kahl, stehen nun in den Kleinvolieren Sitzstangen, abgedunkelte Legenester und ein Bereich mit Sand zum Reinigen des Gefieders zur Verfügung. Deshalb fürchten sie keine Sanktionen, auch wenn nur etwa zehn Betriebe noch umgebaut werden müssen.

Die Sorgen der Branche sind ganz andere – sie befürchten illoyale Konkurrenz und Dumpingpreise für Importeier. Agrarminister Najdenow berichtet über erste Zwischenfälle. "Die Haltung von Legehennen in konventionellen Käfigen ist seit Jahresanfang verboten und deshalb achten wir nun besonders auf die Kennzeichnung der Eier im Einzelhandel. Und wir haben erste Verstöße zu melden", sagt Landwirtschaftsminister Najdenow, und erläutert: "Es handelt sich um irreführende Kennzeichnung von Eiern, die angeblich aus einem Bio-Betrieb oder aber von Legehennen in der Freilandhaltung stammen. Leider verstoßen auch große Supermarktketten, wie Kaufland, gegen die neue Regelung. So wurden dort Eier aus Polen angeboten, die in einer Zehn-Eier-Packung zum Teil aus erst gar nicht markierten Eiern bestand. Wir müssen auch ganz ehrlich sein – diese Eier sind für die Gesundheit der Menschen nicht gefährlich, aber es handelt sich um illoyale Konkurrenz, die für die heimischen Betriebe tötend sein kann", behauptet der bulgarische Landwirtschaftsminister.

Dem Vorsitzenden der Branchenvereinigung in Bulgarien Iwan Angelow zufolge ist es ausgeschlossen, dass bulgarische Betriebe den Verbraucher irreführen, denn die Kontrolle sei deutlich verschärft worden. "In den verbliebenen zehn Betrieben, wo die Legehennen noch in konventionellen Käfigen gehalten werden, ist die veterinärmedizinische Aufsicht ununterbrochen. Die Eier werden ausnahmslos zur Weiterverarbeitung abgegeben und können in die Supermärkte nicht gelangen. Deshalb fürchten wir den unlauteren Wettbewerb aus dem Ausland und fordern die Regierung, uns zu schützen. In vielen EU-Ländern gibt es große Betriebe mit bis zu 40 Millionen Legehennen. Dort wird die EU-Richtlinie für die Hühnerhaltung oft nur halbherzig erfüllt. Ich brauche nur ein Beispiel zu geben – im benachbarten Griechenland werden 90% der Legehennen in konventionellen Käfigen gehalten. In Spanien sind es 85%. In Polen haben nur die Hälfte der Betriebe ihre Hühnerhaltung modernisiert. Eier aus diesen Ländern zu niedrigeren Preisen sind unser größtes Problem", klagt Branchenchef Angelow.

Und er stieß auf ein offenes Ohr – Landwirtschaftsminister Najdenow versprach den heimischen Betrieben, seine Amtskollegen in der EU anzuschreiben, so dass die nach Bulgarien importierten Eier gemäß der EU-Richtlinie über die Legehennehaltung gekennzeichnet und zertifiziert sind.

Laut Angaben der Europäischen Kommission werden etwa 50 Millionen Legehennen in den EU-Ländern noch in konventionellen Käfigen gehalten. Allein im Januar legten sie rund eine Milliarde Eier und es besteht die Gefahr, dass diese Eier falsch gekennzeichnet in die Supermärkte kommen.

Übersetzung: Vessela Vladkova

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