In der bulgarischen Hauptstadt Sofia soll bald ein modernes Kompostwerk gebaut werden. Das Projekt über rund 20 Mio. Euro ist von der Europäischen Kommission bereits gebilligt worden, gab die Sofioter Gemeinde kürzlich bekannt. Doch, selbst mit dem modernen Werk wird die Millionenstadt Sofia nicht der Kompost-Pionier in Bulgarien sein – im kleinen Gebirgsstädtchen Welingrad ist bereits vor fast schon zehn Jahren eine Weltneuheit eingeführt worden – das Biokompostieren.
Was haben die Wüste in Libyen, das kleine Gebirgsstädtchen Welingrad in Bulgarien und das boomende Emmirat Dubai am Arabischen Golf gemeinsam? Alle drei kompostieren nach einer Technologie, entwickelt von der bulgarischen Wissenschaftlerin Prof. Maria Zlateva. Seit über 30 Jahren forscht die Biochemikerin und Mikrobiologin auf dem Gebiet der nachhaltigen und naturgerechten Landwirtschaft. Und in diesem Jahr bekam sie ihre bisher höchste Auszeichnung – den begehrten Dubai International Award des Wohn- und Siedlungsprogramms der Vereinten Nationen UN-Habitat.
Vor etwa zehn Jahren startete Prof. Maria Zlateva im westbulgarischen Welingrad ein Pilotprojekt für Biokompostieren im Familiengarten. Damit setzte sie sich gegen die bis dahin vorherrschende Expertenmeinung durch, dass sich die Haushaltsabfälle nicht zum Kompostieren eignen, weil sie Giftgase freisetzen. Um der Bildung von Giftgasen vorzubeugen, entwickelte Prof. Zlateva ein System, wie die verschiedenen Haushaltsabfälle nach ihrem Kohlenstoff- und Stickstoffgehalt getrennt und im Komposter aufeinander gereiht werden sollen.

"Wir haben das Biokompostieren im Haushalt nach meinem System in Welingrad als Weltneuheit eingeführt. Dadurch werden die wertvollen biologisch abbaubaren Haushaltsabfälle verwertet, und die Belastung der städtischen Mülldeponie konnte sofort deutlich reduziert werden. Die Haushaltsabfälle einer Familie auf dem Land sind zu 90% biologisch abbaubar. Als wir mit dem Biokompostieren angefangen haben, führten wir ein Experiment mit einer Familie durch – in vier Monaten sammelten sich etwa 120 kg Abfälle an, davon konnten nur 4 kg für die Kompostierung nicht verwendet werden."
Biokompost hat im Vergleich zum konventionellen Kompost einen deutlich höheren Nährstoffgehalt und einen wesentlich höheren Anteil an organischer Masse. Dadurch hat Biokompost einen äußerst guten und schnell sichtbaren Düngungseffekt. Dafür sind die Einwohner des kleinen Städtchens Welingrad Prof. Zlateva sehr dankbar – dank ihrer Kompost-Technologie wechselten viele von ihnen zum Bioanbau und produzieren heute Obst und Gemüse über den Eigenbedarf hinaus. Für die Gärtner in Welingrad ist das Kompostieren eine Art "Sparkasse" geworden.
Und für die Menschen in Libyen und Dubai ist die Kompostierungstechnologie von Prof. Maria Zlateva noch wertvoller. Dort hat sie aus Kompost und Sand fruchtbaren Sandboden hergestellt.
"Innerhalb eines Jahres erzielten wir in der libyschen Wüste vier Ernten Futtergetreide, süße Wassermelonen, hochwertige Weintrauben und Kartoffeln. Nach diesem Vorbild ließ der verstorbene Scheich Zayed in Dubai Boden aus Sand und Kompost herstellen und legte in kurzer Zeit einen grünen Gürtel von 10.000 Hektar an."
Zu Ehren des Umweltengagements von Scheich Zayed stiftete das Wohn- und Siedlungsprogramm der Vereinten Nationen UN-Habitat 1996 den Dubai International Award. Mit diesem mit 30.000 US-Dollar dotierten Preis wurde die bulgarische Wissenschaftlerin Prof. Zlateva in diesem Jahr für ihre langjährige Arbeit im Abfallmanagement und Kompostieren geehrt.
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