Samstag, 18. Mai 2013 

Skip Navigation LinksRadio Bulgarien

Search in site

Навигация

veröffentlicht Samstag, 28. April 2012 13:00
Radio Bulgarien Gesellschaft Geschichte

Toleranzedikt von Serdica 

Autor: Lina Iwanowa

© Foto: Archiv

Eine der Hauptstraßen von Serdica aus dem II.-III. Jahrhundert.
Münze mit der Abbildung des Kaisers Galerius
„Unter allen Überlegungen, welche wir zum Wohle und Erfolg des Staates zu tätigen gewohnt sind, hatten wir vormals auch entschieden, alle Dinge in Übereinstimmung mit den überlieferten Gesetzen und der Ordnung Roms zu regeln und bestimmt, dass sogar die Christen … zur Vernunft gebracht werden sollten … Schlussendlich, als unser Gesetz mit dem Zweck verkündet wurde, sie sollen den altgedienten Sitten folgen, unterwarfen sich viele aus Angst vor der Gefahr, viele erduldeten jedoch den Tod … Als wir nun sahen, dass sie den Göttern weder die Verehrung und schuldige Ehrfurcht noch Anbetung … zollten, gedachten wir, angesichts unserer höchsten gnädigen Milde … dass wir auch diesen unverzüglich Nachsicht gewähren, auf dass sie wieder Christen sein können und ihre Versammlungen abhalten mögen, vorausgesetzt, dass sie nicht entgegen der Zucht handeln … Aufgrund unserer Nachsicht sollen sie zu ihrem Gott für unsere Sicherheit, für die des Staates und für ihre eigene beten, damit der Staat weiterhin unbeschadet bleibt und sie sicher in ihren Häusern leben können.“

Mit diesem Edikt des römischen Kaisers Galerius (ca. 250- 311) endete am 30. April 311 die letzte und blutigste Christenverfolgung im Römischen Reich. Das Christentum wurde durch kaiserlichen Erlass zur „religio licita“, zur öffentlich zugelassenen Religion. Zwei Jahre später, im Jahr 313, bekräftigten die beiden Kaiser Konstantin und Licinius in der „Mailänder Vereinbarung“ den eingeschlagenen Weg, als sie gemeinsam erklärten: „Wir geben den Christen und Anderen die politische Ermächtigung, der Religion zu folgen, der sie wollen.“ Nicht Kaiser Konstantin, den man später „den Großen“ nannte, leitete also die Wende für die Christen ein. Sondern es war Galerius, der kurz vor seinem Tod die Weichen dafür stellte, dass sich aus der vormals unterdrückten christlichen Religion die Leitkultur Europas und die am weitesten verbreitete Weltreligion entwickeln konnte.

Galerius Valerius Maximianus war der (nicht immer verlässlichen) Überlieferung zufolge ein illyrischer Hirte und stammte den alten Kirchenchroniken zufolge aus der Gegend von Serdica, der heutigen bulgarischen Hauptstadt Sofia. Aufgrund von Ausgrabungen konnte Galerius' Geburtsort 1984 genau bestimmt werden. Er liegt rund 160 Kilometer von Serdica entfernt in der Nähe des heutigen serbischen Ortes Zaječar und besteht heute nur noch aus monumentalen Ruinen: An der Stelle, an der sein Heimatdorf lag, baute Galerius später eine Residenz und nannte diese zu Ehren seiner Mutter Romuliana.

Als junger Mann ging Galerius zur Armee und machte hier eine steile Karriere. In die höchsten Staatsämter gelangte er durch Kaiser Diokletian. Dieser hatte sofort nach seiner Erhebung zum Kaiser im Jahr 284 eine umfassende Reform des Römischen Imperiums eingeleitet und damit eine fünf Jahrzehnte währende Dauerkrise beendet. Zur effektiveren Verwaltung des Riesenreiches und zur Sicherung der bedrohten Grenzen erfand Diokletian das System der Tetrarchie, bei dem sich zwei Oberkaiser (Augusti) und zwei Unterkaiser (Caesares) die zivile Regierungsgewalt sowie das Kommando über die Streitkräfte teilten. Galerius wurde 293 von Diokletian zum Unterkaiser für den Osten ernannt.
Damit der Staat auch mit dem neuen Vier-Kaiser-System innerlich stabil blieb, erneuerte Diokletian den alten heidnischen Staatskult. Als einigendes Band sollte er alle römischen Bürger umschließen. Für das Christentum war damit kein Platz mehr im Reich, obwohl es neben dem Staatskult eine der stärksten Glaubensgemeinschaften im Römischen Riech darstellte. Diokletian verfügte 303 die Liquidierung aller Bischöfe, die Zerstörung aller Kirchen, die Vernichtung sämtlicher religiösen Schriften der Christen sowie die Todesstrafe für alle Getauften, die sich nicht vom christlichen Glauben lossagten. Im Ostteil des Reiches setzte er gemeinsam mit Galerius die Verfolgung konsequent durch, während im Westen die beiden Kaiser Maximian und Konstantius Chlorus (und nach dessen Tod im Jahr 306 sein Sohn Konstantin) mit weniger Nachdruck vorgingen.

Als sich Diokletian 305 ins Privatleben zurückzog, führte Galerius den bisherigen Kurs zunächst fort. Doch stieß die staatlich angeordnete Verfolgung in der Bevölkerung auf immer mehr Widerstand. 311 musste Galerius das Scheitern der kaiserlichen Religionspolitik eingestehen. Er war zuvor schwer an Krebs erkrankt; seine Erkrankung wurde von den christlichen Chronisten als der Auslöser seines inneren Wandels zur Duldung des Christentums angesehen. Die Beweggründe waren aber politischer Natur. Galerius hatte einsehen müssen, dass die Christen von der Verfolgung nicht entscheidend getroffen worden waren und musste sich daher Gedanken um die Stabilität des Reiches machen. Im Frühjahr des Jahres 311 wurde in Serdica im Namen aller vier damals regierenden Kaiser ein Edikt herausgegeben. Bekannt gegeben wurde es am 30. April des gleichen Jahres in Nikomedia, der heutigen türkischen Stadt Izmit. Daher wird das Toleranzedikt des Galerius häufig auch als „Toleranzedikt von Nikomedia“ bezeichnet.

In der Konsequenz bedeutete das Edikt die erstmalige Anerkennung des Christentums als „erlaubte” Religion. Einiges spricht dafür, dass das Dokument auf Druck Konstantins zustande gekommen war, der die Herrschaft im Westen des Reiches an sich gezogen und dort bereits eine für Christen freundliche Politik eingeschlagen hatte.

Mit dem Toleranz-Edikt des Galerius wurden die staatlichen Verfolgungsmaßnahmen eingestellt. Christen durften nun ungestraft das Opfer vor dem Bild des Kaisers verweigern, wenn sie bereit waren, für das Wohl des Staates zu beten. Der Staat verpflichtete sich, konfisziertes Eigentum zurückzuerstatten und zerstörte Kirchen wieder aufzubauen. Galerius starb kurz nach Veröffentlichung seines epochalen Toleranz-Edikts. So blieb er der mehrheitlich christlichen Nachwelt weiterhin vor allem als „persecutor“ (Verfolger) in böser Erinnerung. Auch wenn Konstantin erst auf dem Sterbebett die Taufe empfing, machte ihn die Nachwelt zum „ersten christlichen Kaiser“. Und die von ihm mitunterzeichnete Mailänder Vereinbarung wurde im Bewusstsein der Menschen zur „Konstantinischen Wende“, die das Toleranz-Edikt des Galerius überstrahlte.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Empfehlen

Schließen

 

recipient1@mail.com;recipient2@mail.com

 

sender@mail.com

Mehr von der Kategorie Geschichte

Alles von der Kategorie Geschichte