Ein weiteres Mal haben die Naturgewalten das Leben von unschuldigen Menschen gefordert und die verantwortlichen Institutionen unvorbereitet angetroffen. Eine Sechsmeterwelle aus dem beschädigten Stausee Iwanowo in der Nähe der südbulgarischen Stadt Haskowo überschwemmte einige Dörfer im Rhodopen-Vorland. Eines davon – das Dorf Bisser wurde am stärksten in Mitleidenschaft gezogen und bleibt unter Wasser. Die offiziell gemeldeten Opfer der Wassermassen nähern sich der Zahl 10. 800 Menschen sind obdachlos und viele landwirtschaftliche Tiere sind ersoffen. Die überschwemmten Dörfer sind durch Erdrutsche blockiert und einige von ihnen sind immer noch nicht erreichbar, weil die Strassen unterbrochen sind. Im Zusammenhang mit dem tragische Tod der bulgarischen Bürger in dieser schweren Naturkatastrophe und als Zeichen des Mitgefühls für die Familien der Opfer erklärte die Regierung von Bojko Borissow den 8. Februar 2012 zum Tag der nationalen Trauer.

Die Lage in den betroffenen Regionen ist weiterhin kritisch, weil die Menschen weiterhin ohne Strom und Trinkwasser sind. Für die Rettungsarbeiten wurden Teams der Innenministeriums, des Zivilschutzes, der Forstverwaltung, der Bewässerungsverwaltung und des Bulgarischen Roten Kreuzes mobilisiert. Wegen des starken Schneefalls bleibt der Notstand in der Region von Haskowo und Kardschali im Süden des Landes in Kraft.

Diese Meldungen sind ein weiterer Beitrag zur schwarzen Katastrophenstatistik. Wegen starker Regenfalle lag im August 2005 halb Bulgarien unter Wasser, drei Stauseen traten über ihre Ufer und Tausende Menschen waren betroffen. Eine Zweimeterwelle aus einem schlecht gewarteten Stausee überschwemmte das Städtchen Zar Kalojan. Dabei starben acht Menschen und ein Drittel der Häuser wurde zerstört. Auch damals wurde die Schuld der Naturgewalt gegeben. Die Stauseen werden bei uns von verschiedenen Institutionen bewirtschaftet. Und die Verantwortung ist nicht eindeutig unter verschiedenen Behörden verteilt. Das wird leider den Opfern nicht helfen und die Zerstörungen für Millionen nicht ungeschehen machen. Der wahre Grund für solche Tragödien ist die schlechte Bewirtschaftung, besonders der kleineren Stauseen, die seit Jahren zerfallen. Trotz der Anordnungen der verantwortlichen Institutionen rechtzeitig einzugreifen, um solche Situationen zu vermeiden, wird oft nichts getan. Die Naturkatastrophen wiederholen sich und fordern weiterhin Opfer.
Übersetzung: Vladimir Daskalov
Fotos: BGNES