Eine populäre Geschichte erzählt, wie der Student Bill Gates mit seinem Harvard-Professor gewettet hat, dass er spätestens mit 30 Jahren Millionär sein wird. Mit 30 war Gates mehrfacher Millionär.
Ist es heutzutage möglich, mit 25 Jahren ganz legal Millionär zu werden? Ja. Zumindest in Bulgarien. Ein neues Phänomen ist hierzulande geboren – laut Angaben des Finanzamtes gibt es nicht wenige bulgarische Staatsbürger unter 30 Jahren, die neben ihren Gehältern Einkommen in Millionenhöhe angegeben haben. Fünf von ihnen haben in nur einem Jahr mehr als 5 Millionen Euro Einkommen deklariert. Nochmals – gemeint sind physische Personen, keine Firmen. Unter den neuen jungen Reichen Bulgariens gibt es Bankkaufleute, Berater, Fernsehproduzenten, Rentiers, und natürlich viele ranghohe Manager. Rufen die Steuererklärungen solch junger Steuerzahler Fragen hervor?

"Natürlich gibt es Fälle, wenn wir uns fragen, wie jemand unter 30 Jahren so hohe Einkommen haben kann", gibt Rossen Batschwarow vom Finanzamt in Sofia zu. "Stellen Sie sich vor, jemand mit 25 oder 26 Jahren ist Berater eines Konzerns und hat einen Honorarvertrag für eine Million Euro abgeschlossen. Da wird man als erfahrener Beamter stutzig. Andererseits werden eher die Finanzfahnder stutzig, denn hinter diesen ungewöhnlich hohen Einkommen vermuten sie Geldwäsche oder andere kriminelle Handlungen. Für das Finanzamt sind es aber deklarierte Einkommen und bezahlte Steuern. Also hat die Medaille die berühmt-berüchtigte Kehrseite", sagt Rossen Batschwarow.
Das Finanzamt leugnet aber ein anderes Phänomen nicht – die fiktiven Geldanleihen unter "Freunden". So gab ein Geschäftsmann aus einer Kleinstadt an, sich einen nagelneuen Bentley mit geborgtem Geld von sage und schreibe 42 Freunden gekauft zu haben. Angaben des Finanzamtes zufolge belaufen sich die fiktiven Kredite auf eine halbe Milliarde Euro in zwei Jahren. Der Gesetzgeber hat dem aber eine Riegel vorgeschoben – alle Geldanleihen über 5000 Euro müssen ab diesem Jahr in der Steuererklärung angegeben werden. Die wohlhabenden Schlaumeier haben aber prompt eine neue Masche erfunden – die Luxuskarossen und der Diamantenschmuck sind ab sofort ein Geschenk. Die Steuerfahnder greifen nun zu bewährten Mitteln ihrer deutschen Kollegen – bulgarische Kunden Schweizer oder Liechtensteiner Banken dürfen besorgt sein, ob ihre Namen in den berüchtigten CDs auftauchen, die sich Nordrhein-Westfalen und bald Baden-Württemberg auf der Suche nach Steuersündern besorgt haben. Der Chef des bulgarischen Finanzamtes Krassimir Stefanow reiste letzte Woche nach Berlin, um über den kostenlosen Zugang zu den umstrittenen CDs zu verhandeln. Nach dieser Nachricht haben sich gleich 17 bulgarische Staatsbürger mit Konten in der Schweiz beim Finanzamt gemeldet. Rossen Batschwarow betont ausdrücklich, dass es noch lange kein Verbrechen ist, wenn man ein Konto in der Schweiz hat. Und weiter:
"Unsere Aufgabe ist sehr einfach – Zugang zu dieser Information zu bekommen – legal oder illegal", sagt Rossen Batschwarow vom bulgarischen Finanzamt. "Wir müssen prüfen, ob alle bulgarischen Staatsbürger mit Konten in der Schweiz und Liechtenstein legale Einkommen, und ob sie ihre Steuern gezahlt haben. Sollten sie Steuern hinterzogen haben, müssen sie mit strafrechtlichen Folgen rechnen. Deutschland kam für 2,5 Millionen Euro in den Besitz der besagten CD. Diese Information kann nicht als Beweismittel gelten, aber wir haben ausreichend Möglichkeiten, in konkreten Verdachtsfällen zu ermitteln und ganz legal zu beweisen, ob Steuern hinterzogen wurden, oder nicht. Über 4000 bulgarische Staatsbürger haben Bankkonten im Ausland. Die vermutete Summe liegt zwischen 150 und 300 Millionen Euro. Zu prüfen, woher das Geld kommt, lohnt sich allemal", sagt Rossen Batschwarow.
Redaktion: Vessela Vladkova