Mit Secondhand-Klamotten herumlaufen, ist in Bulgarien inzwischen total in. Selbst auf der Sofioter Prachtstraße "Witoschka" kann man hören, wie durchgestylte Blondinen mit ihrer "super fashion Marken-Jeans" für 3 Euro aus dem Second-Hand-Laden angibt.
In der Nähe unseres Senders in der Sofioter Innenstadt, hat man in fünf Minuten mindestens acht Second-Hand-Läden. Dort kaufen aber keine sozial schwache Menschen und Obdachlose ein, sondern fast ausschließlich junge und oft umweltbewusste Menschen. Man trifft aber auch auf Kinostars und Fernsehmoderatoren, die sich nicht scheuen, zu getragenen Klamotten zu greifen und ihnen ein zweites Leben zu schenken. Die kleinen schmucken Geschäfte sind ausgesprochen liebevoll eingerichtet und erinnern viel mehr einer Boutique. Erst auf dem zweiten Blick sieht man, dass es sich um einen Second-Hand-Laden handelt. Und das Geschäft blüht. Die Gründe dafür sind mehrere - einerseits waren die Bulgaren noch zu sozialistischer Zeit stets um auffallende Bekleidung bemüht, andererseits wollen die jüngeren Menschen, die jene Zeit nicht kennen, nicht von der Stange gekleidet sein. Und natürlich kauft man dort billiger - drei Euro die Jeans, ein Euro das T-Shirt. Für Antoaneta Haralambiewa, die neben einem solchen Second-Hand-Laden selbstgemachten Schmuck verkauft, sind zudem die Kleider dort auch dazu von besserer Qualität.
"Zur Stammkundschaft gehörten meist Menschen, die Wert auf ihr Äußeres legen und ihren eigenen Stil beim Ankleiden haben", sagt Antoaneta. "Die Kleider sind meist in einem guten Zustand, viele sind gar nicht getragen, und die Qualität ist besser, als bei vielen Labeln in den großen Shopping-Malls. Die Second-Hand-Händler kennen ihre Kunden persönlich und bieten gezielte Sachen an. Deshalb läuft das Geschäft sehr gut", ist Antoaneta überzeugt. Sie hat sich gerade zwei ungetragene Tops gekauft.
Und auch Swetla, die nur "zum gucken" reingekommen ist, meint, dass die Second-Hand-Läden ihren Platz auf dem Markt haben. Sie freut sich immer, wenn Kleider und Gegenstände eine zweite Chance bekommen. "Wenn man es genau nimmt, sind alle Kleider second Hand - die Klamotten, die man in den anderen Geschäften kauft, sind vielleicht mehrmals anprobiert worden. Es ist also ziemlich relativ, ob ein T-Shirt nagelneu ist oder doch nicht", philosophiert Swetla.
Ähnlich sieht es auch der 38jährige Emil. Zur Stammkundschaft gehören nämlich auch Männer. "Natürlich kaufe ich hier ein - die Sachen sind in der Qualität und Verarbeitung viel besser, als manch so ein modischer Label", sagt Emil. "Die Second-Hand-Läden bieten Farben, Modelle und Marken, die man sonst kaum sehen kann. Außerdem findet man oft ungetragene Klamotten, manche haben sogar noch ihre Etiketten dran, weil sie nach Ladenräumungen in Westeuropa hierher verfrachtet wurden", sagt Emil. Und fährt mit seinem Second-Hand-Fahrrad weg. Es ist nämlich auch eine Ansichtssache, ob man Geld in die Billigproduktion in Entwicklungsländern stecken will, wenn man neue Kleider von der Stange kauft.
Übersetzung und Redaktion: Vessela Vladkova