Brandungsfischen, Fliegenfischen, Hegenenfischen – nicht jeder kann mit diesen Begriffen etwas anfangen. Nichts so die Angler, die mit Leib und Seele dabei sind. Vor zwei Wochen kamen sie zum zweiten Nationalen Anglertreff zusammen.
Erst zum zweiten Mal trafen sich die begeisterten Angler Bulgariens. Der erste Anglertreff fand 1910 statt, damals in der Donaustadt Swistow. Der große Zeitabstand ist keinesfalls mit geringem Interesse am Angelsport zu erklären, behauptet Valentin Simow vom Bulgarischen Angler- und Fischerverband.
„Ein ganzes Jahrhundert musste vergehen, bis wir in Bulgarien ein Nationales Treffen organisiert haben“, sagt Valentin Simow. „Die Tradition ist aber in all diesen Jahren wach gehalten worden – zum Nikolaustag am 6. Dezember gab es immer verschiedene Veranstaltungen, aber nicht in diesem Umfang. Dieses Mal waren auch erfolgreiche Angler dabei. Es gab auch Demonstrationen. Wir sind sehr froh, dass sich alle regionalen Verbände schnell bereit erklärten, den Nationalen Anglertreff mitzuorganisieren und daran teilzunehmen. Es fanden immerhin 1200 Angler aus dem ganzen Land zusammen. Darauf haben wir beschlossen, alle vier Jahre einen Nationalen Anglertreff zu organisieren", sagt Valentin Simow.
Beim Nationalen Anglertreff gab es eine Reihe von Demonstrationen, eine zog aber die Aufmerksamkeit der Teilnehmer besonders stark an – eine kurze Show mit Erklärungen zum Castingsport. Dabei handelt es sich um eine Wurfsportart. Ein genau definiertes Gewicht, das "Castinggewicht" oder eine künstliche Fliege, genannt auch Turnierfliege, wird mit Hilfe einer Angelrute auf ein bestimmtes Ziel oder möglichst weit geworfen. Wie so viele Sportarten kommt auch der Castingsport aus den USA. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich diese Sportart aus dem "sportlichen Angeln". Bei dem Sportgerät, der Angelrute und -rolle also, handelt es sich um handelsübliche Geräte, die man in jedem Angelladen bekommen kann. Somit sind die Anschaffungskosten in dieser Sportart recht gering. Das ist nämlich auch der Grund, weshalb der bulgarische Anglerverband diese Sportart für die Jugendlichen in Bulgarien attraktiv machen will, zumal Bulgarien vor der Wende recht viele internationale Erfolge im Castingsport aufweisen kann. Doch, auch der "normale" Angelsport erfreut sich seit Jahren einer großen Popularität in Bulgarien, wie Valentin Simow vom Angler- und Fischerverband berichtet:
"Laut unserer Statistik werden jährlich 250.000 neue Anglerscheine ausgestellt", sagt Valentin Simow. "Darunter gibt es nicht nur eingefleischte Angler, sondern auch Kinder und Jugendliche. Beim Angeln fühlt man sich so frei, wie sonst nirgendwo. Man ist in der freien Natur, genießt die Ruhe und die schöne Landschaft – was will man mehr? Ich fühle mich danach immer sehr ausgeruht, frisch und habe den Stress schnell vergessen", erzählt Valentin Simow.
Jeder, der in Bulgarien angeln will, muss einen Anglerschein haben. Dieser kostet umgerechnet etwa 15 Euro im Jahr und ist somit für alle erschwinglich. Schüler und Behinderte dürfen kostenlos angeln. Die Einnahmen aus den Anglerscheinen kommen dem Angler- und Fischerverein zugute, wobei ein Viertel der Summe per Gesetz für die Aussetzung von Jungfischen bestimmt ist.
"In Bulgarien gibt es viele Seen und Flüsse, wo man angeln kann", erzählt weiter Valentin Simow vom Angler- und Fischerverband. "Allein die Stauseen sind über 200. Hinzu kommen die Flüsse und Bäche. Die Vielfalt an Süßwasserfischen ist auch recht groß – Hecht, Karpfen, Barsch, Barbe, Döbel. Um so wichtiger ist es also, diese Vielfalt aufrechtzuerhalten, und deshalb ist das Aussetzen von Jungfischen eine sehr wichtige Aufgabe, die unser Verein erfüllt", sagte abschließend Valentin Simow vom Angler- und Fischerverein.
Übersetzung: Vessela Vladkova