Daniel ist ein 23 Jahre alter Bauarbeiter mit Oberschulbildung. Er ist vor wenigen Monaten aus Frankreich zurückgekehrt, wo er durch die Vermittlung eines bulgarischen Bauunternehmens im Laufe von zehn Monaten gearbeitet hat. Nach seiner Rückkehr in hatte er mehrere Jobs in der Baubranche, ist aber weder mit der unregelmäßigen Bezahlung noch mit der Arbeit, die er zu verichten hatte, zufrieden. Deshalb sucht er einen neuen Job in der EU, wo der Lebensstandard höher ist. Ähnlich klingt die Geschichte vieler junger Leute, die nach einer Arbeitsstelle im Ausland aus sind.
Wir reden hier nicht von bulgarischen Fachleuten, deren Arbeitschancen im Ausland ziemlich gut stehen.
Die meisten von ihnen wandern auf Dauer in die Länder aus, in denen sie eine Stelle gefunden haben. Angaben der Bulgarischen Nationalbank zufolge haben die bulgarischen Emigranten von Januar bis Mai 2012 ca. 340 Millionen Euro nach Bulgarien überwiesen – das ist in etwa so viel wie in der gleichen Vorjahresperiode. Aus Daten der Beschäftigungsagentur geht hervor, dass im ersten Halbjahr 2012 mehr als 1400 Bulgaren legal eine befristete Beschäftigung im Ausland gefunden haben. Die Zahl unserer Landsleute, die ohne die Unterstützung der Beschäftigungsagentur einem Job im Ausland nachgehen, ist hierbei nicht einbegriffen. 1200 bulgarische Saisonarbeiter sind in der spanischen Landwirtschaft beschäftigt. Weitere 100 sind als Mitarbeiter an einer großen Fastfood-Kette in Deutschland tätig. Andere arbeiten als Hilfspersonal in Hotels oder als Haushaltshelfer. Die bulgarische Beschäftigungsagentur gehört dem europaweiten Netzwerk EURES an, das die Mobilität im Bereich des Arbeitsmarktes über Grenzen hinweg fördert. Jeder Arbeitgeber in der EU und aus der Schweiz kann über dieses Netzwerk bulgarische Arbeiter und Angestellte engagieren. Nach dem Beitritt unseres Landes zur EU im Jahr 2007 haben einige Staaten ihre Arbeitsmärkte schneller für bulgarische Arbeitnehmer geöffnet als andere. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können Bulgaren ohne eine Arbeitserlaubnis in Dänemark, Estland, Spanien, Island, Griechenland, Portugal, Polen, Rumänien, Italien, Zypern, Litauen, Lettland, der Slowakei, Finnland, Slowenien, Ungarn, Tschechien und Schweden arbeiten. Dieses Jahr hat auch Deutschland den Zugang bulgarischer und rumänischer Arbeitnehmer zu seinem Arbeitsmarkt erleichtert.
Um aber in Österreich, Belgien, den Niederlanden, Irland, Großbritannien, Frankreich, Malta und Luxemburg arbeiten zu können, brauchen die Bulgaren eine Arbeitserlaubnis. Die können sie bekommen, falls kein Bürger des jeweiligen Staates diesen Job ausüben möchte. Der Bauarbeiter Daniel, von dem anfangs die Rede war, war mit der Bezahlung und der sozialen Sicherheit in Frankreich zufrieden. Er hat dort 1350 Euro für seine Arbeit bekommen. Die bulgarische Firma, die ihn vermittelt hat, hat dafür die in Bulgarien höchstmöglichen Sozial- und Versicherungsbeiträge entrichtet.
Welche Berufe sind in der EU am meisten gefragt? Ein schneller Blick in die EURES-Liste der freien Arbeitsplätze zeigt, dass die Arbeitgeber dort vor allem Finanzexperten, Verkäufer, Promoter, Haushaltshelfer, Ärzte, Krankenschwestern, Krankengymnasten und Elektrotechniker suchen. Laut dem November-Bericht der EK ist das Bruttoprodukt der EU dank der bulgarischen und rumänischen Gastarbeiter um 0,3 Prozent angestiegen. So wird die Meinung widerlegt, dass in Zeiten der Krise die Arbeitsnehmer aus Bulgarien und Rumänien eine Belastung für die örtlichen Arbeitsmärkte seien.
Übersetzung: Rossiza Radulowa