Bulgarien besitzt unter den europäischen Staaten die geringste Ressource an fließenden Gewässern. Zugleich verfügt das Land über bedeutende Vorräte an Mineralwassern. Experten schätzen ein, dass der Vorrat aller Mineralwasserquellen Bulgariens der Menge allen in der Welt abgefüllten Mineralwassers entspricht. Im Land gibt es Hunderte an Mineralwasserquellen an insgesamt 220 Orten. Pro Sekunde sprudeln mehr als 5.000 Liter aus dem Erdreich. Die Qualität und die Eigenschaften des Mineralswassers ist unterschiedlich: einige Quellen besitzen einen guten Geschmack und eignen sich insbesondere als Tafelwasser, andere sind für die Behandlung verschiedener Krankheiten geeignet. Bedauerlicherweise wurde von diesem ernormen Potential in Bulgarien kaum Gebrauch gemacht. Besonders in den letzten zwei Jahrzehnten wurden die Mineralwasserquellen stark vernachlässigt und lediglich zur Herstellung vom Trinkwasser genutzt. Diese Branche schreitet nunmehr aber schnell voran, vor allem aufgrund des veränderten Konsumverhaltens der Bulgaren. Heutzutage trinken die Bulgaren im Vergleich zu früheren Zeiten mehr Mineral- als Leitungswasser.
Die meisten Mineralwasserquellen in Bulgarien werden von den Gemeinden verwaltet. Die größeren Quellen sind aber Staatseigentum und nur das Umweltministerium darf Ausschreibungen für ihre Nutzung vergeben. Die Statistik zeigt, dass zur Zeit etwa 1/3 aller bulgarischen Quellen genutzt werden. Um diesem geringen Interesse entgegenzuwirken, will nun der Staat die Hälfte der großen staatseigenen Quellen den Gemeinden gratis zur Verfügung stellen. Dabei gibt es drei Kriterien zur Bestimmung, für welche Quellen eine kostenlose Konzession erlaubt ist: erstens – es dürfen keine Ausschreibungen über Nutzungsformen der betreffenden Quelle vorliegen; zweitens – die Gewässer dieser Quelle dürfen für die Wasserversorgung nur von einer Gemeinde genutzt werden und drittens - die verwendeten Wassermengen dürfen nicht mehr als 50 % der gesamten Kapazität der Quelle ausmachen. Schätzungen zufolge entsprechen diesen Kriterien ungefähr 70 der 102 große staatseigene Quellen.
„Die Prozedur wird folgendermaßen ablaufen“, erklärt die Umweltministerin Nona Karadschowa. – „Am Ende jedes Jahres wird eine Bilanz über diejenigen Mineralwasserquellen gezogen, die nicht mal zu 50 % genutzt werden. Den Gemeinderäten wird es ermöglicht, die Verwaltung über diese Quellen für einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren zu überlassen. Die Gemeinden könnten dann ihrerseits entscheiden, ob sie die Konzessionen für die Wasserquellen kostenlos oder gegen Bezahlung vergeben werden. Dort, wo ein größeres Interesse besteht, wird eine Bezahlung vorausgesetzt und dort, wo weniger Interesse ist – keine. Das Wichtigste dabei ist, dass mehr Initiativen in diesem Bereich gefördert werden. Wir hoffen sehr, dass diese wichtige Ressource, von der im Moment höchstens ein Fünftel genutzt werden, eine sinnvolle Anwendung findet. Auch wenn die Gemeinden die Wasserquellen zur kostenlosen Nutzung an Investoren, Schulen oder Krankenhäuser zur Verfügung stellen, wäre dies besser, als wenn das Wasser einfach natürlich weiterfließt.“
Zehn der staatseigenen Mineralwasserquellen, für die eine kostenlose Konzession erlaubt ist, befinden sich in der Gemeinde von Sofia. In der Hochebene von Sofia sprudeln insgesamt mehr als 50 geothermale Wasserquellen.
„Die Gemeinde von Sofia verfügt über viele Mineralwasserquellen, die jedoch kaum genutzt werden“, sagt Ministerin Karadschowa. „In Sofia gibt es derzeit keine großen Einrichtungen, wie Swimmingpools oder Aquaparks, die mit Mineralwasser gefüllt sind, auch wenn Sofia reich an Mineralwasserquellen ist. Ich hoffe, dass die Hauptstadt nun von der neuen Möglichkeit zur kostenlosen Nutzung der Mineralgewässer Gebrauch machen wird, das im Interesse der Öffentlichkeit steht.“
Zur Römerzeit gewann die Stadt Sofia (damals Serdica) an Bedeutung aufgrund ihrer Mineralgewässer. Dies beweisen die zahlreichen ausgegrabenen hydrothermalen Einrichtungen. Nun möchten die Stadtplaner, dass Sofia wieder ein international bekannter Badekurort wird. Dafür ist eine Erneuerung der Sofioter Stadtteile Bankja, Gorna Banja und Pantscharewo vorgesehen, wo es alte Kurbäder gibt. Aber auch der Aufbau neuer Zentren mit verschienen modernen Prozeduren und Erholungsmöglichkeiten ist vorgesehen. Die Bewohner von Sofia wünschen sich am meisten, dass die geplanten modernen hydrothermalen Wellneszentren in der Hauptstadt, bald eröffnet werden.
Übersetzung und Redaktion: Nikolina Hristoskowa