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veröffentlicht Mittwoch, 9. Juni 2010 15:00
Radio Bulgarien Gesellschaft Politik

Regierung erntet zunehmend mehr Kritik 

© Foto: Archiv

Auch Premierminister Bojko Borissow selbst hat an Ansehen eingebüßt, auch wenn ihn weiterhin 40 Prozent der Bürger befürworten und lediglich 25 Prozent ablehnen.
Zum ersten mal seit Amtsantritt des Kabinetts Borissow ist die Zahl der kritisch gestimmten Bürger mehr als die der Befürworter der Regierung. Auch Premierminister Bojko Borissow selbst hat an Ansehen eingebüßt, auch wenn ihn weiterhin 40 Prozent der Bürger befürworten und lediglich 25 Prozent ablehnen. Das weisen die Ergebnisse einer Umfrage aus, durchgeführt von der Meinungsforschungsagentur „Alpha Research“ Ende vergangenen und zu Beginn dieses Monats.

In den vergangenen vier Wochen ist die Unterstützung für die GERB-Partei von Ministerpräsident Borissow um neun Prozent gesunken. Der Stimmenverlust hat sich aber keinesfalls positiv auf die Gegnerparteien ausgewirkt, die nicht an Unterstützung gewonnen haben. Die Zahl jener, die nicht zu den Wahlurnen gehen würden ist auf 39 Prozent gestiegen. Laut „Alpha Research“ könne diese Tendenz darauf zurückgeführt werden, dass die Bürger zunehmend mehr alle Ereignisse im Land durch das Prisma der Wirtschaftskrise und ihrer persönlichen finanziellen Lage und Aussichten betrachten.

„Obwohl die Aktionen von Innenministerium und Polizei gegen die Korruption und die Kriminalität von mehr als zwei Dritteln der Bürger für gut geheißen werden, wurden sie von zwei anderen Ereignissen aus dem wirtschaftlichen Bereich übertroffen“, sagt Borjana Dimitrowa, Direktorin der Meinungsforschungsagentur „Alpha Research“. „Nach langen Diskussionen wurde im Endeffekt die Mehrwertsteuer nicht angehoben, was von den Menschen als eines der positivsten Dinge bewertet wird, die sich in der letzten Zeit ereignet haben. Nicht minder befürwortet wird die Absicht der Regierung, die Ausgaben für die staatliche Verwaltung zu kürzen. Dafür stößt die Entscheidung, die Zuschüsse für Universitäten, Theater, wissenschaftliche und kulturelle Institutionen zu verringern auf Ablehnung (56%). An zweiter Stelle werden die Probleme bei der Ausstellung der neuen Ausweispapiere genannt (53%). Ebenfalls eine Ablehnung, wenn auch nicht auf einem der führenden Plätze, erfährt die Streichung des ab dem 1. Juni geplanten allgemeinen Rauchverbots an öffentlichen Orten. Der Rückzug von Regierung und Parlament wird als ein Ergebnis lobbyistischen Drucks interpretiert.“

Trotz der Meldungen über eine Belebung der Wirtschaft in einigen Zweigen, die Senkung der Arbeitslosigkeit und die bevorstehende sorgenfreiere Sommersaison, sehen die Bürger Bulgariens weiterhin mit Pessimismus in die Zukunft. Die meisten befürchten, dass wir nicht so schnell aus der Krise kommen werden und sich unsere materielle und finanzielle Lage noch verschlechtern könnte. Wie wirkt sich diese Einstellung auf das Wirtschaftsverhalten der Menschen aus?

„Die Menschen sehen sich veranlasst, sich weiter im Alltag einzuschränken“, erklärt die Meinungsforscherin und nennt einige Zahlen: „63 Prozent erklären, dass sie ihre täglichen Ausgaben kürzen und 28 Prozent, dass die das Geld für Urlaub, Reisen und größere Käufe reduziert haben. Der rückläufige Verbrauch wirkt sich selbst als eine Art Bremse für die Wirtschaftsbelebung aus. Jeder zehnte Befragte spart heute wo er nur kann, um in Notzeiten wenigstens etwas zu haben, um dann über die Runden zu kommen. In Krisenzeiten lohnt es sich, in Immobilien oder anderen Wertgegenständen zu investieren, doch das konnten sich in Bulgarien lediglich zwei Prozent der Bevölkerung leisten. Das Modell des enger geschnallten Gürtels wird also weiterhin vorherrschen. Positiv ist einzig die gestiegene Erwartung der Arbeitnehmer, dass es in den Firmen, in denen sie arbeiten, wirtschaftlich aufwärts gehen wird. Die Zahl der Pessimisten in dieser Beziehung ist von 45 aus 41 Prozent gesunken“, sagte abschließend die Direktorin der Meinungsforschungsagentur „Alpha Research“, Borjana Dimitrowa.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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